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Nach 5 Jahren nun doch eine neuromuskuläre Erkrankung?

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    Nach 5 Jahren nun doch eine neuromuskuläre Erkrankung?

    Hallo Zusammen,

    ich hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich mal einen Beitrag in diesem Forum erstelle - but here I am.

    Ich bin 25 Jahre alt und männlich.
    Gegen Ende 2015 hatte ich nach zweimaliger Gürtelrose (mit 21 Jahren ungewöhnlich) sehr diffuse Symptome. Erst Missempfindungen in den Füßen, später Faszikulationen angefangen an den Waden und später überall (!) bis hin zu Schwächegefühlen (um nur ein paar zu nennen)
    Die Symptome haben mich damals rund um die Uhr beschäftigt und ich war sowohl bei niedergelassenen Neurologen als auch ein einer Neuromuskulären Spezialambulanz. Alles war damals unauffällig:

    September 2015 - Juni 2016
    keine Paresen in mehreren klinischen Untersuchungen
    Keine objektiven Atrophien (die ich subjektiv wahrgenommen habe)
    Lumbalpunktion o.B.
    riesige Blutbilder o.B.
    3x EMG o.B.
    ENG o.B.
    EEG o.B.

    Diagnose: Somatisierungsstörung, hypochondrische Störung (natürlich habe ich damals auch viel im Internet gelesen und war ein stiller Leser hier im Forum und hatte wie so viele hier Angst vor ALS)
    Anfangs war die Diagnose schwer für mich zu glauben, jedoch im Laufe der Zeit hatte sich mein Zustand auch nicht verschlechtert und nach dem ich mich weniger mit meinem Körper beschäftigt habe und wieder aktiver am Leben teilgenommen habe ging es mir ein Jahr später schon wieder deutlich besser. Die Zuckungen waren verschwunden und ich habe lediglich lästige Rückenschmerzen im BWS Bereich davongetragen (als unsportlicher Mensch im Büro wohl nichts unübliches).

    Die Jahre vergingen bis sich mein wieder Zustand langsam verschlechtert hat.

    Sommer 2019
    Immer häufiger Nackenschmerzen und Nackensteifigkeit

    November 2019
    konstante Nackenschmerzen und zunehmende Unbeweglichkeit und Instabilität im Nacken,- Schulterbereich

    Dezember 2019
    Ausbreitung der Schmerzen in den rechten Arm und Schlüsselbein - alles kracht und knirscht.
    Orthopäde konnte nichts feststellen
    MRT HWS o.B.

    Februar 2020
    Ausbreitung der Instabilität und Schmerzen auch auf Schulter und Nacken links

    Ich dachte OK, meine Psyche meldet sich vielleicht wieder und habe mich im Fitnessstudio angemeldet wo ich von Dezember bis März auch mäßiges Krafttraining absolviert. Danach konnte ich mich meistens für min. 2 Tage nicht mehr rühren weil alles geschmerzt hat (hauptsächlich im oberen Rücken und Arme).

    Im März 2020 bemerkte ich dann wieder starke Zuckungen, anfangs nur im linken Oberschenkel, linke Gesichtshälfte und kurz darauf wieder überall. Aber diesmal zuckten hauptsächlich immer die gleichen Stellen für mehrere Tage. Das war zwar beunruhigend aber "sowas hatte ich ja schonmal"

    Beunruhigend wurde es, als ich im Home-Office die Hanteln in die Hand nahm und bemerkte, dass mein linker Arm kaum Gewichte aushält und sich nicht richtig anspannt.

    Obwohl ich nie wieder aufgrund von Zuckungen zum Arzt wollte, hat die Kombi der Symptome und der zunehmende Verlauf mich dann doch ermutigt wieder einen Neurologen aufzusuchen.

    Neurologe Befund 21.04.20
    Faszikulationen DD Neuro-/Myopathie
    Leichtgradige Paresen am linken Arm, Schwerpunkt M. Bizeps brachii und brachioradialis links 4/5
    Umfangdifferenz m. biceps brachii zu Ungunsten links
    Schwache Muskeleigenreflexe der oberen Extremität bds.

    Minimal verminderte Kraft im Seitenvergleich
    Hand,- Fingerextensoren links 5-/5
    pectoralis minor und deltoideus links 5-/5
    Hüftbeugung links 5-/5


    CK Wert leicht erhöht 316 (Norm bis 190)
    GPT Wert leicht erhöht 68 (Norm bis 50)

    NLG (sensible und motorische) unauffällig
    SSEP unauffällig

    Ein EMG wurde noch nicht durchgeführt und soll nun wieder in der Neuromuskulären Ambulanz erfolgen. Einen Termin habe ich dort Ende Juni.

