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Ratlos und rastlos

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    Ratlos und rastlos

    Hallo an alle,

    um meine Symptome eventuell besser einzuordnen, muss ich etwas länger ausholen, da laut Ärzten die reine Symptombeschreibung nicht genügt.

    zu meiner Person:
    Ich bin 34 Jahre alt und arbeite seit 3 Jahren im technischen Vertrieb. Stress steht an der Tagesordnung, um Quartalsziele etc zu erreichen. Seit Juli/August 2024 kämpfe ich dafür, dass ich firmenintern die Position wechseln kann, um andere Produkte zu verkaufen. Nach einer langen Odyssee hat es jetzt zum April endlich geklappt und ich darf etwas anderes machen.
    Seit November durfte ich dann aber noch einen neuen Kollegen einarbeiten, der direkt am ersten und zweiten Tag alles zwischenmenschliche mit seiner Art zerstört hat.

    Nun zu den Symptomen:
    Anfang Dezember bin ich nach einem Bürotag nach Hause gefahren, habe etwas zu Abend gegessen und später ins Bett. Nach kurzer Zeit im Bett passierte es und mein Körper begann zu vibrieren und ich dachte, dass mein Herz rast. Laut Pulsuhr war allerdings alles normal. Diese „Attacken“ hielten jeweils 15-20 Sekunden an, dann war es wieder gut. Nach 20-30 Minuten trat das Vibrieren erneut auf. Meine Muskeln „kontrahierten“ oder Blut pulsierte so sehr in meinem Körper, dass es auch meine Verlobte erfühlen konnte, als ich sie darum gebeten hatte, meinen Arm anzufassen. Ich hatte Angst, dass ich es mir einbilde.

    Am nächsten Tag war ich beim Hausarzt und es wurde ein EKG gemacht, welches unauffällig war. Auch ein 24h-EKG war unauffällig, obwohl ich alles genauestens notiert hatte, wann diese Attacken über den Tag hinweg auftraten (meist nur im Liegen und kurz vorm einschlafen).
    Das gemachte Blutbild zeigte keine Auffälligkeiten, außer dass der Kreatininwert minimal erhöht war, was mir der Arzt mit meinem Sport und der damit einhergehenden supplementation von Kreatin erläuterte.

    Es kamen die Weihnachtsfeiertage und es war das schlimmste Weihnachten, das ich je hatte. Eines Tages begann mein rechter Arm in Höhe des Ellenbogens zu Zucken und das ging über Tage hinweg so. Nach ein paar Tagen traten die Zuckungen dann links am Arm auf und rechts nicht mehr. Ich steigerte mich derartig hinein, dass ich eines nachts eine Panikattacke hatte, da für mich die Diagnose ALS klar war (Zuckungen am Körper). Ich war froh, als ich dann kurz nach Weihnachten zum Hausarzt konnte, welcher mir eine Überweisung für ein MRT (Schädel) und eine Überweisung zum Neurologen aushändigte.

    Das MRT des Schädels war ohne Befund.

    Beim Neurologen erläuterte ich all meine Symptome und wurde untersucht. Ich musste mich ausziehen, er hat sich meinen Körper angesehen, Reflexe getestet und mir einen folgetermin für ein EMG gegeben.

    In der Zwischenzeit war ich dann bei einem zweiten Neurologen, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, etwas im hals zu haben („Kloßgefühl im Hals“ -> dies verstärkte meine höllische Angst vor ALS).
    Der zweite Neurologe untersuchte mich ebenfalls körperlich (Gleichgewicht, Finger->Nase->Tippen etc.) und führte ein ENG an beiden Händen durch. Alles unauffällig und ohne Befund.

    Aufgrund meiner Angst sollte ich mich an einen Psychologen wenden, was ich getan habe und eine Verdachtsdiagnose auf Hypochondrie gestellt wurde. Ich befinde mich seither in psychologischer Behandlung.

    wieder zurück beim ersten Neurologen wurde dann ein ENG an beiden Beinen durchgeführt sowie ein EMG an meinem linken Bein, da sich die Zuckungen und dieses „wabernde Gefühl“ mittlerweile auf die Beine konzentrierten. Alles war ohne besondere Auffälligkeiten, ebenfalls das im Februar gemachte Blutbild mit Bestimmung der NfL-Werte und CK-Werte.
    Ich wurde also vom Neurologen entlassen mit den Worten „Ich hoffe, dass Ihnen die Verhaltenstherapie hilft. Alles Gute Ihnen“

    Seit Dezember achte ich sehr penibel auf jegliche Veränderung in und an meinem Körper und mache quasi den ganzen Tag nichts anderes, als in mich hineinzuhorchen und zu warten, wann zuckt es wo als Nächstes oder wie oft ich jetzt noch schlucken muss, um dieses Gefühl des Kloßes loszuwerden.

    Seit ein paar Tagen habe ich dann noch (sichtbar) das Gefühl, dass sich mein rechter Unterarm verändert, da ich hier eine sichtbare Delle in der Muskulatur beim Beugen des Handgelenkes sehe. Der Neurologe sagte, es sei keine Atrophie. Ich „helfe“ mir und meinem Kopf, indem ich zu Hause kleinste Hanteln bewege und so der „Atrophie“ entgegenwirke.

    als letztes stellte ich noch fest, dass ich meinen rechten kleinen Finger nicht so weit nach hinten abspreizen kann wie meinen linken (wenn man die Hände gebetsartig vor dem Körper hält und dann nur den kleinen Finger nach hinten abspreizt).

