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Myopathie und Antidepressiva!

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    Myopathie und Antidepressiva!

    Hallo Ihr,

    könnt Ihr mir von Euren, sofern jemand Antidepressiva nimmt, Erfahrungen berichten was die Einnahme und eine Myopathie angeht? AD nehme ich seit ca. 6 Monaten ein und ich bin morgens, obwohl ich viel Obst/Gemüse esse, immer sehr müde. Und ich habe das Gefühl, als wenn ich eine erhöhte Anspannung in meinen Muskeln habe. Dadurch bin ich im ganzen Körper recht angespannt, was anstrengend ist.

    LG - littelwoman
    Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehenbleiben - Chinesische Weisheit

    #2
    Hallo littlewoman,

    Medikamente, die bei Depression verschrieben werden, haben in der Regel Nebenwirkungen. Insofern ist das Schlagwort "Antidepressivum" irreführend, da solche Medikamente den Umstand einer Depression natürlich nur von einer Seite angehen, nämlich der metabolischen; und deshalb solche Medikamente nichts an den Bedingungen ändern, aus denen heraus eine Depression entstehen kann.

    Die Einnahme eines solchen Medikaments führt meistens zu einer Stimmungsaufhellung, aber gleichzeitig auch eben zu anderen unerwünschten Effekten oder Nebenwirkungen wie etwa: Müdigkeit, schnelle Erschöpfung, Konzentrationsmangel usw.
    Eine Stimmungsaufhellung kann bei einer Depression schon ein Vorteil sein, wenn sie aber rein medikamentös erzielt wird, dann ist dies nicht dauerhaft und stabil mit dem Medikament zu machen, da in der Regel die Wirkung des Medikaments auf Dauer abnimmt, die unerwünschten Effekte aber meistens zunehmen.

    Depression ist ebenfalls ein Schlagwort. Viele Menschen sind aufgrund bestimmter eintretender Situationen niedergeschlagen. Niedergeschlagenheit ist aber nicht mit einer Depression zu verwechseln. Das sollte schon genau auseinander gehalten werden. Leider sieht es in der Verschreibungspraxis oft so aus, dass Menschen, die aufgrund einer spezifischen Situation niedergeschlagen sind, gleich als Depressive behandelt werden. Das heißt, es wird gar nicht nach Alternativen gesucht, sondern gleich ein Antidepressivum verschrieben.
    Die Alternative bei Niedergeschlagenheit wäre etwa ein psychotherapeutisches Gespräch, in dem es eben um die spezifische Situation geht. Psychopharmaka sollten das letzte Mittel der Wahl sein.

    Ob das jetzt auch bei Dir zutrifft oder alles ganz anders ist, weiß ich natürlich nicht. Aber ich bin kein Freund von der Psychopharmaka Verschreibungspraxis. Viele Menschen handeln sich damit mehr Probleme als Gewinn ein. Für andere sind Psychopharmaka bei der richtigen Diagnose und der richtigen Einstellung allerdings ein Gewinn.

    Bei Muskelerkrankungen können Psychopharmaka zu einer zusätzlichen Schwächung führen. Das liegt an einem sedierenden Effekt von manchen Medikamenten. Der Betroffene erlebt diesen Effekt eben als zunehmende Müdigkeit und schnellerer Erschöpfbarkeit. Es könnten aber dann auch bestehende Schwächen der Muskulatur noch weiter geschwächt werden. Es könnte zB zu Schluckstörungen kommen, oder zu Atemnot, oder dass man schneller im Knie einknickt, oder eine stärkere Unsicherheit in der Bewegung ganz allgemein, usw.. Oder auch andersrum: erhöhter Muskeltonus bei gleichzeitiger Müdigkeit, wie Du es von Dir beschreibst. Alles mögliche Nebeneffekte. Das solltest Du dem behandelnden Arzt sagen.

    Es gibt jetzt viele Medikamente, die als Psychopharmaka verschrieben werden. Ob die genannten Effekte bei deinem Medikament zu erwarten sind, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob die Diagnose Depression bei Dir tatsächlich durch eine klinisch psychologische Begutachtung gesichert ist, oder ob die Depression einfach mal so bei der Diagnose der Muskelerkrankung gleich mit veranschlagt wurde. Kommt gar nicht so selten vor.
    Aber weil die Diagnosestellung und der Medikamentenname unklar bleiben, kann hier darüber natürlich auch nur ganz allgemein geschrieben werden.