    Die Tatsache, dass auf dem Befund "Paresen" steht und mein linker Bizeps kleiner ist (Atrophie? Ist nur dem Arzt aufgefallen) und ich auch sonst Stellen festgestellt habe sowohl rechts als auch links unsymmetrisch verteilt die subjektiv schmächtiger geworden sind (habe ich beim Arzt nicht thematisiert, weil ich damals auch fest davon überzeugt war Atrophien zu haben) haben meine Befürchtung vor ALS wieder reaktiviert. Diesmal wirkt es jedoch irgendwie viel näher und ich gehe reifer mit Situation um. Andererseits wäre ich wahrscheinlich der erste hypochondrische junge Mensch der 1 Jahr lang glaubte ALS zu haben um es 4 Jahre später tatsächlich im Alter von 25 zu bekommen. Aber: Hypochondrie schützt ja vor Krankheit nicht - und es gibt ja nicht nur ALS.

    Ich hoffe in diesem Forum Personen zum Austausch zu finden, die vielleicht Ähnliches durchmachen oder sich gut im neuromuskulären Bereich auskennen und mir Tipps geben können was ich noch tun kann.
    Ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ist echt ist - was ist vielleicht die Psyche? Ist es das gleiche wie vor 5 Jahren? Gibt es Krankheiten die schubweise solche Symptome auslösen? Woher verdammt kommen denn jetzt plötzlich diese Paresen?

    Entschuldigt den Roman, im Kurzfassen bin ich wohl nicht so gut und ich freue mich auf den hoffentlich folgenden Austausch.

    Viele Grüße,
    Drey

    #2
    Hast Du dem Neurologen das mit der Gürtelrose erzählt?
    It's a terrible knowing what this world is about

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      #3
      Hallo Klaus,

      ja das habe ich beim letzten Neurologen Termin auch erwähnt - wurde zur Kenntnis genommen und nicht näher in Zusammenhang gebracht. Damals als die Gürtelrose und anderen neurologischen Symptome am ganzen Körper frisch waren wurde nach eventuellen Autoimmungeschehen und mit Verdacht auf Gullain-Barré Syndrom gesucht - Deshalb die Lumbalpunktion. Aber da kam nichts raus.

      Ich habe heute immer noch gelegentlich ein unangenehmes Brennen an der Stelle an der die Gürtelrose auftrat.

      Viele Grüße

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        #4
        Gürtelrose wird ja von Herpesviren verursacht. Die können danach noch irgendwo im Körper schlummern und dann irgendwann aktiv werden und das Nervensystem befallen. Typisch sind da einseitig beginnende Paresen.
        Ich denke, dass da aktuell nochmal eine Lumbalpunktion mit einer Untersuchung auf Herpes sinnvoll wäre.
        Herpes kann recht schnell recht unangenehm werden.
        It's a terrible knowing what this world is about

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          #5
          Klaus hat da recht.

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            #6
            Hi,
            Danke für den Input! Ich hatte auch damals jeden Neurologen gefragt, ob meine Symptome (vorallem die Faszikulationen) irgendwie mit meinen Gürtelrosen im Zusammenhang stehen. Das wurde bisher immer verneint, da die Gürtelrose "ja eine lokale Infektion ist und nicht den ganzen Körper betrifft".

            Aber tatsächlich bin ich auch generell anfällig für Ausbrüche von Herpesinfektionen. Mindestens 4 mal im Jahr habe ich Lippenherpes. Zum Glück nie wirklich schwere Verläufe aber es ist schon auffällig, dass Herpesviren bei mir scheinbar machen können was sie wollen.

            Mein Neurologe hat auch von eventuellen "fehlerhaften Stoffwechselvorgängen" gesprochen - kennt ihr euch damit aus und würde mein Verlauf in so eine Richtung passen?

            Danke schon einmal und Grüße
            Drey

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              #7
              Hi Konrad,

              wird soetwas denn so lange aufbewahrt ?

              Es war weniger eine Vermutung des Neurologen, sondern eher ein Hinweis, dass es so etwas gibt (um mir wahrscheinlich auch die Angst zu nehmen, die ich ihm mitgeteilt habe). Man hat gemerkt, dass solche Symptome nicht sein Spezialgebiet sind. Deshalb wohl auch kein EMG und gleich die Überweisung zur neuromuskulären Ambulanz.

              Die erste Gürtelrose war 04/2015 links auf "Gürtelhöhe"
              Die zweite Gürtelrose war 08/2015 links auf Brusthöhe jedoch nur am Rücken bis unter die Achsel.
              Beides sehr milde Verläufe

              Die Lumbalpunktion war direkt 09/2015 als ich das erste Mal neurologische Symptome erlebt habe. Dort wurde kein Virus gefunden, obwohl ich nicht weiss ob auch danach gesucht wurde.

              Du sagst, du sprichst aus eigener Erfahrung, darf ich fragen inwiefern?

              Viele Grüsse
              Drey

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                #8
                Zitat von Drey Beitrag anzeigen
                ….

                Es war weniger eine Vermutung des Neurologen, sondern eher ein Hinweis, dass es so etwas gibt (um mir wahrscheinlich auch die Angst zu nehmen, die ich ihm mitgeteilt habe)….
                Na, da würde ich aber erst recht Angst bekommen.

                Das alte Liquor hilft da nicht weiter. Damals war es sicher nicht in's ZNS vorgedrungen, was aber bei einer Reaktivierung passieren kann.

