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Bewerbungsgespräch- Offen über Krankheit sprechen oder verschweigen?

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    Bewerbungsgespräch- Offen über Krankheit sprechen oder verschweigen?

    Hallo ihr Lieben.

    Das ist derzeit ein Thema das mich schon beschäftigt. Im Juli bin ich fertigmit dem Studium, nächste WOche hab ich mein erstes Vorstellungsgespräch.
    Mir sieht man meine KRankheit ja nicht auf den ersten Blick an und ich bin unsicher, ob ich direkt beim ersten GEspräch mitoffenen Karten spielen soll oder lieber nicht.
    Was meint ihr dazu?
    Ich habe eine Hyper PP, bin also manchmal von Lähmungsttacken geplagt, meistens gehts mir jedoch gut.
    Ich bin ein offener Mensch und eigetnlich würde ich das Thema gerne auf den Tisch bringen. Mir ist Ehrlichkeit wichtiger als bloss das Ergattern des Jobs. Irgendwann käme es sowieso raus.
    Nichtsdestotrotz- bin mir unschlüssig. Habt ihr Erfahrungen in der RIchtung?
    Achja, oft steht ja in den Stellenanzeigen "behinderte Bewerber mit gleicher Qualifikation werden bevorzugt"- Ich bin irgendwie Grenzgänger- ich bin zu "fit" für einen Behindertenausweis.

    Wäre toll, wenn jemand antwortet.

    Schöne Osterzeit für euch alle

    LG Anke
    Man muss noch CHaos in sich tragen um einen tanzenden Stern zu gebären

    #2
    Hallo Anke,

    wenn Du also keinen Schwerbehindertenausweis hast, und deshalb auch keine Ansprüche auf Leistungsausgleiche beim Versorgungsamt oder Ähnliches haben wirst, dann würde ich von der Erkrankung nichts sagen. Schließlich gilt im Beruf nur die behördlich bestätigte Behinderung etwas. Alle anderen nicht behördlich bestätigten Erkrankungen nutzen Dir bei Stellenangeboten, wo Behinderte mit gleicher Qualifikation bevorzugt werden, gar nichts, im Gegenteil, vermutlich ist das eher ein Grund, dich auszusieben.
    Ich würde an deiner Stelle also erstmal nichts zu deiner Erkrankung sagen und wenn Du eine Arbeitsstelle hast, dann kannst Du ja versuchen, ob Du nicht doch einen Schwerbehindertenausweis bekommst. Möglicher Weise kann Dir dabei die Sozialberatung der DGM helfen. Da könntest Du mal anrufen: 07665 / 944732.

    Liebe Grüße
    Guido

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      #3
      Liebe Anke,

      das kann man natürlich sehen, wie man will. Ausschlaggebend für die Offenheit beim Bewerbungsgespräch ist allein, ob die Erkrankung eventuell Einfluss hat auf die Art der Beschäftigung (z. B. Lähmungserscheinungen beim Bedienen von gefährlichen Maschinen).
      Dann ist es wichtig darauf hinzuweisen. Wenn bei reiner Schreibtischarbeit mal ein kurzer "Aussetzer" da ist, finde ich das persönlich nicht unbedingt erwähnenswert.
      Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du eine Tätigkeit findest, bei der Deine Erkrankung Dich nicht beeinträchtigt und selbstverständlich auch einen verständnisvollen Arbeitgeber.
      Alles Gute und schöne Ostern

      Anita
      ms

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        #4
        Hallo Anita,