    Ich hoffe trotzdem, dass Du ein paar nützliche Informationen aus dem Text ziehen konntest. Mir ging es jetzt nicht darum, die Diagnose Depression bei Dir anzuzweifeln, sondern nur darum, aufzuzeigen, wie komplex und schwierig die Herangehensweise an so ein Schlagwort wie Depression ist.

    Liebe Grüße
    Guido

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      #3
      Hallo Guido,

      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort auf meine Frage. Natürlich kann ich ganz viel aus Deinen Worten für mich herauslesen. Vieles weiß ich und Deine Fragen sind auch mehr als berechtigt. Allerdings kennst Du meine "Vorgeschichte" nicht. Seit fast 20 Jahren habe ich einen Reizdarm und ich bin der Durchfalltyp. Leite seit 6,5 Jahren eine Selbsthilfegruppe zu der Erkrankung in Itzehoe. Nun war ich von Februar bis März 6 Wochen zur Reha wegen meiner Muskelschwäche, aber auch wegen meinem Reizdarm. Wegen einem jahrelangen Konflikt mit meinen Eltern, die auch noch nebenan wohnen, habe ich 10 kg zugenommen und ich habe durch die Zeit depressive Verstimmungen gehabt (bin nicht nachweislich depressionskrank). Alles ging den "Bach" (konnte mich nicht mehr gut bewegen, habe seelisch gelitten etc.) hinunter und ich war total erschöpft, als ich zur Reha ging. Die Reha tat meiner Muskulatur gut, aber ich fühlte mich in der Klinik nicht wohl und insofern hatte ich 5 Wochen Dauerdurchfall. Das hat mich sehr belastet und ich habe den Durchfall auch mit nach Hause genommen. Vor Jahren habe ich eine arge Angsterkrankung wegen meinem Reizdarm erlitten, war auch deswegen in therapeutischer Behandlung, aber nach den 5 Wochen Reha kamen die alten Ängste wieder hoch und ich wollte nicht wieder dort ankommen, wo ich vor Jahren war. Deswegen habe ich aus freien Stücken meinen Arzt gefragt, ob ich AD nehmen kann, um aus dem Angstkreislauf wieder heraus zu kommen.

      Aber Du hast Recht. Ich werde mit meinem Arzt sprechen und ihn fragen, ob es noch Sinn macht, denn es geht mir jetzt viel besser, die ADs noch einzunehmen. Und die Nebenwirkungen, die Du beschrieben hast, treffen absolut auf mich zu, denn ich habe bei meinem linken Knie tatsächlich das Gefühl, als wenn es beim Gehen einknickt. Auch bin ich morgens, wie geschrieben, immer sehr müde und am Tag erschöpft.

      Vielen Dank nochmals und liebe Grüße - littlewoman
      Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehenbleiben - Chinesische Weisheit

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        #4
        Hallo littlewoman,

        danke für deinen Beitrag, er macht deutlich, unter welchen Umständen eine Gabe von Psychopharmka zeitlich begrenzt möglich erscheint. Und er macht deutlich, wie schwer es ist, so ein Schlagwort wie Depression tatsächlich einzuordnen. Es schwebt häufig zwischen einer sehr weit gefassten allgemeinen und alltagsprachlichen Bedeutung und einer sehr spezifischen medizinisch- klassifikatorischen Bedeutung.

        Es ist schön, dass Du dich so stabil fühlst, um mit deinem Arzt über ein Absetzen des Medikaments zu reden. Ich wünsche Dir dafür alles Gute.

        Du schneidest noch ein anderes Thema an, was hier ab und zu auch immer wieder auftaucht. Und zwar die Verdauung.
        Muskelerkrankungen bringen hier nicht selten Schwierigkeiten mit sich. Die reichen von irgendwann zur Grunderkrankung hinzu kommenden Folgeerscheinungen bis zu grundsätzlich mit der Grunderkrankung vergesellschafteten krankhaften Verdauungsleiden.