    Es macht mir alles so sehr Angst und ich Google jeden Tag mehrere Stunden nach möglichen Erkrankungen und Symptomen, dass es mich psychisch wie auch physisch sehr belastet. Ich gehe kaum noch zur Arbeit, melde mich immer wieder krank, ein soziales Leben habe ich nicht mehr außer mit meiner Verlobten (Netflix, Spaziergänge, kleine Ausflüge..)

    Ich weiß nicht, ob es anderen Menschen ähnlich geht. Ich suche gerade nach einem Strohhalm, an den ich mich klammern kann. Vielleicht gibt es jemanden, mit ähnlichen Symptomen und ähnlich wenig Vertrauen in Ärzte, denn ich fühlte mich nicht immer ganz ernst genommen.
    es kann doch aber nicht sein, dass mein Gehirn mir all diese Symptome einfach nur „vorgaukelt“ oder? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.

    Tut mir Leid für den ewig langen Text, es fühlte sich gut an, einfach mal alles aufzuschreiben.

    #2
    Hallo Junobert, das klingt einfach nach einer klassischen (hypochondrischen) Angststörungen, bist vielleicht Sogar schon nachts mit einer Panikattacke gestartet und verhaltenstherapie ist wirklich deine beste Wette. Wie läuft es damit? Hast du schon mal über eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen Klinik nachgedacht, wenn es dich gerade derart lebenseinschränkend aus dem Alltag hebt?
    Du bist neurologisch sehr gut durchgecheckt, du brauchst dir keine Sorgen um ALS zu machen. Es gibt nicht ein Symptom oder ein Indiz, dass darauf hindeutet. Versuch ganz dringend damit aufzuhören dich selbst zu testen, kleinteilig zu beobachten und vor allem auch zu googeln. Das führt zu nichts außer einer stetigen Konzentration auf die Angst. Hier gibt es viele, viele Leute die genau das selbe haben. Manche lassen den Gedanken zu, dass das absolut alles psychisch ausgelöst sein kann. Das ist vermutlich der simpelste erste Schritt, um zu lernen damit umzugehen.
    Wenn dir mal vor Aufregung die Pumpe ging, wenn du mal verschwitzte Hände bei einem Vorstellungsgespräch hattest oder vor Verliebtheit Schmetterlinge im Bauch, weißt du schon längst aus Erfahrung, was für starke körperliche "Symptome" die Psyche machen kann. Wenn die Anspannung lange währt, nisten sich auch die Symptome häuslich ein.
    Versuch Dinge zu tun, die dich ablenken und entspannen, versuch auf guten Schlaf und ausreichend Bewegung zu achten, regelmäßige Mahlzeiten, genug trinken, am besten kaum Koffein. Und vor allem, versuch' dich auf die Arbeit in der Psychotherapie einlassen. Wenn es dir gut getan hat hier mal alles aufzuschreiben, könnte Tagebuch schreiben eine gute Sache für dich sein. Nicht Symptome aufschreiben, sondern vielleicht alles was trotz Symptomen am Tag gut war, worauf du dich freust und was du auf dem Spaziergang gesehen hast.

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      #3
      Hallo Blixa,

      vielen Dank für deine Antwort und die einfühlsamen Worte.
      In der Verhaltenstherapie bin ich jetzt in der 3. Sitzung, da ich nochmal die Psychologin wechseln musste, weil sie keine freien Kapazitäten hatte. Nur drei Sitzungen hatte ich bei ihr, danach kam ich auf die Warteliste und sie hat mir empfohlen, woanders zu schauen, weil es zwischen 6 und 12 Monaten dauern könnte, bis ein Platz frei wird.

      Es war wahrscheinlich auch ein riesiger Fehler, mich hier anzumelden und alles akribisch zu lesen… dahingehend stimme ich dir zu. Ich kann es mir einfach unter keinerlei Umständen vorstellen, dass die ganzen Symptome wirklich durch die Psyche kommen.
      Über eine stationäre Therapie habe ich auch schon nachgedacht, aber berufsbedingt könnte ich das wohl erst im Juni machen, da ich ja jetzt die nächsten Wochen in der neuen „Einarbeitungsphase“ bin. Wobei ich eigentlich die Gesundheit an erste Stelle setzen müsste. Ich hoffe irgendwie, dass diese neue Einarbeitung zu einer Ablenkung führt.

      sonst gibt’s tatsächlich kaum etwas, was mich aktuell ablenkt oder entspannt. Die letzten Wochen war ich ja auch zu 90% zu Hause (Homeoffice oder krank geschrieben) und da habe ich mich psychisch sehr stark in etwas verrannt

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        #4
        Ist nie zu spät diesem Forum so schnell den Rücken zu kehren wie du dich angemeldet hast. Ist wirklich kein guter Ort um sowas auszukurieren. Das braucht alles viel Zeit, deshalb klingt Sommer für eine stationäre Therapie auch überhaupt nicht falsch. Besprech das am besten mit deiner neuen Psychotherapeutin.
        Gesundheit geht tatsächlich vor, da muss dann Arbeit halt mal warten. Das ist nicht das wichtigste im Leben. Aber vielleicht tut es dir tatsächlich gut zum Arbeiten woanders als daheim und einfach unter Leuten zu sein. Da kann man sich nicht so leicht geistig ausklinken und die Dellen am Muskelansatz als vermeintliche Atrophien deuten.

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