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Antidepressiva bei Muskeldystrophie

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    Antidepressiva bei Muskeldystrophie

    Hallo alle im Forum. Im Mai ging es hier schon einmal um Angst,Depressionen u. Panikattaken.
    Ich bin erade aus dem KH entlassen nach einer sehr schweren Lungentzündung. Es ging richtig zur Sache u. ich hatte immer wieder Erstickungsanfälle mit Todesängsten (übertrieben?) Seitdem habe ich häufig Albträume, habe Angst alleine zu sein usw. Auch jetzt hier zu Hause. Nun soll ich das Antidepressivum REMERGIL mit dem Wirkstoff Mirtazapin nehmen. Weil ich nicht weiß, was das mit mir macht: Wer hat schon Erfahrung?
    Liebe Grüße, Annette.

    #2
    Hallo Annette,

    schön, dass Du die Lungenentzündung überstanden hast. Das ist natürlich immer die Hölle, wenn die Atmung angegriffen wird. Und der Ausfall der Atmung hat auch mit Todesängsten zu tun, die stellen sich dann leider sofort ein. Hast Du eigentlich ein Atemgerät? Wie sieht es jetzt mit deiner Atmung aus?

    Ich habe jetzt keine persönlichen Erfahrungen mit Remergil, ich bin nur als Therapeut immer wieder bei meinen Patienten darauf gestoßen. Die meisten hatten damit gute Erfahrungen gemacht, einige aber auch schlechte. Das ist bei Psychopharmaka aber "normal", man muss ausprobieren, wie die Verträglichkeit ist, vorab ist das nicht zu sagen.
    Remergil gehört zu den sogenannten atypischen Neuroleptika, die so heißen, weil sie im Gegensatz zu den typischen sehr wenige Nebenwirkungen haben. Insofern ist das schon eine gute Wahl, die Dir psychisch helfen kann, aus den Angstzuständen zu kommen.
    In der Regel nimmt man so ein Mittel länger, erstmal bis zu einem halben Jahr, in geringer Dosis und wenn deine Situation sich zum Guten stabilisiert hat, kann das Mittel problemlos ausgeschlichen werden.
    Probiere es aus, es gibt bei dem Mittel und der richtigen Einstellung und ärztlichen Betreuung nichts, was Du befürchten müsstest. Und sollte Dir doch etwas unangenehmes widerfahren, wird das Mittel sofort ausgeschlichen.

    Es gibt natürlich bei Muskelerkrankten immer ein Haken. Remergil hellt erstmal die Stimmung auf und das ist natürlich der gewollte Effekt. Ein anderer Effekt, der bei Remergil nicht vorkommen soll, aber durchaus mal vorkommen kann, ist die Senkung des Muskeltonus. Das ist für gewöhnlich auch keine große Sache, aber bei Menschen mit ausgeprägter Muskelschwäche besonders im Auge zu behalten. Und darauf solltest Du, wenn du dich zu diesem Mittel entschließt, auch gut achten, ob sich bei deiner Muskeltätigkeit irgendwas verändert. Das solltest Du dann sofort dem Arzt mitteilen. Aber eigentlich ist dies genau eine Nebenwirkung, die mit Remergil vermieden werden soll.

    Liebe Grüße
    Guido

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      #3
      Hallo Guido. Vielen Dank für deine Antwort.Ja, auch an anderer Stelle (Klinik-und Hausarzt, Neurologin) wurde mir gesagt, dass man nur durch Ausprobieren herausfinden kann. Da ärgere ich mich fast über mich selbst, 'dass ich Angst habe etwas gegen die Angst zu nehmen..'
      Seit Mai habe ich ein Atemgerät, beatme nachts ca. 10 Std. Jetzt, während der Lungenentz. waren es 14 Tage lang fast 24 Std. Nun muß ich mich entwöhnen, geht inzwischen schon für mind. 6-7 Std.am Stück, dann meist 2 Std. "erholen" und noch mal 3-4 Std. "ohne". Nach wie vor jedoch - vor allen nachts - die Angst das Gerät tut nicht, ich muß husten, ein Schlauch geht ab...usw. Vor 1 Woce hatten wir übrigens nachts einen kompletten Stromausfall im ges. Ortsbereich! Das war natürlich Wasser auf die Mühle!
      Übrigens habe ich jetzt einen sog. Husten-Assistenten. Ein tolles Gerät, tut meiner Atmung echt gut.
      Ich werde meinen Mut zusammensuchen und es wohl doch mal mit Remergil probieren.
      Liebe Grüße, Annette

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        #4
        Hallo liebe Anette,
        ich habe selbst FSHD und nehme seit ca. 2 Jahren ebenfalls ein Antidepressiva, nicht Dein verordnetes Präparat aber ähnlich. Ich hatte damals einen Nervenzusammenbruch. Beruf, Krankheit und verschiedene andere Dinge wurden mir einfach zuviel. Ich litt ebenso unter Panikattacken und ging fast nicht mehr unter die Leute. Versuche die Einnahme von Deinem Präparat. Du stellst recht kurzfristig fest, ob Du Nebenwirkungen hast. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich Dir nur zuraten dich mit diesem Medikament selbst seelisch zu unterstützen. Bei mir hat die Einnahme auch keine Auswirkung auf meine Muskelerkrankung gezeigt!! Mir war auch eine Psychotherapeutin noch eine große Hilfe. Ich war sehr schnell wieder in der Lage einigermaßen normal am Leben teilzunehmen. Bin heute bei einer ganz minimalen Dosis, jeden 3.Tg. eine 1/2 Tabl. und es geht mir sehr gut. Man muß sich einfach auch mal von "aussen" helfen lassen.
        Ganz liebe Grüsse und lass' Dir helfen
        Christine

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          #5
          Hallo Annette,

          Christines Antwort macht doch Mut. Ich glaube auch, dass Du Dir eine gute Entlastung und ein gutes Stück Angstfreiheit mit dem Mittel verschaffen kannst.

