Hallo Ihr,
wurde in einem anderen Beitrag dazu angeregt, weil evtl. auch noch andere Muskelkranke unter dem Reizdarm leiden, einen entsprechenden Thread dazu zu schreiben.
Ein Reizdarmsyndrom ist eine Zusammenfassung vieler Magen-Darmsymptome, daher auch Syndrom. Beim Reizdarm gibt es verschiedene Typen (man kann aber auch mehrere Typen in sich vereinen). Das ist der Schmerz-, Durchfall-, Verstopfungs- und Blähtyp. Durchfall (Diarrhoe) kann sich auch mit Verstopfung (Obstipation) abwechseln.
Um eine gesicherte Diagnose auf Reizdarm zu erhalten, sollte man alle anderen evtl. Magen-Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, colitis ulcerosa etc. ausschließen. Deswegen nennt man das Reizdarmsyndrom auch Ausschlusserkrankung.
Folgende Untersuchungen sollten durchgeführt werden:
Großes Blutbild, Ultraschall, Magen- und Darmspiegelung (gleichzeitige Biopsie zur Abklärung einer evtl. Zöliakie). Unbedingt H2-Atemtests auf Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktose, Fruktose, Histamin oder Sorbit. Stuhlanalyse darf nicht fehlen und die Bauchspeicheldrüse sollte auf ihre Funktion zwecks Fettverwertung hin getestet werden. Hoffe, dass ich nichts vergessen habe.
Sollten alle Untersuchungen o.B. (ohne Befund) ausgehen und die Beschwerden bleiben weiterhin bestehen, dann kann von einem Reizdarm ausgegangen werden. Und dann beginnt die eigentliche "Arbeit" für den Betroffenen, denn dann muss er für sich herausfinden, was seine Reizdarmbeschwerden lindert bzw. verstärkt. Das kann am Essen liegen, das kann mit den jeweiligen Lebensbedingungen (Stress auf der Arbeit, Verarbeiten einer Grunderkrankung, familiäre Konflikte etc.) zusammen hängen. In unserer "Sprache" wird gesagt, jeder muss seinen Umgang mit seinem Reizdarm (jeder äußert sich anders) finden, um dann mit ihm besser leben zu können.
In meiner Selbsthilfearbeit habe ich sehr oft feststellen müssen, dass viele Betroffene genau diesen beschwerlichen Weg nicht gehen, sondern zeitlebens auf die Wundermedizin warten, aber die gibt es bis heute nicht, denn zu verschieden sind die Symptome eines jeden Reizdarms. Lediglich die Symptome kann man anhand von verschiedenen Medikamenten lindern, aber das ist meiner Meinung nach nur Symptombehandlung.
Viele Ängeste habe ich in meinem Leben aufgrund meiner Muskelschwäche angesammelt. Als Kind konnte man mich nicht verstehen, weil ich sehr nasal und undeutlich gesprochen habe. Aufgrund dessen habe ich wenig sagen wollen. Mit 7,5 Jahren bin ich nach Hamburg-Wentorf in das Internat für sprachgestörte Kinder gekommen. Dort habe ich mich unter Meinesgleichen wohlgefühlt. Dort habe ich meine Schule bis zum 3. Schuljahr absolviert und hatte nebenbei Logopädische Behandlung. Meine Sprache wurde besser, aber sie war noch nicht so gut wie sie heute ist. Als ich dann in die "normale" Schule kam, erlebte ich einen Kulturschock, denn viele Kinder waren gemein und äfften mich nach. Auch, dass ich keinen Sport mitmachen brauchte, verärgerte die anderen Kinder (waren aber nicht alle so). Lange Rede - kurzer Sinn - ich habe viele Ängste im Leben aufgebaut und vor ca. 20 Jahren kamen sie (so nenne ich das immer) zum Ausbruch, in dem ich nach einem verdorbenen Fischessen sehr schmerzhaften Durchfall bekam. Ich verlor die Kontrolle über meinen Körper und das war eine sehr intensive und schlimme Erfahrung für mich. Seit dem sind meine Magen-Darmbeschwerden nie wieder weg gegangen. Habe nach dem Erlebnis eine Arztodyssee erlebt von 8 Jahren. Bei meiner ersten Reha vor 10 Jahren habe ich die Diagnose Reizdarm bekommen. Ein paar Jahre später habe ich meine letzten Untersuchungen in einer allergologischen Praxis (mit der auch meine Selbsthilfegruppe zusammen arbeitet) in Hamburg durchführen lassen. O. B. - ohne Befund und somit bekam ich ein zweites Mal die Diagnose Reizdarmsyndrom.
Im Jahre 2006 bis 2008 habe ich einen familiären Konflikt mit meinen Eltern ausgefochten - das war meine erste "Baustelle". Dann habe ich mich in einer kognitiven Verhaltenstherapie meinen Ängsten (vor allem vor dem Durchfall) gestellt. Sie sind heute nicht einfach weg, aber ich kann besser mit ihnen umgehen. Das Gründen meiner Selbsthilfegruppe hat mir ein enormes Selbstwertgefühl gegeben und somit lebe ich heute mit meinem Reizdarm Seite an Seite und nicht mehr als Gegner.
Meine letzte Aktion war dieses Jahr, nämlich den genauen Namen meiner Muskelschwäche heraus zu bekommen. Was dann ja aufgrund der Muskelbiopsie klappte und nun mache ich regelmäßig meinen Sport, achte auf mein Gewicht und meistere, genauso wie Ihr, den täglichen Alltag.
Vielen Dank für Euer Mitlesen und es ist doch ein etwas längerer Bericht geworden. Wenn Ihr Fragen habt, dann bitte fragen. Ansonsten noch der Hinweis auf unsere (Zusammenschluss mehrerer Reizdarmgruppen) Homepage:
www.selbsthilfe-bei-reizdarm.de - meine Gruppe ist die in Itzehoe "SHG Itzehoe".
Liebe Grüße und schönen Tag für Euch - littlewoman
wurde in einem anderen Beitrag dazu angeregt, weil evtl. auch noch andere Muskelkranke unter dem Reizdarm leiden, einen entsprechenden Thread dazu zu schreiben.
Ein Reizdarmsyndrom ist eine Zusammenfassung vieler Magen-Darmsymptome, daher auch Syndrom. Beim Reizdarm gibt es verschiedene Typen (man kann aber auch mehrere Typen in sich vereinen). Das ist der Schmerz-, Durchfall-, Verstopfungs- und Blähtyp. Durchfall (Diarrhoe) kann sich auch mit Verstopfung (Obstipation) abwechseln.
Um eine gesicherte Diagnose auf Reizdarm zu erhalten, sollte man alle anderen evtl. Magen-Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, colitis ulcerosa etc. ausschließen. Deswegen nennt man das Reizdarmsyndrom auch Ausschlusserkrankung.
Folgende Untersuchungen sollten durchgeführt werden:
Großes Blutbild, Ultraschall, Magen- und Darmspiegelung (gleichzeitige Biopsie zur Abklärung einer evtl. Zöliakie). Unbedingt H2-Atemtests auf Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktose, Fruktose, Histamin oder Sorbit. Stuhlanalyse darf nicht fehlen und die Bauchspeicheldrüse sollte auf ihre Funktion zwecks Fettverwertung hin getestet werden. Hoffe, dass ich nichts vergessen habe.
Sollten alle Untersuchungen o.B. (ohne Befund) ausgehen und die Beschwerden bleiben weiterhin bestehen, dann kann von einem Reizdarm ausgegangen werden. Und dann beginnt die eigentliche "Arbeit" für den Betroffenen, denn dann muss er für sich herausfinden, was seine Reizdarmbeschwerden lindert bzw. verstärkt. Das kann am Essen liegen, das kann mit den jeweiligen Lebensbedingungen (Stress auf der Arbeit, Verarbeiten einer Grunderkrankung, familiäre Konflikte etc.) zusammen hängen. In unserer "Sprache" wird gesagt, jeder muss seinen Umgang mit seinem Reizdarm (jeder äußert sich anders) finden, um dann mit ihm besser leben zu können.
