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Gehfähigkeit - welche Muskeln sind dafür am wichtigsten?

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    Gehfähigkeit - welche Muskeln sind dafür am wichtigsten?

    Weiß hier jemand zufällig genau, welche Muskeln prinzipiell am wichtigsten für die Gehfähigkeit sind?
    Irgendwie finde ich dazu nicht viel. Anhand der Beschreibungen über den Verlauf der Muskeldystrophie Duchenne würde ich annehmen, dass es vor allem die proximalen Muskeln der Becken/Hüft-, und Oberschenkenkelmuskulatur ist, insb. der Hüftstrecker (gluteus maximus) und der Kniestrecker (Quadriceps). Dagegen scheint eine Lähmung der Fußheber relativ gut kompensiert werden zu können, jedenfalls in Bezug auf Erhalt der Gehfähigkeit (zumindest mit entsprechenden Orthesen). Problematischer könnte dagegen schon die Lähmung der Wadenmuskeln sein, da sie zu den stärksten Muskeln überhaupt gehören und Stabilität geben.
    Weiß dazu aber jemand etwas Genaueres?

    Ich frage nur, weil ich merke, dass die Muskelschwäche doch beständig deutlich fortschreitet, und entgegen meiner vorigen Empfindung über das Jahr 2016 auch in der Oberschenkel/Hüft-/Beckenmuskulatur. Das Knie kann ich gegen die Schwerkraft nicht mehr voll strecken, und beim Gehen geht es in der Standphase automatisch in die Überstreckung, da ich sonst keine gute Stabilität habe; im nicht-durchgestreckten Zustand habe ich zu wenig Kraft in den Oberschenkeln/Quadriceps habe, um diese Position mit Zittern der Muskeln mehr als ca 2 Sekunden lang halten zu können. Kontrolliert in die Hocke gehen geht daher auch nicht mehr (wobei ich sowieso nur mit Mühe und über den Vierfüßlerstand und an-mir-Hochklettern wieder zum Stand kommen würde). Die distale Kraft der UE hat zwar auch weiter etwas abgenommen, aber hier macht es funktionstechnisch bisher wenig Unterschied, da ich zuvor schon beim Gehen den Vorderfuß nicht mehr anziehen/heben konnte, also einen Fallfuß hatte; die Wadenmuskulatur ist zwar auch betroffen, ist aber noch um einiges stärker als die Schienbeinmuskulatur. Auch die Beckenmuskulaturschwäche führte vorher schon zum Watschelgang, da ich beim Verlagern des Gewichts auf ein Bein die Hüfte nicht in der Waagrechten gegen die Schwerkraft halten kann. Allerdings hat die Ausprägung und die Verschlechterung durch Ermüdbarkeit zugenommen, dasselbe gilt auf für die Kraft des Quadriceps. Zusammengefasst: eigentlich sind mittlerweile alle Muskeln betroffen (inklusive Gesicht- Schluck,- Extremitäten-, Hals-, Becken/Hüft-, Rumpfmuskulatur, und seit ein paar Wochen habe ich leichte binokuläre Doppelbilder beim Blick nach rechts/links), aber in den UE sind generell die Fußheber bzw. Strecker (KG 2-3) mehr betroffen als die Beuger (KG 3-4), und die Abduktoren (KG 2) mehr als die Adduktoren (KG 3). Beim Gehen/Stehen kippt das Becken nach vorne, und ich habe ein deutliches Hohlkreuz. In den UE hat sich über das letzte Jahr vor also allem die Funktion der Hüft- und Kniestreckung verschlechtert
    Kontrakturen habe ich bisher nicht. Beginn der neuromuskulären Klinik so richtig Anfang 2014; vorher war für mich eigentlich nur eine leichte Ptosis zu bemerken.

    Ich will nur eine ungefähre Idee vom möglichen Zeitpunkt des Gehverlusts allein schon durch die Muskelschwäche (ohne weitere Faktoren, also auch ohne Kontrakturen) bekommen, denn das spielt auch eine Rolle bei den "anderen" Überlegungen. Die Neurologen brauche ich diesbezüglich nicht zu fragen, da wird sich niemand in meinem Fall dazu äußern, weil ich so ein außergewöhnlicher Fall bin.
    Zuletzt geändert von pelztier86; 21.01.2017, 17:38.

    #2
    Für die Wichtigkeit der Muskeln muss man sie verschiedenen Bewegungsmuster betrachten:

    - (schnelles) Laufen: Dabei sind alle Muskeln von der Hüfte abwärts stark gefordert

    -Aufstehen, Treppensteigen, Überwindung von Höhenunterschieden: Erfordert hauptsächlich Kraft in den Oberschenkel und Hüftmuskeln

    - Gehen auf ebener Strecke: Dabei sind Hauptsächlich die Unterschenkelmuskeln, die auch den Fuß stabilisieren gefragt. Oberschenkel- und Hüftmuskeln spielen da nur eine untergeordnete Rolle. Das lässt sich durch Fußheberorthesen oder Gehapparate zum Teil kompensieren. Wobei bei sehr ausgeprägter Schwäche der Unterschenkelmuskeln eine höhere Belastung für die Hüftmuskulatur entsteht, da diese dann allein die Stabilisierung des Körperschwerpunktes während der Bewegung bewerkstelligen muss.

