Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 24

Thema: Patienten sollen zu Wort kommen

  1. #1

    Frage Patienten sollen zu Wort kommen

    Liebe Nutzer dieses Forums,

    ich habe 1993 in einem engelischen Hospiz zum ersten Mal einen ALS Patienten kennenlernen dürfen. Die vielen beeindruckenden Begegnungen sind mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Nun begleite ich seit 25 Jahren terminal erkrankte Menschen als Palliaitve-Care Fachkraft. Viele Dutzend ALS Patienten durfte ich in diesem Zusammenhang teilweise über Monate und Jahre, aber oft auch nur in der Terminalphase über Wochen oder Tage begleiten.

    Seit ich diese Arbeit tue sammle ich Ideen und Tipps und Tricks, die die Kranken selbst ode Ihre Angehörigen "erfunden" haben um die Herausforderungen des Alltags zu meistern.
    In einigen Wochen halte ich wieder einen Workshop für Fachkräfte über ALS.

    Damit komme ich zu meinem Anliegen:
    Ich möchte als Teil des Workshops möglichst viele Erfahrungen aus der Praxis einbeziehen, aber noch mehr Betroffene selbst zu Wort kommen lassen.
    Deswegen ist meine Idee, ob mir Nutzer des Forums, ganz gleich ob Patienten oder Angehörige, vielleicht statements mailen könnten.
    Sowas wie "Was ich den Pflegenden schon immer mal sagen wollte!" oder "Denkt doch mal daran, dass..." oder "Wie oft wünschte ich, dass..."
    Natürlich kann das gerne anonym geschehen.
    Wenn mir auch die eine oder der andere noch ein paar, mitunter auch sehr individuelle und kreative, Ideen mitteilen möchte, wie man die eine oder andere Situation im Alltag meistern kann, wäre ich auch nicht böse.

    Vielen herzlichen Dank schon jetzt.

    Doris Kellermann
    Leitung HospizAkademie Bergstrasse
    doris.kellermann@hospiz-verein-bergstrasse.de

  2. #2
    Registriert seit
    22.06.2010
    Ort
    Oberfranken
    Beiträge
    906

    Ausrufezeichen Intensiv oder Hospitz - die lieben Pflegekräfte

    Hallo Frau Kellermann - ich will sie nicht persönlich brüskieren, dennoch schreibe ich dies:

    Was ich/wir schon immer sagen wollten - ein paar "kreative" Ideen:

    Pflegekräfte
    - bitte immer während der Arbeit Gehirn einschalten (wenn umfänglich vorhanden)
    - bitte immer bereit sein, sich patientenbezogen intensiv in dort benötigte Maschinen und den Menschen "einzuarbeiten"
    - bitte beachten, dass jeder betroffene Mensch andere Pflege benötigt, auch bei gleicher Erkrankung und im gleichen Stadium
    - dass der Mensch nicht nur ein DING ist um Geld zu verdienen (oder wurde der Pflegeberuf nur deshalb gewählt?)
    - bitte Ehrlichkeit und Korrektheit im Handeln mit den Patienten und deren Familien
    - bitte den Pflegeberuf aufgeben, wenn man nicht bereit ist mit Verstand, Engagement und Herz den Beruf auszufüllen. Dieser Beruf ist kein reiner Selbstzweck.

    Ansonsten:
    Würde mein Ehemann (und seine männliche Verwandtschaft, allesamt Ingenieure) endlich den von mir heiß gewünschten Absaugroboter (zu steuern über Augensteuerung oder Umfeldsteuerung - bei NIV Nasenmaske) erfinden, so würde ich gerne auf etliche Tage im Monat mit Pflegekräfte verzichten.

    Mein Männe würde nicht so "dastehen", wenn ich nicht die meiste Zeit alles im Auge behalten würde.
    Er möchte nicht den Pflegekräften alleine "ausgeliefert" sein - er schätzt Hilfe mit Sinn und Verstand.

    Sorry, dass ich hier gleich lospoltere, aber wir müssen leider immer wieder nicht nur den Kopf schütteln bei der sog. "Intensivpflege". An manchen Tagen wird uns bange (und übel).

    PS: Ein kürzlich überraschend im Hospitz verstorbener ALS-Patient, geschätzter langjähriger Forumteilnehmer, soll von einem Pfleger im Hospitz ungefähr so gefragt worden sein "wann er nun endlich versterben würde". (Er war dort nur "vorübergehend stationiert" also nur "zwischengeparkt" und sollte wieder nach Hause sobald sein neues Team komplett, nachdem sein alter Pflegedienst ihn überraschend kurzfristig gekündigt hatte, wegen Probleme mit dem Personal).
    Das ist Pflege mit "Verstand und Herz"
    Hilft für solch Menschen womöglich ein Seminar ??
    Geändert von Skyline (13.02.2018 um 09:41 Uhr)

  3. #3

    Standard

    Liebe Frau "Skyline",

    ich bin nicht brüskiert. Im Gegenteil. Es tut mir sehr leid, dass Sie in der Vergangenheit so viele frustrierende Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege machen mussten.
    Insbesondere wenn es HospizmitarbeiterInnen waren, von denen man mehr Empathie und Gesprächskompetenz erwarten dürfte.
    Ich bin mir sehr wohl der Individualität meiner Patienten bewußt, dennoch lassen sich gute Ideen, die ich bei einem entdeckt habe gelegentlich als Hinweis bei einem anderen nutzen.