        Über die medizinischen Rahmenbedingungen zu schreiben würde jetzt hier den Rahmen sprengen. Aber da viele Menschen mit Muskeldystrophie unter Verdauungsproblemen leiden, wäre dein Hintergrundwissen hierzu sicher sehr wertvoll für dieses Forum. Vielleicht beginnst Du darüber ja mal ein Thema. Die Diagnose Reizdarm zum Beispiel, kennen hier im Forum sicher einige.

        Liebe Grüße
        Guido

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          #5
          Hallo Guido,

          am Donnerstag habe ich meinen Arzttermin und dann werde ich auch darüber mit ihm sprechen. Habe letzte Woche ein neues Rezept über 50 Stck. vom Vertretungsarzt bekommen, denn die ADs soll man nicht abrupt absetzen und insofern könnte ich mir vorstellen, dass ich die Packung bis auf die letzten 14 Tage (dann soll man mit dem Ausschleichen beginnen) aufbrauche und dann mal schauen.

          Was die Verdauungsbeschwerden angeht und das auch andere Muskelerkrankte darunter leiden, finde ich jetzt wieder sehr interessant, denn zu Beginn meines Reizdarms habe ich natürlich auch darüber nachgedacht, ob sie mit meiner Muskelschwäche zu tun hat, aber da ich unter Durchfällen leide und da nicht gerade eine Schwäche meiner Muskulatur feststelle (vielleicht denke ich jetzt auch verkehrt), habe ich die Möglichkeit verworfen.

          Gerne werde ich in einem separaten Thread etwas über das Reizdarmsyndrom schreiben. Und es würde mich brennend interessieren, ob andere Forumsmitglieder auch unter ihm leiden.

          Liebe Grüße - littlewoman
          Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehenbleiben - Chinesische Weisheit

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            #6
            Hallo Guido,

            hatte letzte Woche meinen Arzttermin und ich sprach meinen HA auf die AD´s an und er meinte, dass die Medikamente für mich eine Schmerztherapie wären und ich sie aufgrund dessen nicht absetzen soll. Da sie mir und meinem Darm/Seele gut tun, werde ich erst einmal bei ihnen bleiben.

            Liebe Grüße- littlewoman
            Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehenbleiben - Chinesische Weisheit

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              #7
              Hallo littlewoman,

              natürlich ergibt sich hier im Forum die Spezifik eines Falls nicht aus den Beschreibungen. Und letztlich bleibt hier natürlich alles unklar, bezüglich des Medikaments und bezüglich deiner Symptomatik. Es ist also praktisch unmöglich, hier im Forum unter den gegebenen Bedingungen richtige oder nützliche Sätze zu produzieren. Es bleibt ein Raten.

              Viele Menschen mit Schmerzsyndromen entwickeln, oder haben schon vorausgehend, eine Depression. Die wird häufig nicht erkannt, sondern nur das Schmerzsyndrom. Damit möchte ich ausdrücklich nicht sagen, dass es sich bei Dir so verhält.
              Rein klinisch- statisch hängen Schmerzsyndrome und Depression häufig zusammen. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Ein positiver Effekt vieler antidepressiv wirkender Medikamente ist dabei eine schmerzlindernde Wirkung. Warum die Medikament auf die Depression positiv einwirken, ist dagegen noch unbekannt. Fakt ist: zum schmerzlindernden Effekt tritt ein stimmungsaufhellender Effekt.

              Wenn diese Effekte bei Dir auftreten, dann ist das Medikament wohl gut gewählt. Manchmal muss man dann eine Abwägung machen, was nun überwiegt: die unangenehmen Effekte von möglichen Nebenwirkungen oder die guten Effekte, wie es bei Dir der Fall zu sein scheint.

              Liebe Grüße
              Guido

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                #8
                Hallo Guido,

                der Vorteil bei meiner Einnahme ist, dass es sich um eine geringe Dosis von 20 mg handelt, die in der Konzentration zusätzlich noch einen guten Einfluss auf meinen Darm hat. Am vergangenen Wochenende habe ich so viel unternommen, dass habe ich schon seit Monaten nicht mehr machen können. Auch war ich am Sonntag für 2,5 Std. bei Harry Potter im Kino. Meine Lebensqualität, die sich dann auch auf andere Lebensbereiche auswirkt, ist dadurch viel besser geworden. Da kommt sozusagen die positive Lebensschraube in Bewegung.

                LG - littlewoman
                Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehenbleiben - Chinesische Weisheit

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