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Humangenetische Abklärung bei unklaren Krankheiten

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    #46
    Mir wurde das Blut direkt in der Uni Klinik abgenommen, nach dem Gespräch.

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      #47
      Innsbruck, soll das beste KH in AT sein, ULM ggf auch noch, mal schauen.

      Ich wollte es erst privat machen, hätte um die 5.000€ gekostet wenn ich mich recht entsinne.

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        #48
        Ein Paket, musst aber selber nochmal nachfragen, war kein konkretes Angebot sondern eine Schätzung.

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          #49
          Ich überleg gerade was Du überhaupt testen lassen willst.
          Ich glaube ein Gentest entspricht nicht dem was Du Dir darunter vorstellst.
          It's a terrible knowing what this world is about

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            #50
            Zitat von Xinchou
            -> hätte um die 5.000€ gekostet wenn ich mich recht entsinne.
            Wie bitte!!!
            Ein einziger Test, oder ein Paket?

            bei mir wurde mal ein einzelnes gen getestet und laut abrechnung der KK lag das um die 600 Euro.

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              #51
              Für eine Humangenetische Beratung reicht eine Überweisung vom Hausarzt.

              Meine Erfahrungen dort waren, wie bei LF, sehr positiv.
              Sie nehmen sich sehr viel Zeit (1-1,5 Stunden) und führen eine umfangreiche Anamnese durch. Dabei wird auch eine Familienaufstellung gemacht, um zu schauen, welche symptomatischen Übereinstimmungen in eine Diagnoserichtung führen könnten.
              Besteht dann ein Verdacht, wird im Anschluss Blut abgenommen, um die ersten ein/zwei Gene zu untersuchen.
              Kommt dann kein Ergebnis dabei raus, kann das nächstgelegene Gen untersucht werden...

              Für die Muskelsprechstunde brauchst du eine Überweisung vom Facharzt.
              Besteht dort ein Verdacht, wird auch eine Genuntersuchung im Anschluss der Untersuchungen veranlasst.

              In beiden Fällen, so sagte man mir, werden aber immer nur ein bis zwei Gene getestet. Es wird aber Blut für (evtl. mögliche und nötige) weitere Tests tiefgefroren.
              Dafür musste ich in beiden Fällen eine Erlaubnis unterschreiben.

              Ich, als gesetzlich versicherte, muss mich um keine Kosten hierfür fürchten.
              Bei privat Versicherten sieht die Lage aber leider anders aus...
              Wenn die Private Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen will, kann es pro Gen schon so um die 600 Euro gehen.

              Wie gesagt, dass sind meine persönlichen Erfahrungen zu dem Thema.

              Es gibt wohl auch die Möglichkeit, eine "Multi-Gen-Untersuchung" machen zu lassen (vermutlich das gemeinte Paket von LF), aber über Voraussetzungen und Kosten habe ich keine Ahnung...

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                #52
                Was heißt "Gentest"? Das ist einfach eine total ungenaue Angabe.
                Es gibt in der klinischen Genetik mittlerweile prinzipiell folgende Möglichkeiten.
                1. Einzelgensequenzierung: hier wird EIN Gen komplett sequenziert nach konventioneller Sanger-Methode.
                2. Multiple-Gene/Panel-Diagnostik: hier werden mittels Next-Generation-Sequencing mehrere in dem Einzelfall "interessante" Gene sequenziert; der Vorteil gegenüber der konventionellen Sanger-Technik ist, dass das NGS kosten- und zeiteffizienter ist. Die meisten Mutationen sollten so zu detektieren sein, auch wenn die konventionelle Sanger-Methode immer noch die Methode der Wahl (da bezogen auf eine komplette Gensequenzierung am sensitivsten) ist, wenn ein hoher Verdacht für das Vorliegen einer Mutation in einem BESTIMMTEN Gen besteht. Bei der Panel-Diagnostik werden alle Gene untersucht, von denen man bereits weiß, dass deren Mutationen den Phänotypus einer bestimmten Erkrankung verursachen können.
                3. Whole-Exome-Sequencing: Hier wird der Teil des Genoms, der für Proteine kodiert (=Exom) und auf dem die meisten krankheitsverursachenden Mutationen liegen, komplett mittels Next-Generation-Sequencing sequenziert. So sollen auch bisher unentdeckte Mutationen erkannt werden können. Allerdings liefert die WES auch eine Unmenge an Daten über Varianten, deren Bedeutung man (noch) nicht einschätzen kann. Mittlerweile wird manchmal auch schon das Whole-Genome-Sequencing in der klinischen Genetik angewendet, weil auch beim heutigen WES nicht alle Bereich des Exoms gleich gut abgedeckt werden, so dass ein WES eben (noch) nicht alle Exons untersucht werden können. Das gelingt dann tatsächlich nur über ein Whole-Genome-Sequencing.
                Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile.