    Ich weiß nicht, wie viel ich mit meinen Workshops verändern kann, hoffe jedoch bei den Pflegenden (leider kommen ja in der Regel nur solche zu den Fortbildungen, die sich ohnehin sehr interessieren und motiviert sind besser zu werden) genau das anzustoßen, was Sie als defizitär beschreiben. Aber mit einem langen Atem können wir gemeinsam (also ich mit Unterstützung von Betroffenen) vielleicht doch etwas bewegen, dass derart unerfreuliche Situationen zumindest weniger werden.

    Ich grüße Sie ganz herzlich
    Doris Kellermann

  4. #4
    Registriert seit
    02.01.2014
    Ort
    Jossgrund
    Beiträge
    129

    Standard

    kann es sein dass mit der email Adresse was nicht stimmt?

  5. #5
    Registriert seit
    02.01.2014
    Ort
    Jossgrund
    Beiträge
    129

    Lächeln

    Sorry, war meine Schuld.
    Gudrun

  6. #6
    Registriert seit
    02.01.2014
    Ort
    Jossgrund
    Beiträge
    129

    Böse

    Sorry, war meine Schuld.<br>
    Gudrun<br>

  7. #7
    Registriert seit
    02.01.2014
    Ort
    Jossgrund
    Beiträge
    129

    Cool

    Sorry, war meine Schuld.<br>
    Gudrun<br>
    <br>

  8. #8
    Registriert seit
    02.01.2014
    Ort
    Jossgrund
    Beiträge
    129

    Frage

    Sorry, war meine Schuld.<br>
    Gudrun<br>
    <br>
    <br>

  9. #9
    Registriert seit
    22.06.2010
    Ort
    Oberfranken
    Beiträge
    906

    Standard

    Gudrun, hast du tolle Hinweise für die Pflege - nur raus damit auch hier im Forum. DANKE DIR!

  10. #10
    Registriert seit
    27.11.2010
    Ort
    Mittelfranken
    Beiträge
    318

    Standard

    Hallo Doris,
    ich bin kein Patient, sondern nur Angehöriger und Betreuer einer ALS-Kranken, die sich selbst nicht mehr äußern kann.
    Ich will hier mal eine Lanze brechen für Pflegeverhältnisse, die positiv und erfreulich verlaufen können. Zwar haben auch wir etliche problematische Situationen erlebt, weil es natürlich auch im Pflegebereich menschelt. D.h. es gab auch bei uns einige wenige Pflegekräfte, die wir nicht tolerieren konnten.
    Andererseits machen wir überwiegend gute Erfahrungen. Die bekommt man aber nicht umsonst: Wir tun sehr viel für einen positiven Teamgeist, bemühen uns um ein harmonisches Miteinander mit z.B. Einladungen zu Kaffee und Kuchen oder ab und zu einem gemütlichem Beisammensein bei einer Pizza.
    Zudem darf man nicht vergessen, dass Pflegekräfte teilweise länger am Arbeitsplatz sind als zu Hause, man also sehr viel Privates mitbekommt (z.B. Partnerschaftsprobleme), auf das man dann auch einfühlsam reagieren und eingehen sollte.
    Thema "Rauchen" (im medizinischen Bereich [noch?] erstaunlich weit verbreitet): Obwohl wir nicht begeistert sind, tolerieren wir das in gewissen Grenzen. Denn wir können und wollen erwachsene Menschen von dieser krankhaften Sucht nicht befreien.
    Bei all dem stellen wir hohe Ansprüche im Interesse der Patientin. Wenn es darum geht, können wir durchaus hart und unnachgiebig sein.
    Um auf Dein Anliegen einzugehen: Besondere Tricks haben wir nicht; wir achten aber (mit gutem Erfolg) auf ein gedeihliches Betriebsklima, indem wir z.B. auf strikte Anweisungen möglichst verzichten, sondern versuchen, mit Bitten unser Ziel zu erreichen. Allerdings: Wer sich partout nicht einordnet, wird höflich, aber bestimmt genötigt, das Team zu verlassen.
    Eine Bemerkung noch zum Krankheitsverlauf bei ALS: Die Krankheit ist per se nicht tödlich: Gute Pflege, die entscheidend auch das "Betriebsklima" beinhaltet, kann das Immunsystem so stabilisieren, dass die Überlebenszeit trotz erhöhten Infektionsrisikos sehr lange sein kann (bis jetzt 8 Jahre seit Diagnose bei meiner Frau). Gute ärztliche und therapeutische Versorgung gehört natürlich auch dazu.
    Viel Erfolg!
    _____________________________________
    Ergänzung: Einige "Tricks" haben wir vielleicht doch:
    1. den Gerätepark. Um den kümmere ich mich, indem ich fleißig recherchiere und dementsprechend das beste Equipment besorge (ich bin Rentner und kann das zeitlich leisten). Die Beispiele (Patientenlifter, Wechseldruckmatratze, neuester Hustenassistent, automatischer Cuffdruckregler, automatische subglottische Sekretabsaugung, unblutige Blutzucker-Messung, ...) zeigen, dass wir eine "WinWin-Situation" anstreben, d.h. Entlastung des Personals bei bestmöglicher Schonung der Patientin.
    2. vielfältige Unternehmungen, angefangen beim täglichen Spaziergang über Konzert- und Biergarten-Besuche bis zu etwas aufwendigeren Tagesausflügen mit unserem umgebauten Caddy. Dem Pflegepersonal tut die Abwechslung gut, aber auch meiner Frau (u.a. wegen der positiven Auswirkung auf die Verdauung).
    Geändert von Blauracke (14.02.2018 um 13:17 Uhr)

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •