Hallo,
Christoph hat da einen interessanten Artikel gefunden: Es geht darin um die Entdeckung einer ungewöhnlichen Mutation in einem nicht-kodierenden Bereich eines Gens auf Chromosom 9 bei ALS/FTD.
Diese Mutation wurde interessanterweise von zwei Instituten unabhängig voneinander entdeckt.
Die meisten humanen Gene sind in kodierende Bereiche (Exons) und nicht kodierende Bereiche (Introns) unterteilt. Aus den kodierenden Bereichen eines Gens wird dann später ein Protein gebildet. Die nicht-kodierenden Bereiche wurden lange als „Gen-Müll“ betrachtet, die gesamte Aufmerksamkeit konzntrierte sich auf die Exons. Mittlerweile weiss man aber, dass die Introns eine wichtige Rolle bei der Proteinentstehung spielen können, auch wenn die in ihnen enthaltene genetische Information kein Teil des das reifen Proteins ist.
In den vorliegenden Studien handelt es sich um eine nur 6 Nukleotide (Baustein der DNA) kurze Sequenz, die ungewöhnlich oft wiederholt wird. Als pathologisch wird in den Veröffentlichungen eine Anzahl von mehr als 30 Wiederholungen dieser Sequenz bezeichnet, während eine Anzahl von weniger als 25 Wiederholungen dieser Sequenz als Wildtyp-Form angesehen wird. In dem Artikel werden (natürlich) die Spitzenwerte gegenübergestellt (2-23 gegenüber 700-1600 Sequenzwiederholungen).
Darauf aufmerksam wurde man durch eine Weiterentwicklung der bisherigen Genomsequenzierung, dem „Next-Generation-Sequencing“.
Die Abnormalität tritt im ersten Intron des noch nicht näher charakterisierten Gens C90RF2 auf. Das Auftreten der Abnormalität korreliert mit fast 50% der fALS Fälle einer finnischen Population und mit mehr als einem Drittel der fALS Fälle in anderen europäischen Populationen und wird damit zu der häufigsten gemeinsamen genetischen Ursache für ALS/FTD.
Damit ist diese Ursache bereits doppelt so häufig wie das Auftreten von Mutationen im SOD1 Gen.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass diese Abnormität auch in etwa 4% der sALS Proben eines der teilnehmenden Institute gefunden wurde.
Eine Hypothese der Wirkung ist, dass bei dem ersten Schritt der Proteinbiosynthese, dem Übersetzen der Information der DNA in mRNA (der Matrize), die gebildete RNA durch diese Sequenzwiederholungen fest an Proteine gebunden wird, die Aggregate innerhalb der Gehirnzellen bilden und dadurch die normale Funktion dieser Proteine gestört ist, sozusagen eine toxische RNA gebildet wird.
Diese Sequenzwiederholung könnte aber auch das „Zurechtschneiden“ der unfertigen mRNA in eine korrekte reife mRNA stören und damit in die Proteinsynthese eingreifen.
Wie sich diese Sequenzwiederholung letztendlich störend und damit krankheitsbildend auswirkt, müssen weitere Untersuchungen klären.
Aber hier gibt es einen weiteren Hinweis darauf, dass ein gestörter RNA Metabolismus eine große Rolle bei der ALS/FTD Entstehung spielt.
Zum Weiterlesen:
Die Originalartikel:
Viele Grüße,
Jörg
Christoph hat da einen interessanten Artikel gefunden: Es geht darin um die Entdeckung einer ungewöhnlichen Mutation in einem nicht-kodierenden Bereich eines Gens auf Chromosom 9 bei ALS/FTD.
Diese Mutation wurde interessanterweise von zwei Instituten unabhängig voneinander entdeckt.
Die meisten humanen Gene sind in kodierende Bereiche (Exons) und nicht kodierende Bereiche (Introns) unterteilt. Aus den kodierenden Bereichen eines Gens wird dann später ein Protein gebildet. Die nicht-kodierenden Bereiche wurden lange als „Gen-Müll“ betrachtet, die gesamte Aufmerksamkeit konzntrierte sich auf die Exons. Mittlerweile weiss man aber, dass die Introns eine wichtige Rolle bei der Proteinentstehung spielen können, auch wenn die in ihnen enthaltene genetische Information kein Teil des das reifen Proteins ist.
In den vorliegenden Studien handelt es sich um eine nur 6 Nukleotide (Baustein der DNA) kurze Sequenz, die ungewöhnlich oft wiederholt wird. Als pathologisch wird in den Veröffentlichungen eine Anzahl von mehr als 30 Wiederholungen dieser Sequenz bezeichnet, während eine Anzahl von weniger als 25 Wiederholungen dieser Sequenz als Wildtyp-Form angesehen wird. In dem Artikel werden (natürlich) die Spitzenwerte gegenübergestellt (2-23 gegenüber 700-1600 Sequenzwiederholungen).
Darauf aufmerksam wurde man durch eine Weiterentwicklung der bisherigen Genomsequenzierung, dem „Next-Generation-Sequencing“.
Die Abnormalität tritt im ersten Intron des noch nicht näher charakterisierten Gens C90RF2 auf. Das Auftreten der Abnormalität korreliert mit fast 50% der fALS Fälle einer finnischen Population und mit mehr als einem Drittel der fALS Fälle in anderen europäischen Populationen und wird damit zu der häufigsten gemeinsamen genetischen Ursache für ALS/FTD.
Damit ist diese Ursache bereits doppelt so häufig wie das Auftreten von Mutationen im SOD1 Gen.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass diese Abnormität auch in etwa 4% der sALS Proben eines der teilnehmenden Institute gefunden wurde.
Eine Hypothese der Wirkung ist, dass bei dem ersten Schritt der Proteinbiosynthese, dem Übersetzen der Information der DNA in mRNA (der Matrize), die gebildete RNA durch diese Sequenzwiederholungen fest an Proteine gebunden wird, die Aggregate innerhalb der Gehirnzellen bilden und dadurch die normale Funktion dieser Proteine gestört ist, sozusagen eine toxische RNA gebildet wird.
Diese Sequenzwiederholung könnte aber auch das „Zurechtschneiden“ der unfertigen mRNA in eine korrekte reife mRNA stören und damit in die Proteinsynthese eingreifen.
Wie sich diese Sequenzwiederholung letztendlich störend und damit krankheitsbildend auswirkt, müssen weitere Untersuchungen klären.
Aber hier gibt es einen weiteren Hinweis darauf, dass ein gestörter RNA Metabolismus eine große Rolle bei der ALS/FTD Entstehung spielt.
Zum Weiterlesen:
Die Originalartikel:
Viele Grüße,
Jörg


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