    Bei der Fußheberorthese muss man natürlich durch begleitende Physiotherapie eine Muskelverkürzung und Kontrakturen des Fußgelenkes (wegen der eingeschränkten Belastung) verhindern.

    Insgesamt kann man sagen, dass die Belastungen der Unterschenkelmuskulatur im Verhältnis zu ihrer Ausprägung (Größe) höher sind, zumal Füße und Hände (deren Muskulatur zum Großteil in Unterschenkel bzw. Unterarm liegen) für den menschlich Gebrauch evolutionär noch nicht ganz fertig entwickelt sind, wie man daraus erkennen kann, dass es da unter den Menschen teils große anatomische Unterschiede gibt.
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      #3
      Für die Wichtigkeit der Muskeln muss man sie verschiedenen Bewegungsmuster betrachten:

      - (schnelles) Laufen: Dabei sind alle Muskeln von der Hüfte abwärts stark gefordert

      -Aufstehen, Treppensteigen, Überwindung von Höhenunterschieden: Erfordert hauptsächlich Kraft in den Oberschenkel und Hüftmuskeln
      Das war mir schon klar ;-)

      Ich meinte eigentlich langsames Gehen in der Ebene.

      Gehen auf ebener Strecke: Dabei sind Hauptsächlich die Unterschenkelmuskeln, die auch den Fuß stabilisieren gefragt. Oberschenkel- und Hüftmuskeln spielen da nur eine untergeordnete Rolle.
      Hm. Ich meinte nur mal gelesen zu haben, dass Patienten mit schwerer PNP wie CMT von der Muskelschwäche her so lange (mit Hilfsmitteln) gehfähig bleiben, bis der Quadriceps deutlich involviert ist. Und klar, wenn die Fußhebermuskulatur schließlich total gelähmt ist, wird das sich schon erheblich auf die Stabilität auswirken, aber solange da noch minimale Kraft da ist....??? Ist dann die Wadenmuskulatur oder die Schienbeinmuskulatur wichtiger (vermute die Wadenmuskulatur)?
      Die Hüftstrecker spielen aber eigentlich auch beim Gehen eine wichtig Rolle, zumindest für die Stabilität des Rumpfes.
      Was ich dann aber weniger verstehe, wenn die Unterschenkelmuskulatur für das Gehen in der Ebene die entscheidende Muskulatur wäre, ist, dass eine schwerer verlaufende motorische PNP wesentlich weniger zur Gehunfähigkeit aufgrund von Muskelschwäche führt als schwerer verlaufende Myopathien, selbst wenn diese primär die proximal Muskulatur und nur mäßig die Unterschenkelmuskulatur betrifft.
      Zuletzt geändert von pelztier86; 22.01.2017, 02:59.

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        #4
        "Hm. Ich meinte nur mal gelesen zu haben, dass Patienten mit schwerer PNP wie CMT von der Muskelschwäche her so lange (mit Hilfsmitteln) gehfähig bleiben, bis der Quadriceps deutlich involviert ist."
        Das stimmt schon. Aber "Gehen" mit Gehapparaten und Krücken hat dann mit dem Gehen auch nicht mehr wirklich viel zu tun. Der Schienbeinmuskel ist nur einer der 3 Fußheber und daher nicht ganz so wichtig. Die Wadenmuskulatur besteht aus mehreren Muskeln, die auch für den Fuß zuständig sind. Daher ist sie auch die wichtigste. Sehr wichtig ist auch die Fußstrecker (Triceps Surae). Da setzen ja auch operative Verfahren zur Verlängerung der Gehfähigkeit an.

        "Die Hüftstrecker spielen aber eigentlich auch beim Gehen eine wichtig Rolle, zumindest für die Stabilität des Rumpfes."
        Im Wesentlichen müssen die die Streckung nur aufrecht erhalten. Dazu ist nur wenig Kraft nötig. Das ergibt sich schon aus dem Parallelogramm der Kräfte. Der größte Teil der Gewichtskraft des Körpers wird da über die Knochen abgeleitet. Beim Überwindungen von Steigungen sieht das natürlich anders aus.

        Bei starker Betroffenheit der proximalen Muskulatur spielt natürlich auch die aufwärtsgerichtete Hüftmuskulatur und Rückenmuskulatur eine Rolle, weil dann der mittlere und obere Körperbereich den Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht bringt.
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