        stimmt, kann man sehen, wie man will. Ich sehe es so: der Berufswunsch geht der Erkenntnis darüber, was möglicher Weise nicht geht, voraus. Ich finde es deprimierend, auf einen Berufswunsch zu verzichten, nur weil es vernünftig scheint(!). Eine solche Vernunft würde ich als Behinderung erleben, mich in meinen Wünschen und Möglichkeiten, die auch ein Scheitern mit einschließen, entfalten zu können.
        Da man sich nur selber hat, um sich solche Wünsche erfüllen zu können, sollte man manchmal das Wissen um sich selbst, zB. über eine Erkrankung, schlicht ignorieren können und eher dem Impuls des Wunsches folgen. Sonst könnte es passieren, dass einem später nicht nur die Erkrankung zusetzt, sondern auch der Zweifel darüber, richtig gelebt zu haben. Manchmal sollte eine chronische Erkrankung auch einfach nur die zweite Geige spielen.
        Ich bin mir sicher, dass ich meinen Beruf nicht hätte erlernen dürfen, wenn ich von meiner Erkrankung schon in der Bewerbungsphase gesprochen hätte. Und ich bin jetzt sehr froh darüber, dass ich Logopäde bin.
        Darüber hinaus ist es rechtlich meines Wissens noch so, dass man den Arbeitgeber nicht über seine Erkrankungen informieren muss. Die Entscheidung, darüber zu sprechen, oder nicht, ist eine eigene Wahl. Jetzt drängt es machen, mit offenen Karten zu spielen, ist auch klar, das Gefühl ist einfach besser, wenn alle wissen, worum es geht. Aber der Arbeitsmarkt ist diesbezüglich im Gegensatz zur Familie und den Freunden ein Feld der Konkurrenz. Und da Anke keinen Schwerbehindertenausweis hat, würde ich die Erwähnung ihrer Erkrankung als ein bloßen Nachteil unter den Bewerbern ansehen. Die Frage also, ob man im Beruf durch eine Erkrankung irgendwen oder irgendwas gefährdet, wenn man schon in der Bewerbungsphase darüber spricht, muss deshalb mit ja beantwortet werden, nämlich sich selbst.
        Ich sehe auch keine Lüge, oder Heimtücke, oder ähnliches, wenn man nicht darüber spricht. Schließlich sprechen wir im Bewerbungsgespräch auch nicht von unseren sexuellen Vorlieben. Und die sind als genau so intim zu bewerten, wie eine chronische Erkrankung.

        Liebe Grüße
        Guido

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          #5
          Hallo Guido, Hallo Anita!

          Danke für eure Beiträge und Meinungen. Ich hoffe ihr hattet ein schönes Osterfest?

          Ich bin selbst ziemlich unschlüssig, was ich tun soll. Einerseits wie gesagt ist es mir schon wichtig offen zu sein, aber andererseits meinte mein Freund auch schon, dass es mir sicher nicht zum Vorteil ausgelegt wird.
          Ich studiere Heil- und Sonderpädagogik und bin bald fertige "Verhaltensgestörtenpädagogin" Also im Prinzip ein Dipl. Päd. mit eben diesem Schwerpunkt. Ich denke halt auch, ich hab jetzt meine "Wunschausbildung" so gut wie fertig, bin ursprünglich gelernte Augenoptikerin, und wie "arm" wäre es, wenn ich eine Stelle im Sozialen Bereich aufgrund meiner Einschränkung nicht bekommen würde...
          Ich hab morgen das Gespräch, werde wmich wohl bedeckt halten, es sei denn mir geht es morgen so schlecht, dass ich es nicht verbergen kann. Ansonsten bleiben dem Arbeitgeber, vorausgesetzt er stellt mich ein, immernoch 6 Monate um mich zu feuern. Da mein Lähmungen überwiegend nachts auftreten oder nach langem Autofahren hoffe ich mal nicht, dass ich während der Arbeit eingeschränkt sein werde.
          Vielen Dank ihr Lieben. Jetzt komm ich mir wenigstens nicht wie ein "Verbrecher" vor, wenn ich nichts sag
          LG Anke
          Man muss noch CHaos in sich tragen um einen tanzenden Stern zu gebären

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            #6
            Hallo Anke,

            ich drücke Dir die Daumen! Du hast eine gute Einstellung zum Bewerbungsgespräch. Sprich es an, wenn du meinst, es muss sein, ansonsten eher nicht. Ich finde deine Berufswahl super.

            Für gewöhnlich sollte man gerade in diesem Berufsfeld eine gewisse Rücksicht bezüglich solcher Themen wie Krankheit erwarten, aber das habe ich auch schon anders kennen gelernt. Folge deinem Wunsch.

            Liebe Grüße
            Guido

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              #7
              Danke

              Hallo Guido!

              Danke, deine Worte zu lesen hat mir schon sehr geholfen.
              Wollte nur schnell ein kurzes Feedback geben Das Gespräch verlief recht gut und ich habe ein positives GEfühl und einen tollen EIndruck von der Einrichtung und den Leuten gewonnen. Mal sehen, jetzt warte ich auf den ersehnten Anruf, ob sie sich vorstellen können mit mir zu arbeiten. Ich habe beim Gespräch nichts gesagt. Zwischendurch ging es mir auch nicht ganz so gut, das Treppensteigen war schon anstrengend, aber im Endeffekt ist es keinem aufgefallen. Ich habe angeboten dort einen Tag zu hospitieren um mich selbst nochmal vor ORt mit den Kids und im "wahren Leben" von der Einrichtung zu überzeugen. Bewerbungsgespräche sind ja doch, selbst wenn es locker und entspannt zugeht, eine Ausnahmesituation. Das direkte Miteinanderarbeiten möchte ich mir wenigstens vorab mal anschauen.
              Sie legen großen Wert auf erlebnispädagogische Maßnahmen (Kanufahren, klettern, schwimmen, radeln) Da muss ich dann sehen wie weit ich gehen kann. Wenn ich dort hospitiere, werde ich das THema wohl mal ansprechen.
              Ich hätte den Job so gerne!!
              Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche
              Danke nochmal für deine Beiträge!
              LG Anke
              Man muss noch CHaos in sich tragen um einen tanzenden Stern zu gebären

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                #8
                Ich wünsche dir, dass du die Stelle bekommst und du dich in der Einrichtung mit den Kollegen und den Kids wohlfühlen kannst.

