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    Bin neu hier, freue mich auf den Austausch

    Guten Morgen allerseits

    Ich bin neu in diesem Forum und ich freue mich auf den Austausch mit Euch.

    Der allererste Hinweis auf eine (neuro)muskuläre Erkrankung war vor knapp eineinhalb Jahren wahrzunehmen, es begann mit einer ganz leichten Schwäche im linken Bein. Eine etwas schnellere Ermüdbarkeit, irgendwie.
    In den folgenden Wochen und Monaten nahmen die Symptome dann Fahrt auf. Ich bekam starke (und stärkste) Krämpfe in den Schienbeinkanten, dem Fußheber und im Sprunggelenk.

    Die Muskelschwäche nahm zu, es entwickelten sich voranschreitende brennend-stechende Muskelschmerzen (die Krämpfe kamen und gingen, diese Schmerzen allerdings sind offenbar gekommen um zu bleiben) im linken Bein. Das rechte Bein "zog alsbald nach", dann die Oberarme. Schmerzen und Schwäche begannen meinen Alltag zu beeinträchtigen, ich fing an zu straucheln, stolpern und stürzen. Alltagsverrichtungen wie bspw. Zähne putzen, Gemüse schneiden, Haare frisieren - nur noch mit Pausen.

    Der subjektive Kraftverlust wurde messbar, neurologische Tests wurden auffällig. Der Achillessehnenreflex im linken Bein ist nicht mehr auslösbar, die Reflexe der Arme hingegen benehmen sich nun überlebhaft.
    Diagnostische Maßnahmen wie EMGs, NLGs, Sonografie, MRTs ergaben hier und da mal etwas. Etwa ein neurogener Schaden im linken Bein, ein myopathischer Gewebsschaden, eine generalisierte Atrophie "mit Betonung der Extensoren" in beiden Oberschenkeln, ein "struktureller Umbau" der Wadenmuskulatur mit "vereinzelten tiefen Faszikulationen". Aus der einstigen Parese des linken Beins wurde im letzten Befundbericht eine proximale Tetraparese.

    Also mehrere einzelne Puzzlesteinchen, die aber noch kein stimmiges Gesamtbild abgeben. Ich befinde mich derzeit im Diagnostikprozess in der Neurologie/ Muskelsprechstunde in der Uniklinik Hamburg und ich fühle mich hier in ziemlich guten Händen.
    Und es gibt auch gute Nachrichten: Eine MS wurde ebenso ausgeschlossen wie bspw eine cerebrale Ursache (Hirntumor o.ä.), Bandscheibenvorfälle, Rückenmarksschaden oder Myasthenia Gravis.

    Die Vermutung der Ärzt/innen gehen in Richtung "Genetisch" oder "Autoimmun". Ich brauche Niemandem hier zu erzählen, wie zehrend und nervlich belastend so ein Diagnostikprozess ist...! Und wie zermürbend es ist, keinen Namen für das zu haben, was den eigenen Körper Schritt für Schritt in die Knie zwingt. Die Schmerzen in allen vier Extremitäten begleiten mich Tag für Tag, kosten mich Schlaf, Energie, Mut und Fertigkeiten. Diese Entkräftung der Muskeln zwingt mich, meinen Alltag ganz anders zu gestalten, meine geliebten langen Spaziergänge sind in unerreichbare Ferne gerückt (ich bin froh, wenn ich 200 Meter Wegstrecke schaffe oder die drei Stufen zu unserer Wohnung).

    Und so hoffe ich wie gesagt auf Gedankenaustausch mit Euch, auf gegenseitige Ratschläge, Zuhören, auch mal trösten und aufbauen oder auch einfach nur mal "jammern" .
    Habt einen schönen Tag.

    #2
    Julia123

    Herzlich willkommen hier im Forum!

    Darf ich fragen wie alt du bist ? Ist dein CK Wert erhöht ? Hattest du schon eine Mukelbiopsie ?

    Grüße

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      #3
      Vielen Dank für die Willkommensgrüße!

      Na klar darfst Du fragen, ich bin 45 Jahre alt. Meine CK ist nicht nennenswert erhöht und eine Muskelbiopsie wird vermutlich einer der next steps sein. Ich habe den nächsten Termin in der Muskelsprechstunde anstehen, da werden wir weiteres Vorgehen besprechen.

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        #4
        Julia123

        Was heiß nicht „nennenswert „? Also über die „Norm „ Bereich oder nicht ? Die EMG‘s waren immer auffällig ?

