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    Orthopädische Schuhe

    Hallo,
    seit letzter Woche bin ich in Besitz orthopädischer Schuhe, die ich leider von meinem Orthopäden verschrieben bekommen hatte, nachdem an meinem linken Fuß der Knochen etwas nach außen gewachsen war. Nun sind die Schuhe wahnsinnig schwer beim Tragen. Ich habe eine Gliedergürteldystrophie und kann im Innenbereich noch etwas gehen. Hat jemand von euch Erfahrungen mit orthopädischen Schuhen? Oder habt ihr sie auch alle in die Ecke gestellt, weil sie so schwer waren? Das Problem ist zusätzlich, dass die Krankenkasse wohl für die Dauer der nächsten zwei Jahren keine Schuhveränderungen an gewöhnlichen Schuhen bezahlt. Die orthopädischen Schuhe müssen also erstmal 2 Jahre abgelaufen werden.
    Wer kann dazu etwas sagen?
    Liebe Grüße
    Rafaela

    #2
    Hallo Rafaela,

    wofür brauchst Du denn den Schuh, wenn Du nur im Innenbereich gehst? Soll der nur für Stabilität des Fußgelenks sein? Vielleicht ist diese Anfertigung für dich einfach nicht sinnvoll?

    Das sind erstmal nur Fragen. Hier im Forum sind solche Fragen, wie Du sie gestellt hast, immer schwer zu beantworten, weil der richtige Einsatz von Hilfsmitteln von so vielen konkreten Verhältnissen abhängt.

    Ich habe eine Peräneus- Schiene verpasst bekommen, die auch nur in der Ecke rumsteht, weil die Nachteile beim Tragen die Vorteile überwiegen. Aber das muss natürlich nicht generell so sein und bei Dir auch nicht.

    Liebe Grüße
    Guido

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      #3
      Hallo Guido,
      was sind denn das zum Beispiel für Nachteile mit so einer Peräneus-Schiene, weil bisher hab ich im Forum eigentlich durchweg nur Positives darüber gehört?
      Und ab wann bekommt man so eine Schiene?
      Danke für die Antwort,
      Feli

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        #4
        Hallo Feli,

        verzeih, ich habe da wieder was falsch geschrieben, natürlich: Peroneus. Und ich habe keine Peroneusschiene, sondern einen Peroneusschuh.
        Dieser Schuh ist ein starres Gebilde, das am oberen Wadenbein straff fixiert werden muss und vom Wadenbein, unter dem Fuß, bis zu den Zehenspitzen verläuft. Das starre Verhalten des Schuhs soll die schwachen Fußhebermuskeln ersetzen, damit der Fuß beim Gehen nicht nach vorn- unten abfällt.
        Da ist wohl auch ein Unterschied, zwischen Peroneus- schuh und Peroneus- schiene. Der Schuh fixiert das Fußgelenk, während die Schiene noch eine Beweglichkeit des Fußgelenks erlaubt. Aber da kenne ich mich im Detail nicht so gut aus.

        Jedenfalls habe ich einen Peroneusschuh verschrieben bekommen. Das starre Material bei meinem Schuh hatte zur Folge, dass sich der Fuß und das Wadenbein beim Gehen in ihr wund rieben. Da konnte gepolstert werden, wie will. Zudem musste ich mein Gehen an die Starre des Materials anpassen, was mein Gehen eher noch unsicherer machte. Das lag hauptsächlich an der starren Fußgelenksachse. Ihre Funktion wurde durch den Schuh komplett aufgehoben.
        Außerdem passte der Schuh nicht wirklich in meine Schuhe, weshalb ich ihn nur in Sportschuhe anziehen konnte.

        Die Verschreibung dieses Schuhs war einfach über das Ziel hinausgeschoßen. Der fertige Schuh behinderte mich mehr, als dass er mich beim Gehen unterstützte. Und das ist ja keine Neuigkeit bei der Hilfsmittelversorgung, dass die verschriebenen Hilfsmittel über das erforderliche Maß hinausschießen. Als jemand, dem so ein eher hinderliches Hilfsmittel beschafft wurde, kommt man dann noch in eine Rechtfertigungsbedrängnis, warum man das Hilfsmittel jetzt nicht nimmt.
        Deshalb ist eine vorhergehende Hilfsmittelberatung immer sinnvoll. Genaue Hilfsmittelanpassung ist schon eine Kunst für sich. Die DGM in Freiburg berät auch in dieser Hinsicht.