          Die Angst vor der Angst ist natürlich immer ein schwer zu stopender Selbstläufer. Aber auch hier ist immer die Frage, worauf sie beruht. Häufig findet ein Übertrag statt, von der einstmals bedrohlichen körperlichen Situation auf eine generelle Vorstellung davon, die Kontrolle über sich zu verlieren.
          Das ist jetzt reine Spekulation, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Lungenentzündung für dich eine extrem bedrohliche Situation darstellte, die sich Dir auch so mitgeteilt hat, dass Du keine Kontrolle mehr über dich und deinen Körper hattest. Möglicher Weise hat sich dieses Erlebnis dann ausgeweitet auf eine generelle Angstvorstellung davon, irgendwie nicht mehr die Konrolle über sich zu haben. Das ist bei einem Psychopharmaka ja immer auch ein Gedanke, der mitschwingt, dass man seine psychische Integrität abgibt.
          Falls Du so eine Vorstellung hast, mit der Einahme des Mittels die Kontrolle über dich abzugeben, dann ist das nicht so. Im Gegenteil, Du gewinnst dadurch wieder mehr Handlungsraum und Kontrolle über dich selbst.

          Auch wenn es bei Dir anders ist, ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Mittel und möglichst bald angstfreie Tage.

          Liebe Grüße
          Guido

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            #6
            Erfahrung mit Remergil

            Hallo Annette,

            ich bekomme seit einiger Zeit Remergil und ich finde es wirklich gut.
            Bei der ersten Einnahme hatte ich allerdings das Problem, dass ich morgens nicht aus dem Bett kam. Obwohl mich mein Mann drei Mal geweckt hat, habe ich doch verschlafen.
            Danach wurde die Dosis erhöht (!!) und jetzt klappt es gut.
            Hört sich komisch an, ist aber so (*lächel* diesen Satz wollte ich schon immer mal anwenden)

            Mir wurde erklärt, dass es bei manchen Antidepressiva tatsächlich so ist, dass sie in höherer Dosierung weniger sedierend wirken - und so habe ich es ja auch erlebt.

            Seit ich Remergil nehme, sind die Angsattacken schon weniger geworden und ich kann - bis auf lebhafte Träume - auch keine Nebenwirkungen erkennen.

            Ich hoffe, das Mittel wirkt bei dir genauso gut, wie bei mir :-)

            Liebe Grüße,
            Heike
            Der Vorteil der Intelligenz besteht darin: Sich dumm stellen zu können. Das Gegenteil ist weitaus schwieriger.

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              #7
              Hallo Tine, hallo Heike, Ihr macht mir echt Mut, es doch mal zu probieren. Ich hatte bei meiner bisherigen Erfahrungssuche im net nur Horror-Meinungen gelesen über Remergil. ( aber alles keine Muskelkranken) - Lt. Neurologin soll ich mit 7,5 mg beginnen ( einschleichen) Heike, wie schnell hast du erhöht? Und habt Ihr große Gewichtszunahme und Schluckbeschwerden?
              Dir, Guido, auch nochmals danke für deine Zeilen.
              Annette

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                #8
                Hallo Annette,

                also ich habe mit 15mg angefangen und nachdem ich - wie schon gesagt - damit nicht mehr aus dem Bett kam, haben wir die tägliche Dosis nach 4 Tagen auf 30mg erhöht.

                Aber das soll ja nun auch nichts heißen ... jeder Körper reagiert anders und ich weiß, dass ich (bzw. mein Körper) manchmal dazu neige, höhere Dosen zu benötigen.

                Ich habe weder Schluckbeschwerden, noch habe ich Gewicht zugelegt ... wie schon beschrieben, habe ich lediglich recht lebhafte Träume, worüber ich auch mit meiner Ärztin gesprochen habe; sie meint, wenn mich die Träume belasten oder schlimmer werden, dann müßten wir uns etwas anderes überlegen - glücklicherweise ist das nicht der Fall, ich habe eher das Gefühl, dass die Träume doch langsam weniger lebhaft werden.

                Dass du im Internet nur Horrorgeschichten über Remergil gefunden hast, war fast zu erwarten ... nicht, weil das Medikament so schlecht wäre, sondern weil die Leute sich immer nur dann äußern, wenn sie negatives zu berichten haben :-(

                Liebe Grüße,
                Heike
                Der Vorteil der Intelligenz besteht darin: Sich dumm stellen zu können. Das Gegenteil ist weitaus schwieriger.

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