        Grüße

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          #5
          Julia123

          Hallo Julia,

          wurde denn schon Nervenwasser untersucht? Ergaben denn die EMG´s pathologische Spontanaktivitäten, gelichtete Interferenzmuster oder ähnliches? So wie du es schilderst, sollte man ja schon in Richtung Nervenschädigung hin untersuchen. Ich meine eine proximale Tetraparese ist ja nicht gerade ein unwesentlicher Befund...da muss den Neurologen ja ein konkreter Verdacht einfallen und nicht nur irgendwas genetisches oder autoimmunes.

          Grüße Marillian
          Zuletzt geändert von Marillian; 28.02.2025, 12:39.

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            #6
            Meine CK lag minimal über dem oberen Normwert (155). Ich hatte 2 EMGs, das zweite war dabei umfassender als das erste (und ich wünsche mir, es möge das Letzte in meinem Leben gewesen sein!), beide boten Auffälligkeiten. Viele "kleine MUPS" sind mir im Gedächtnis geblieben und auch die Diagnose des neurogenen Schadens und des myopathischen Gewebeschadens wurde nach dem EMG gestellt. Im 2. EMG (9 Monate nach dem ersten) sind die untersuchten Muskeln als "nicht rekrutierbar" beschrieben.

            Eine Lumbalpunktion hatte ich in diesem Zuge noch nicht (nur einmal in 2017 bei einer spontanen beidseitigen Sehnerventzündung).
            In meiner Familie gibt es genetische Muskelerkrankungen, so leiden bspw sehr nahe Angehörige am myopathischen Ehlers Danlos Syndrom. Auch die hypokaliämische periodische Paralyse steht "in Diagnostik". Das legt den Verdacht "genetisch" nahe.

            Habt einen schönen Abend!

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              #7
              Wurde aufgrund der pathologischen Reflexe und des Ausbreitungsmusters der Paresen auch schon an eine Motoneuronerkrankung gedacht oder wurde diese aufgrund der EMG-Ergebnisse verworfen?

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                #8
                Überlegt wurde in den letzten Monaten in jede Richtung. Ich muss allerdings sagen, dass man sich mit der Äußerung von Verdachtsdiagnosen sehr bedeckt hält. Da ich keine Spastiken und keine Faszikulationen verspüre und in meiner Familie genetische Erkrankungen vorliegen, leitet das vermutlich die Gedanken in diese Richtung.
                Direkt um eine mögliche Verdachtsdiagnose gebeten, fiel bspw zuletzt eine Gliedergürtelmuskeldystrophie. Auch "SMA" war irgendwann mal ein laut gedachter Gedanke.

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                  #9
                  Mit deiner genetischen Vorgeschichte ist es anscheinend auch sehr schwierig sich auf etwas festlegen zu können. Klarheit bringt dann leider erst der Verlauf. Man kann natürlich in entsprechenede Richtungen Gentest veranlassen. Wenn aber der Verdacht auf keine bestimmte Krankheit fällt müsste man unzählige Genorte untersuchen was keine Krankenkasse bezahlt und selbst wenn dann kann trotzdem ein noch unbekannter Genfehler zu der Krankheit führen.
                  Ich wünsche dir, dass du bald Klarheit bekommst und es sich um eine gut behandelbare Erkrankung handelt.

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                    #10
                    Als Hinweis zur humangenetischen Untersuchung: Die Krankenkasse übernehmen in der Regel die Kosten für eine solche Untersuchung, wenn ein begründeter Verdacht besteht. Bei unklaren Fällen wird zunächst auf die häufigsten im Erwachsenenalter vorkommenden Muskelkrankheiten getestet.

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                      #11
                      Julia123

                      Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten wäre vor der genetischen Untersuchung eine Muskelbiopsie sinnvoll, dann kann man es idealerweise einschränken.

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                        #12
                        Danke für die lieben Wünsche, Marillian . Ja, genau dasselbe hat mir die Ärztin im Muskelzentrum auch gesagt. Das erschließt sich mir auch durchaus. Ich erwähnte ja, dass das myopathische Ehlers Danlos Syndrom in meiner Familie (mehrfach) vorkommt, hier wurden die Gene COL12A1 und COL4A1 ursächlich ausgemacht und das wurde auch bei mir als first step getestet. Aber keine Auffälligkeiten in meinem Falle.

                        Derzeit schließen die Neurologinnen sich mit der Humangenetik kurz um zu besprechen, welche Testungen evtl sinnvoll und durchführbar sein können.
                        Und Philyra Genau, Du hast völlig recht. Deswegen war die Testung auf die familiär bekannten vorliegenden Gendefekte auch kein Problem. Da ließ sich die Indikation gut begründen. Jetzt wo die familiären Varianten abgeklärt sind, soll natürlich gut abgewogen werden, wie weiter vorgegangen wird.
                        Hast Du mit genetischen Erkrankungen Erfahrungen gemacht?

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