        Ich persönlich drücke mich ein wenig davor, mich selber über Hilfsmittel genügend zu informieren, weil mich die Vielfalt der Hilfsmittel und die ganze Auseinandersetzung mit ihnen und meiner Situation eher schnell überfordert. Ich möchte mich also nicht zum Experten für Hilfsmittel machen, sondern lieber diesbezüglich auf Expertenmeinugen vertrauen. Aber manchmal läuft man damit in eine Sackgasse, oder in die Überversorgung.

        Ich habe in der DGM viele Betroffene kennen gelernt, die durch ihre Erkrankung grandiose Hilfs- und Heilmittelexperten geworden sind. Das kann man auch an vielen Beiträgen hier im Forum lesen, besonders im ALS- Forum. Ich bewundere das, ich kann das nicht, ich bin schon froh, wenn ich Peroneus richtig schreibe. Deshalb wünsche ich Rafaela, dass hier noch ein paar Peroneus- Experten zum Thema schreiben, bzw. zu orthopädische Schuhe, weil bei Ihr ja auch eine Knochenproblematik vorliegt.

        Liebe Grüße
        Guido
        Zuletzt geändert von Guido; 03.03.2009, 14:42.

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          #5
          Liebe Rafaela,

          vor vielen Jahren (jetzt sitze ich im Rollstuhl) habe auch ich orthopädische Schuhe bekommen, weil ich eine Spitzfußstellung habe und sehr kleine Füße, die zudem noch einen hohen Spann haben, so dass Schuhe "von der Stange" nicht passten. Das erste Paar war für mich als Dystrophiker auch viel zu schwer, so dass ich durch die Schuhe noch mehr "behindert" wurde. Der nächste Schuhmacher ging dann auf meine Beschwerden ein und "baute" mir super leichte Schuhe. Damit kam ich prima zurecht und konnte noch viele Jahre gut unterwegs sein.
          Wenn man der Krankenkasse diesen Sachverhalt erklärt, dürfte durchaus noch ein zweites Paar "drin" sein, zumal man ja auch Schuhe zum Wechseln braucht.

          Viel Erfolg und liebe Grüße
          Manfred
          ms

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            #6
            Lieber Manfred, Guido, Feli,
            vielen Dank für eure Antworten.
            Im Innenbereich laufe ich schon noch sehr viel. Meinen E-Rolli nutze ich fast nur draußen. Sicher kennt ihr als muskelkranke Menschen das sowieso schon "schwere Körpergefühl" und wenn dann noch so "Klötze von Schuhen" an einem dranhängen...
            Zum Glück kann ich mit herkömmlichen "Ecco-Schuhen" mit entsprechender Schuhveränderung (Außenranderhöhung und Verbreiterung) auch noch laufen, so dass ich also vermutlich zwischen dem orthopädischen Schuh und diesen abwechseln werde.
            Ja, Manfred, dass denke ich doch auch, dass es möglich sein muss, orthopädische Schuhe in "leichter Art" zu fertigen. Schade, dass mir mein Orthopädimechaniker so wenig Gehör geschenkt hat.
            Gruß
            Rafaela

            Zitat von dgmschulz Beitrag anzeigen
            Liebe Rafaela,

            vor vielen Jahren (jetzt sitze ich im Rollstuhl) habe auch ich orthopädische Schuhe bekommen, weil ich eine Spitzfußstellung habe und sehr kleine Füße, die zudem noch einen hohen Spann haben, so dass Schuhe "von der Stange" nicht passten. Das erste Paar war für mich als Dystrophiker auch viel zu schwer, so dass ich durch die Schuhe noch mehr "behindert" wurde. Der nächste Schuhmacher ging dann auf meine Beschwerden ein und "baute" mir super leichte Schuhe. Damit kam ich prima zurecht und konnte noch viele Jahre gut unterwegs sein.
            Wenn man der Krankenkasse diesen Sachverhalt erklärt, dürfte durchaus noch ein zweites Paar "drin" sein, zumal man ja auch Schuhe zum Wechseln braucht.

            Viel Erfolg und liebe Grüße
            Manfred

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              #7
              Ich kenne orthopädische Schuhe nicht, denke aber, daß Muskeln allgemein bewegt werden wollen. Muskeln, die durch Hilfsmittel zusätzlich künstlich behindert oder ruhiggestellt werden, werden sicher nicht kräftiger, im Gegenteil. Ich würde, solange es möglich ist, zu Hause auf Socken laufen.