In meiner Selbsthilfearbeit habe ich sehr oft feststellen müssen, dass viele Betroffene genau diesen beschwerlichen Weg nicht gehen, sondern zeitlebens auf die Wundermedizin warten, aber die gibt es bis heute nicht, denn zu verschieden sind die Symptome eines jeden Reizdarms. Lediglich die Symptome kann man anhand von verschiedenen Medikamenten lindern, aber das ist meiner Meinung nach nur Symptombehandlung.
Viele Ängeste habe ich in meinem Leben aufgrund meiner Muskelschwäche angesammelt. Als Kind konnte man mich nicht verstehen, weil ich sehr nasal und undeutlich gesprochen habe. Aufgrund dessen habe ich wenig sagen wollen. Mit 7,5 Jahren bin ich nach Hamburg-Wentorf in das Internat für sprachgestörte Kinder gekommen. Dort habe ich mich unter Meinesgleichen wohlgefühlt. Dort habe ich meine Schule bis zum 3. Schuljahr absolviert und hatte nebenbei Logopädische Behandlung. Meine Sprache wurde besser, aber sie war noch nicht so gut wie sie heute ist. Als ich dann in die "normale" Schule kam, erlebte ich einen Kulturschock, denn viele Kinder waren gemein und äfften mich nach. Auch, dass ich keinen Sport mitmachen brauchte, verärgerte die anderen Kinder (waren aber nicht alle so). Lange Rede - kurzer Sinn - ich habe viele Ängste im Leben aufgebaut und vor ca. 20 Jahren kamen sie (so nenne ich das immer) zum Ausbruch, in dem ich nach einem verdorbenen Fischessen sehr schmerzhaften Durchfall bekam. Ich verlor die Kontrolle über meinen Körper und das war eine sehr intensive und schlimme Erfahrung für mich. Seit dem sind meine Magen-Darmbeschwerden nie wieder weg gegangen. Habe nach dem Erlebnis eine Arztodyssee erlebt von 8 Jahren. Bei meiner ersten Reha vor 10 Jahren habe ich die Diagnose Reizdarm bekommen. Ein paar Jahre später habe ich meine letzten Untersuchungen in einer allergologischen Praxis (mit der auch meine Selbsthilfegruppe zusammen arbeitet) in Hamburg durchführen lassen. O. B. - ohne Befund und somit bekam ich ein zweites Mal die Diagnose Reizdarmsyndrom.
Im Jahre 2006 bis 2008 habe ich einen familiären Konflikt mit meinen Eltern ausgefochten - das war meine erste "Baustelle". Dann habe ich mich in einer kognitiven Verhaltenstherapie meinen Ängsten (vor allem vor dem Durchfall) gestellt. Sie sind heute nicht einfach weg, aber ich kann besser mit ihnen umgehen. Das Gründen meiner Selbsthilfegruppe hat mir ein enormes Selbstwertgefühl gegeben und somit lebe ich heute mit meinem Reizdarm Seite an Seite und nicht mehr als Gegner.
Meine letzte Aktion war dieses Jahr, nämlich den genauen Namen meiner Muskelschwäche heraus zu bekommen. Was dann ja aufgrund der Muskelbiopsie klappte und nun mache ich regelmäßig meinen Sport, achte auf mein Gewicht und meistere, genauso wie Ihr, den täglichen Alltag.
Vielen Dank für Euer Mitlesen und es ist doch ein etwas längerer Bericht geworden. Wenn Ihr Fragen habt, dann bitte fragen. Ansonsten noch der Hinweis auf unsere (Zusammenschluss mehrerer Reizdarmgruppen) Homepage:
www.selbsthilfe-bei-reizdarm.de - meine Gruppe ist die in Itzehoe "SHG Itzehoe".
Liebe Grüße und schönen Tag für Euch - littlewoman
