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Muskelzucken, Krämpfe und Sorgen

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    Muskelzucken, Krämpfe und Sorgen

    Hallo an alle,

    ich beobachte seit einiger Zeit merkwürdige Dinge an meinem Körper die mich mittlerweile doch ziemlich beunruhigen. Nach einigen Stunden Symptome googlen bin ich auf dieses Forum gestoßen.

    Zu mir: Männlich, 31

    Mich hat es beruhigt zu wissen, dass es Menschen in vergleichbaren Situationen gibt und man nicht alleine ist. Evtl. geht es manchen Menschen ähnlich, deshalb teile ich hier mal meine bisherige Geschichte.

    Im Frühjahr 21 hatte ich das erste Mal ein Muskelzucken zwischen dem linken Zeigefinger und dem Daumen bemerkt. Das Zucken war nicht durchgängig sondern ist sporadisch (so 1-2 Mal pro Tag) aufgetreten - sobald ich den Muskel angespannt habe ist es verschwunden. Ungefähr eine Woche nach Beginn hat es dann gänzlich aufgehört.

    Seit dem Zucken fühlt sich der Zeigefinger und der Daumen anderes an als auf der rechten Seite. Ich habe bspw. beim Tippen das Gefühl mit den Fingern gegen einen Widerstand drücken zu müssen um eine Taste anzuschlagen.

    Weil das Gefühl bis September nicht verschwunden ist bin ich zum Hausarzt. Der hatte auf ein Karpaltunnel Syndrom getippt und mich an einen Neurochirurg überwiesen. Parallel hatte er noch ein Blutbild veranlasst.

    Im Blutbild waren, bis auf den B12-Spiegel, alle Werte im Normbereich. B12 war bei 268 pg/ml anstatt >400. Habe daraufhin drei B12-Spritzen und Ergänzungsmittel bekommen. Der Spiegel ist mittlerweile im Normbereich (568).

    Beim Neurochirurg wurden dann mehrere Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen der Hände/Unterarme durchgeführt die alle unauffällig waren.

    Kurz vor dem letzten Kontrolltermin beim NC hatte ich dann wieder ein Muskelzucken. Erst im linken Schulterblatt, dann auch im restlichen Körper an unterschiedlichen Stellen. Ich habe beobachtet, dass es hauptsächlich dann auftritt, wenn ich entspannt bin bzw. der Körper ruht. Das Zucken ist gut sichtbar und hört meist erst auf, wenn ich den betroffenen Muskel anspanne.

    Der Neurochirurg hat daraufhin ein CT und MRT von Kopf und Halswirbelsäule veranlasst. CT Kopf und Hals waren unauffällig MRT Kopf auch. Auf das MRT Hals warte ich aktuell noch.

    Außerdem wurde ich an einen Neurologen verwiesen. In der Zeit vor dem Neurologentermin habe ich dann zum ersten Mal Krämpfe bekommen. Erst in den Waden, dann am Hals und den Armen. Die Krämpfe entstehen meistens wenn ich den Muskel anspanne kommen aber auch teilweise "aus dem Nichts" bzw. bei minimaler Bewegung.

    Wenig später habe ich bemerkt, dass sich meine Unterarmmuskulatur manchmal etwas fest anfühlt, so als ob sie leicht angespannt wäre. In diesen Momenten habe ich das Gefühl, als wäre jede Handbewegung etwas anstrengender als sie sein sollte.

    Beim Neurologen wurde ich körperlich untersucht und es wurde eine Nadel-EMG an der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger durchgeführt. Bei der Untersuchung ist dem Neurologen aufgefallen, dass der linke Daumenmuskel etwas schwächer ausgeprägt ist als der rechte und dementsprechend weniger Kraft da ist. Er meinte aber es liegt evtl. daran, dass ich Rechtshänder bin.

    Stand jetzt scheine ich also gesund zu sein. Leider wurden die Beschwerden nicht besser und ich bin deshalb nochmals beim Neurologen vorstellig geworden. Nun wird nächste Woche ein EMG an verschiedenen Stellen und eine Nervenleitmessung gemacht. Ich bin gespannt...


    Grüße

    Woffel


    #2
    Kleines Update: seit gestern das Gefühl, dass die Kiefermuskulatur schnell am Limit ist und das Schlucken fühlt sich anders an - als ob es kurzzeitig wie blockiert ist.

    Ich meine auch, dass sich meine Aussprache verändert hat. Merke das vor allem beim "s". Noch hat das Umfeld nichts bemerkt/gesagt. Hoffe darauf es mir nur einzubilden...