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                #8
                Zitat von Norkimo Beitrag anzeigen
                Ich kenne orthopädische Schuhe nicht, denke aber, daß Muskeln allgemein bewegt werden wollen. Muskeln, die durch Hilfsmittel zusätzlich künstlich behindert oder ruhiggestellt werden, werden sicher nicht kräftiger, im Gegenteil. Ich würde, solange es möglich ist, zu Hause auf Socken laufen.
                Das halte ich für nicht ganz richtig. Wer unsicher geht, kann schnell mal umknicken und hinfallen. Die etwas höher (als Halbschuhe) geschnittenen orthopädischen Schuhe geben dem Fuß Stabilität beim Gehen. Die orthopädischen Schuhe behindern nicht und stellen den Fuß auch nicht ruhig. Die Oberschenkel- und Wadenmuskulatur ist immer im "Einsatz" und auch die Füße können sich noch wie üblich bewegen.
                Also bitte diesen oben zitierten Rat nur unter Vorbehalt betrachten.

                Alles Gute
                Manfred
                Zuletzt geändert von dgmschulz; 05.03.2009, 21:50. Grund: Tippfehler beseitigt
                ms

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                  #9
                  Hallo Norkimo,
                  auf Socken laufen wäre für mich zu gefährlich. Da würde ich ruckzuck auf der Nase liegen. Aber wohl denen, die es können...
                  Rafaela

                  Zitat von Norkimo Beitrag anzeigen
                  Ich kenne orthopädische Schuhe nicht, denke aber, daß Muskeln allgemein bewegt werden wollen. Muskeln, die durch Hilfsmittel zusätzlich künstlich behindert oder ruhiggestellt werden, werden sicher nicht kräftiger, im Gegenteil. Ich würde, solange es möglich ist, zu Hause auf Socken laufen.

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                    #10
                    Hallo, liebe Leute,

                    in dieser Rubrik geht es um orthopädische Schuhe, zu denen ich nix sagen kann, aber auch von Peroneusschienen ist die Rede, und die kenne ich zur Genüge, damit laufe ich nämlich seit 36 Jahren – fast ohne Stürze und seitdem ohne Umknicken. Ich bin jetzt 57 Jahre alt, benutze die Fußheber-Orthesen also seit meinem 21. Lebensjahr, und habe allen Grund zu der Annahme, dass ich mit 85 Jahren damit immer noch ganz gut zu Fuß sein werde.

                    Meine Erfahrungen mit diesen Dingern habe ich hier niedergeschrieben:



                    Zur Zeit trage ich dieses Modell:



                    Die nächsten Orthesen werden aller Voraussicht nach aus dieser Kollektion stammen:



                    Die Dorsalex-Orthesen gibt es in verschiedenen Härtegraden, sie sind vorkonfektioniert und können oft ohne Änderung im eigenen Serienschuh ausprobiert werden.

                    Aus diversen Berichten und persönlichem Austausch mit Betroffenen habe ich immer wieder den Eindruck gewonnen, dass Betroffene nicht auf andere Möglichkeiten zum Ausgleich von Defiziten – hier eben der Fußheberschwäche – hingewiesen werden, so dass es oft genug zu einseitigen, nicht ausgewogenen Entscheidungen kommt. Ich will damit sagen, dass es vorteilhaft ist, sich umfassend zu informieren, denn für sehr viele Probleme gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten. Bei Fußheberschwäche fallen mir nicht nur die Orthesen ein, es geht u.U. auch mit OP, mit Innenschuhen oder eben mit orthopädischen Schuhen. Gute Sanitätshäuser bauen orthop. Schuhe und Beinprothesen, haben Orthesen und Rollis auf Lager und keine Probleme mit längeren Beratungsgesprächen. Ich habe mir selbst so eine Beratung angedeihen lassen, bei der es allerdings nur um Orthesen ging, das dauerte 45 Minuten und einen Kaffee gab’s auch noch.

                    Einseitige Beratungen in Richtung OP, Orthese oder orthop. Schuhe halte ich für fragwürdig, aber eine Orthopädie-Schuhmachermeister muss ja auch nicht unbedingt Ahnung von Orthesen haben, und ein Orthopädiefacharzt auch nicht, die haben meistens auch keine Ahnung von Muskelerkrankungen und den Problemen, die wir Patienten damit haben.

                    Also – gute, umfassende Beratung ist m.E. sehr wichtig, und wenn man sich für orthopädische Schuhe entscheidet, sollte man wissen, dass es z.B. Orthesen gibt und diese den Zweck nicht so gut oder gar nicht erfüllen. Überlasst die Entscheidung nicht dem Arzt oder Orthopäden, trefft sie selber und seid überzeugt davon, dass Ihr richtig entschieden habt. Sucht Euch also ein gutes Sanitätshaus, meins ist in der Nachbarschaft einer großen Orthopädie-Fachklinik in Hannover, vielleicht ist das in anderen Städten auch so – viel Glück!