                It's a terrible knowing what this world is about

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                  #9
                  Zitat von KlausB Beitrag anzeigen
                  Gürtelrose wird ja von Herpesviren verursacht. Die können danach noch irgendwo im Körper schlummern und dann irgendwann aktiv werden und das Nervensystem befallen. Typisch sind da einseitig beginnende Paresen.
                  Ich denke, dass da aktuell nochmal eine Lumbalpunktion mit einer Untersuchung auf Herpes sinnvoll wäre.
                  Herpes kann recht schnell recht unangenehm werden.
                  Ne Behandlung scheint aber mWn auch nichts zu bringen, oder? Es gibt ja ein paar Mittel, ich mein die sind aber nicht besonders wirksam, sonst würde ich in dem Fall auch bei neg LP (die Sensitivität ist ja nicht 100%) Medikamente antesten...
                  Bitte keine PN oder nur in seltenen Fällen bei einer Frage die einen direkten Bezug zu einem Beitrag von mir hat, die nicht andere beantworten können. Danke.

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                    #10
                    Zitat von KlausB Beitrag anzeigen
                    Das alte Liquor hilft da nicht weiter. Damals war es sicher nicht in's ZNS vorgedrungen, was aber bei einer Reaktivierung passieren kann.
                    Also soweit mir bekannt, muss man den Liqour in einer aktiven Phase entnehmen, da sonst der Test negativ ist, ich meine auch ein PCR. Wenn es hinweise für eine Infektion des ZNS mit Herpes gibt, wäre das aber ein akuter Fall für die Neuro, sollte da ein Verdacht einer akuten Infektion bestehen, kann ich mir einen elektiven Termin schlecht vorstellen, da sticht man eig sofort eine LP...
                    Bitte keine PN oder nur in seltenen Fällen bei einer Frage die einen direkten Bezug zu einem Beitrag von mir hat, die nicht andere beantworten können. Danke.

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                      #11
                      Hallo Zusammen,

                      Nein eine Mittelohrentzündung hatte ich noch nie.
                      Müsste eine Infektion im ZNS nicht auch mit Fieber und anderen zentralen Symptomen einhergehen, die innerhalb kurzer Zeit auftreten?

                      Ich habe keine Hirnnervenausfälle, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübungen o.Ä.

                      Die ganze Sache hat sich seit 6 Monaten immer stärker entwickelt und zum aktuellen Zeitpunkt sind es vorallem:

                      Faszikulationen: Es zuckt min. 30 mal in der Minute, jede Minute vor allem in Ruhe und nach Bewegung. Da reicht schon einmal Umdrehen im Bett um ein Feuerwerk an meinen Armen und Oberkörper auszulösen.

                      Schmerzen: Mein ganzer Bewegungsapparat schmerzt. Wenn ich viel sitze oder liege tut es aufgrund der wenigen Bewegung weh. Wenn ich tagsüber unterwegs bin und ich mich normal bewege tut es aufgrund der "Überlastung" für mehrere Tage weh. Hauptsächlich Rücken, Schulter, Nacken

                      Schwäche: Ich ermüde im Allgemeinen schneller. Von den festgestellten Paresen merke ich eigentlich im Alltag nicht viel an den besagten Stellen. (Kann die schweren Einkaufstüten auch noch mit links halten, nur eben nicht mehr solange)

                      Ansonsten krieg ich noch viel hin. Ich kann noch Gitarre und Schlagzeug spielen, auch wenn mir danach die Finger oder Beine steif werden.

                      Sollten sich die Paresen jedoch ausbreiten, bereitet mir das wirkliche Sorgen...

                      Der Verdacht auf der Überweisung lautet "Myopathie" - aber das umfasst ja etliche Krankheitsbilder

                      Danke und Grüsse
                      Drey

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                        #12
                        Hallo Konrad,
                        ja da bin ich mir sicher. Ich war auch geschockt über das Wort "leichtgradige Paresen am linken Arm" auf dem Befund. Der Kraftgrad wurde mit 4/5 links beurteilt.
                        Zum Gitarre spielen benötige ich ja hauptsächlich die Finger bei den offensichtlich ausreichend Kraft vorhanden is

                        In der klinischen Untersuchung war der linke Arm im Seitenvergleich jedoch deutlich schwächer und konnte dem Widerstand des Arztes nicht standhalten. Deshalb wohl die Diagnose der Parese und der Hinweis; Umfangdifferenz Bizeps zu Ungunsten links. Bedeutet das nach eurer Auffassung dann "Atrophie" oder wie kann ich die Formulierung interpretieren?

                        Ich bin schon immer schmal gewesen hatte nie viel Fett (ausser am Bauch ) man sieht eigentlich die Muskulatur sehr gut. Habe Normalgewicht von 63 Kg bei 173cm Grösse.

                        Ich weiss auch nicht wie ich das mit der Parese beurteilen soll.Die klinische Prüfung ist jedoch durch Assistenzärztin und dem Neurologen 2 mal erfolgt...

                        Deshalb meine Frage wie "schwach" ist Kraftgrad 4/5? Kann sowas auch mal tagesformabhängig sein? Früher als ich dachte ich hätte eine Schwäche wurden nie Paresen festgestellt.

                        Danke und Grüsse
                        Drey

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