                LG, Heike
                Der Vorteil der Intelligenz besteht darin: Sich dumm stellen zu können. Das Gegenteil ist weitaus schwieriger.

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                  #9
                  Hallo Anke,

                  danke für deine Rückmeldung. Und ich drücke Dir weiterhin die Daumen, dass Du die Stelle bekommst. Mit dem Ansprechen deiner Erkrankung würde ich weiterhin die Situation abwarten, in der Du dich sicher fühlst, dass Dir daraus kein Nachteil entsteht. Mache es nicht aus der Vorstellung heraus, dass Du dazu irgendwie verpflichtet seist. Bist Du nicht.

                  Natürlich, wenn Du es vorab sagst, dann wüssten alle Bescheid und das würde dich entlasten. Andererseits, während des Hospitationstages kannst Du dich selber in der Arbeit ausprobieren und sofort stopp sagen, wenn Du nicht weiter kannst. Wichtig ist, dass Du dich selber in der Arbeit ausprobierst. Der Hospitationstag gibt Dir dazu die Möglichkeit.

                  Die leichteste Möglichkeit wäre, wenn Du deine Erkrankung für die nächste Zeit vergessen könntest, so, wie wenn man nur ans Essen denkt. Das passiert ja häufiger. In der Konzentration, oder in der Lust, auf das, was ich gerade vorhabe, vergesse ich alles andere. Ich vergesse in der Freude über das Erlebnis das Wissen über mich selbst, nämlich das ich eine Muskelerkrankung habe. Später fällt mir das Wissen wieder ein und ich kann mir sagen, hättste das ma lieber nich gemacht, oder, hat sich gelohnt mal alles zu vergessen.
                  Aber das ist leichter gesagt, als getan. Und dieses in meinen Augen sehr gesunde situative Sich-Selbst-Vergessen, was keineswegs ein Verdrängen ist, muss auch erstmal erlernt werden. Gerade mit einer chronischen Erkrankung muss man wieder lernen, seiner Lust zu folgen, was manchmal bedeutet, im Widerspruch zur Vernunft zu handeln.
                  Probiere dich aus, so leicht es Dir möglich ist.

                  Liebe Grüße
                  Guido

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                    #10
                    ich hab ihn!!!

                    Hallo Giudo und hallo auch ihr anderen Lieben!

                    Wollte kurz rückmelden- ich hab den Job bekommen

                    Jetzt müssen nur noch meine Prüfungen so laufen wie sie sollen, dann kanns losgehen!

                    Danke, dass ihr mir die Daumen gedrückt habt und für eure Ratschläge!

                    Wünsche euch noch eine schöne Woche

                    LG Anke
                    Man muss noch CHaos in sich tragen um einen tanzenden Stern zu gebären

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                      #11
                      Hallo Anke,

                      herzlichen Glückwunsch und viel Spaß und alles Gute bei deiner neuen Arbeit. Die Prüfungen werden bestimmt gut für dich laufen, jetzt bist Du doch spitzenmäßig motiviert.

                      Allerdings brauchst Du Dir auch nicht mehr viel Druck machen. Die Ergebnisse der Prüfung sind für deine neue Arbeitsstelle nicht so wirklich relevant. Hauptsache, Du kommst irgendwie durch. Bei uns (Logopäden) gibt es auch immer einige, die vor Abschluss der Ausbildung schon ihre Arbeitsstelle in der Tasche haben. Den Arbeitgebern sind die Zensuren nämlich ziemlich egal. Ohnehin zählt in vielen sozialen und therapeutischen Berufen anfangs die soziale Kompetenz viel mehr, als irgendwelche Noten. Die Arbeitgeber achten eher darauf, wie jemand in den Betrieb passt, wie er/sie sich einbringt und wie die Kollegen mit ihm auskommen. Und da konntest Du ja offensichtlich schon überzeugen.

                      Liebe Grüße
                      Guido

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                        #12
                        Meinen herzlichsten Glückwunsch zur neuen Stelle :-)
                        Der Vorteil der Intelligenz besteht darin: Sich dumm stellen zu können. Das Gegenteil ist weitaus schwieriger.

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