                    Mir wurden 1973 nach der Diagnose Fußheberorthesen verordnet, über andere Möglichkeiten, sofern es damals welche gab, wurde ich nicht informiert und ich selbst kam nicht auf die Idee zu fragen, ich hatte einfach nur Glück. Ich vermute, dass durch den frühen Einsatz der Orthesen Fußfehlstellungen oder Fußdeformationen ausgeblieben sind; mit meinen Füßen kann ich immer noch ganz gut barfuß gehen, auf Rasen oder im Hallenbad, nicht schnell und auch nur mit der gebotenen Vorsicht.

                    Ich wünsche Euch einen guten Weg!

                    Orthesen-Archi
                    Archi

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                      #11
                      Ich würde, solange es möglich ist, zu Hause auf Socken laufen.
                      Und genau das geht bei einer Peroneuslähmung nämlich nicht oder nur erschwert, weil der Peroneusnerv den Fußheber steuert. Als Orthopädieschuhmacher stehst de vor einem Problem soviel Entlasten wie nötig, aber nicht mehr als möglich. Da soviel Eigenfunktion erhalten werden soll möglich.


                      @Rafaela

                      Die orthopädischen Schuhe müssen also erstmal 2 Jahre abgelaufen werden.
                      Eine Frage vorweg reden wir hier über speziell Angefertige O-Schuhe oder diese Fertigdinger von Otto Bock, Schein & Co

                      Wenn du jetzt ein Paar Orthopädische Schuhe als Erstversorgung bekommen hast, kannst du bei der Krankenkasse ein Wechselpaar beantragen.
                      Wie schwer sind die Schuhe denn. Es kommt zwar immer darauf an was dort alles im einzelnen "verbaut" werden muss, aber normalerweise ist es ein leichtes ein Orthopädischen Schuh leicht zubauen so das dieser kaum mehr wiegt als ein vergleichbarer normaler Straßenschuh. Wenn man nicht gerade noch ne Vekürzung von x cm hat.
                      Da gibt es echt genug verschiedene Materialien und tricks um möglichst leicht zubauen.

                      Der Schuh fixiert das Fußgelenk, während die Schiene noch eine Beweglichkeit des Fußgelenks erlaubt. Aber da kenne ich mich im Detail nicht so gut aus.
                      Ist so komplett richtig erklärt.

                      Der Peroneusschuh übernimmt sämtliche Funktionen des oberen Sprunggelenkes (Fuß hoch und runter bewegen) und des unteren Sprunggelenks (Fuß seitlich anheben, also z.B. wenn man steht den Fußinnerand anheben). Beide Gelenke werden komplett gespeert(d.h. keine Eigenbewegung möglich).

                      Peroneusschiene is nur nen leichtes Kunststoff gebilde welches nur verhindert das der Fuß einfach nach unten fällt. Ein Heidebergerwinkel ist sowas ähnliches nur aus Metall kombinert mit einer Einlage.

                      Schade, dass mir mein Orthopädimechaniker so wenig Gehör geschenkt hat.
                      Dann beschwere dich. Das is doch das letzte, Schuhe bauen und dann weiterhelfen wollen. Da krieg ich schone wieder nen hals.

                      Orthopädiemechaniker?!? Orthopädische Schuhe werden von einem Orthopädieschuhmacher gebaut. Orthopädiemechaniker bauen Prothesen, Orthesen und u.a. Peroneusschienen/Heidebergerwinkel.

                      Orthopädiemechaniker und Orthopädieschuhmacher sind 2 Berufsgruppen die nicht sonderlich gut zusammenpassen. Da sich Orthopädiemechaniker für was besseres als Orthopädieschuhmacher halten. Wird man dir öffentlich net sagen is aber leider so.


                      Eine bitte an alle die Ortopädische Schuhe haben, aber nicht tragen. In die Ecke stellen bringt garnichts, wenn Probleme auftreten zum Orthopädieschuhmacher gehen und das klären. Es funktioniert leider nicht immer gleich auf Anhieb ein Orthopädischen Schuh Perfekt zubauen. Wenn Änderungen nötig sind werden diese von der Krankenkasse bezahlt.

                      Gruß Andy (Bin Orthopädieschuhmacher)
                      Zuletzt geändert von andy1234; 24.03.2009, 00:06.

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