    Grüße

    Woffel

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      #3
      Hallo Woffel,
      erstmal will ich dir sagen das wir bestimmt alle mit dir fühlen da viele (inkl. Mir) in der gleichen oder ähnlichen Situation sind.
      Ich kann dir leider wirklich keinen hilfreichen Rat geben.
      ich denke du solltest vielleicht mal in Betracht ziehen das ganze einmal komplett in einer nerumuskulären klinik umfänglich abklären zu lassen . Wahrscheinlich wird wie bei den meisten hier kein Ergebnis rauskommen (was ja erstmal nicht schlecht ist aber dennoch bleiben die Symptome). Ich glaube den Weg mussten mehr oder weniger alle gehen die sich länger mit den Symptomen rumschlagen . Ich habe das innerhalb eines Jahres schon 3 mal über mich ergehen lassen und mir wurde immer gesagt das ich an keiner neuromuskulären Krankheit leide .

      VG
      Zuletzt geändert von Diskus1981; 01.05.2022, 08:28.

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        #4
        Hallo Diskus,
        danke für den Hinweis und das Teilen deiner Erfahrungen. Ich fühle auch mit allen, die in einer solche Situation sind - es kann extrem belastend sein.

        Ich hatte schon versucht einen Termin im Uniklinikum Ulm zu vereinbaren. Dort wird wohl vorab ein Verdachtsbefund benötigt um weitergehend untersucht zu werden und den habe ich leider (oder glücklicherweise) nicht. Deshalb gehe ich vorerst den ambulanten Weg.
        Ich denke da wird auch bald etwas gefunden, denn auf mich macht es den Eindruck, dass die Symptomatik, oder das was dafür verantwortlich ist, doch sehr schnell voranschreitet.

        ​​​​​​Es freut mich, dass bei dir nichts gefunden wurde und es tut mir leid, dass du unter deinen Symptomen leidest.

        In welcher Klinik warst du? Besteht bei dir ein Verdacht auf eine solche Krankheit oder steht etwas anderes im Raum, das für die Symptome ursächlich sein könnte?

        Grüße

        Woffel




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          #5
          Hallo Woffel,
          ich nenne ungern öffentlich die Kliniken beim Namen .
          kann nur so viel sagen:
          - Mai 2021 örtliche klinik mit Neurologie
          - Januar 2022 klinik außerhalb mit Neurologie
          - Februar 2022 Uni klinik in der motoneuronenambulanz

          In der letzteren wurde ich nach meinen geFühl sehr gut untersucht und der leitende Oberarzt habe ich als sehr angagiert empfunden.

          Es gibt befundete Beschwerden dennoch wurde das schlimmste zum Glück immer ausgeschlossen .
          Dabei stützt man sich vorallem auf dem elektrodiagnostik die seit fast einem Jahr immer normwertig ist als auch auf unauffällig pnf-H und NFL im Liqour.

          Im Grunde ist es ja das was man sich wünscht dennoch sind die Symptome aber natürlich vorhanden .

          Alle 3 Kliniken sagen trotz mancher objektive Befunde das es in Summer eine hypochondrische Störung ist .
          Gebe ich hier gerne zu und gebe sich zu , dass ich daran einfach nicht glauben kann . Aber 3 Kliniken befundeten unabhängig von einander gleich nach erfolgter Diagnostik .

          VG

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            #6
            Zitat von Diskus1981 Beitrag anzeigen
            Alle 3 Kliniken sagen trotz mancher objektive Befunde das es in Summer eine hypochondrische Störung ist .
            Gebe ich hier gerne zu und gebe sich zu , dass ich daran einfach nicht glauben kann . Aber 3 Kliniken befundeten unabhängig von einander gleich nach erfolgter Diagnostik .
            Das finde ich richtig gut, dass du das hier schreibst. Ein hypochondrische Störung ist eine ernstzunehmende Erkrankung und Teil der Symptomatik ist, dass man das nicht leicht annehmen kann. Ein anderer Teil ist, dass man nicht aus ganzem Herzen erleichtert darüber ist, dass man keine degenerative oder sogar tödliche Krankheit hat. Das kostet natürlich enorme Kraft, aber es ist wert Energie dagegen zu investieren. Gegen zuviel Doktor Google, gegen ständige Selbsttests und -beobachtungen, gegen zuviel Arztbesuche, gegen zuviel Forums-Besuche in Abteilungen in denen man nach vielen neurologischen Untersuchungen nichts zu suchen hat. Verhaltenstherapie kann wirklich helfen, dass man sich bewusst weg von Verhalten bewegt, dass die Gesundheitsängste füttert. Rationalisieren kann helfen. In dem Moment in dem du weißt, dass dein Hirn bei jeden Zucken immer falsch abbiegt, kannst du deinem Hirn sagen: Ich weiß, du willst jetzt falsch abbiegen. Aber ich ignoriere dich jetzt. Ich gehe jetzt ein Eis essen statt Symptome zu googeln. Ätsch!"
            Kann sein, das ist ein bisschen wie bei Suchterkrankungen ist. Man wird es nie wirklich los, muss immer aktiv damit und dagegen arbeiten, aber man kann wieder richtig viel Lebensqualität zurückgewinnen. Lass dich nicht unterkriegen und halt Abstand von allem, was die Ängste triggert.

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              #7
              Hallo Blixa,

              ich nehme deine Hinweise gerne auf .
              muss dazu aber sagen das ich seit Mai 2021 eine Verhaltenstherapie gemacht habe.
              Ich habe jeden Strohhalm gegriffen das es mir besser geht und bin sogar für 8 Wochen in eine psychiatrische Einrichtung gegangen in der Hoffnung das es besser wird was leider nicht der Fall war.
              Zumal es organische Befundungen gibt . Daher kam ich überhaupt nochmal in die Motoneuronenambulanz.

              aber letztendlich , und da gebe ich dir recht , habe alle 3 Kliniken und auch mein Neurologe vor Ort die schlimmsten Dinge ausgeschlossen .
              Habe sogar zwei Briefe hier liegen wo explizit der Ausschluss dokumentiert ist . Hilft mir leider trotzdem nicht . Eventuell hast du ein Tipp für mich ?

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                #8
                Das ist gut, dass du die Therapie und auch den stationären Aufenthalt gemacht hast. Und es lohnt sich auch weiterzumachen. Sowas ist nicht wie eine Erkältung schnell abgevespert, viele Leute profitierten von jahrelanger Psychotherapie.

                Wichtig ist, dass du immer an der psychischen Sache dran bleibst um mit der Zeit besser einordnen zu können, was mit deinem Körper geschieht. Wenn die psychischen Symptome nicht so übermächtig sind, dass hilft das sicher dabei eventuelle organische Ursachen für körperliche Symptome nicht zu übersehen.
                Das ist ja das Gemeine, auch jemand der bisher "nur" ALS hat, kann noch eine Angststörung entwickeln oder MS bekommen. Und auch jemand der 20 Jahre Depressionen hat, tkönnt eine ALS entwickeln, es schließt sich leider nie aus.

                Aber wenn man weiß, dass der eigene Geist gerne fatalisiert, dann kann man Mechanismen lernen sich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Schränken mich meine Symptome körperlich ein? Belasteten mich meine Symptome hauptsächlich psychisch? Habe ich Funktionsverlust? Sind die Symptome weniger oder weg, wenn ich glücklich beschäftigt bin? Nehmen die Symptome zu, wenn ich unter Stress leide?
                Im Grunde musst du mit deiner Erkrankung zu leben lernen genau so wie auch jemand der ALS bekommt lernen muss damit möglichst gut zu leben. (Und du dürftest viel mehr Zeit und selbstbestimmte Handlungsfähigkeit haben, dich in deinem eigenen Leben gut zu arrangieren.) Im Endeffekt ist wirklich das einzige was für alle zählt: Lebensqualität.

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                  #9
                  Hallo Woffel, Hallo Diskus1981

                  Es ist eine Weile her. Wie geht es Euch mittlerweile?

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                    #10
                    Hallo HU80,

                    habe durch die Angst an einer MNE erkrankt zu sein leider eine Depression entwickelt und befinde mich deshalb aktuell in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik.

                    Was die Symptome angeht wurden im Blut die CK und NF-L gemessen:

                    CK waren bei 95 und die NF-L bei 13 also beides im Normbereich.
                    Außerdem wurde der Brustraum geröntgt - auch unauffällig
                    Seit die Depression behandelt wird sind einige Symptome verschwunden, andere sind leider noch da. Z.B. Muskelzucken, -krämpfe und -steifheit. Habe das Zucken mittlerweile auch im Gesicht.

                    Der nächste Arzttermin ist Anfang Juli beim Neurologen zur "Verlaufskontrolle".

                    Dass die NF-L im Normbereich waren hat mich sehr beruhigt und ich versuche aktuell nicht mehr weiter in die Richtung MNE zu denken.

                    Grüße

                    Woffel

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                      #11
                      Das mit der Depression tut mir leid, aber ich bin wirklich froh dass du deshalb in Behandlung bist und sich auch schon manche Symptome verzogen haben. Bleib' dran, hab' Geduld mit dir und dem Zucken, das wird. MNE darfst du zum Glück abhaken, eine ernsthafte Erkrankung wie Depression reicht echt und die ist wenigstens behandelbar.
                      Alles Gute!

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                        #12
                        Hallo Woffel,

                        Danke für die Rückmeldung.
                        Es ist gut zu hören, dass dir besser geht und manche Symptome weg sing.
                        Ich hoffe du erholst dich gut in der stationäre Behandlung.

                        Es ist auch gut, dass du eine Nachkontrolle bei der Neurologe hast.
                        Du kannst dort wieder EMG machen lassen, wo du meistens die Zuckung/Krampf-Beschwerde hast.

                        Viele Grüße und alles Gute

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