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                  #53
                  So einfach wie Du Dir das vorstellst ist das leider nicht.
                  Das ist das Problem: "ob für eine spez. Krankheit eine genetische Veranlagung "
                  Besonders die "spezifische Krankheit". Wenn es anhand der unspezifischen Symptome keinen Hinweis darauf gibt wo der Gendefekt ungefähr liegen könnte ist es schwierig festzulegen wo gesucht werden soll.
                  Auch das gesamte Genom zu entschlüsseln und anhand deseen eine Krankheit festzustellen ist schwierig. Es gibt nicht DAS Norm-Genom.
                  Auch ein vollkommen gesunder Mensch (oder Tier) hat in seiner DNA tausende Mutationen. Selbst in einem einzelnen gibt es unter den teilweise mehr als 20.000 Basenpaare auch bei gesunden Abweichungen. Herauszufinden welche Mutation für die Symptome verantwortlich sind ist teilweise mühsame Handarbeit.
                  Für einige Krankheiten gibt es bekannte Genorte und Mutationen die in Datenbanken hinterlegt sind und so einen automatischen Abgleich erlauben. Aber längst nicht für alle. Die wurden auch alle einzeln einmal von einem Arzt begutachtet bevor sie in die Datenbanken aufgenommen wurden. Auch bei diesen bekannten Krankheiten gibt es immer wieder abweichende Kombinationen in den Basenpaaren die sich dann auch ein Arzt anschauen muss.

                  Wenn die Symptome also keinerlei Hinweis auf einen bekannten Gendefekt gibt macht das also wenig Sinn oder ist sehr sehr teuer weil das immer auch mit einem erheblichen Aufwand an Arbeitskraft eines Arztes oder Wissenschaftlers verbunden ist und der Erfolg ist keineswegs garantiert.

                  Der Weg den Kraftlos vorgeschlagen hat klingt doch sehr vernünftig. Du musst aber auch damit rechnen, das der Genetiker nach der Beratung einen Gentest nicht für sinnvoll hält.
                  Bei allem Glaube in die moderne Gentechnik ist die Wissenschaft eben noch nicht so weit. Nach 40 Jahren Genanalyse steht man noch fast am Anfang und das liefert im Moment noch mehr Fragen als antworten, denn die DNA ist keineswegs eine Schablone bei der aus bestimmte Genkombinationen immer zum gleichen Ergebnis führen.

                  Das Einfrieren des Blutes dient übrigens nicht dazu Dir vielleicht später einen Nutzen zu bringen, sondern zu dem Zweck daran bei Bedarf weitere Analysen zu wissenschaftlichen Zwecken machen zu können oder, genauer gesagt um dem Patentinhaber des im Labor verwendeten Testkits behilflich zu sein seine Datenbank zu erweitern und die automatisierung seines Tests voranzutreiben um seinen Gewinn zu maximieren und sich Marktanteile zu sichern.

                  Die billigen Tests bei Tieren oder auch die kommerziell für Menschen angebotenen für wenige hundert EURO sind einfache Genprofile mit begrenzter Aussagekraft. Wenn da nicht grad ein wohlbekanntes Gen völlig im Eimer ist (wo man dann auch schon eindeutige Symptome hätte) sagt das wenig. Für irgendwelche Anlagen kann das auch nur eine Wahrscheinlichkeit angeben.
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                    #54
                    "-> Wenn die Symptome also keinerlei Hinweis auf einen bekannten Gendefekt gibt macht das also wenig Sinn
                    Ja klar, dann macht man ja auch keinen Gentest, ich geh davon aus, dass Beschwerden da sind."

                    Wenn Du Beschwerden hast, die auf einen eng einzugrenzenden Defekt hinweisen verstehe ich Dein Problem nicht.
                    Dann ist das doch ganz einfach: Frage den Neurologen nach einer Überweisung zum Genetiker mit entsprechender Fragestellung. Das bezahlt dann auch die KK.

                    Was Deine Hunde betrifft: Wenn man nur ein oder zwei daraufhin untersucht OB ein Gendefekt vorliegt kommt das mit dem Preis hin.
                    Beim Menschen untersucht man danach aber noch welcher Defekt im Gen genau vorliegt. Dann kommst Du auf die 500 -600 EUR die ein Test nach wenigen spezifischen Genen kostet.

                    Schau mal nch der Einwilligung für die Blutaufbewahrung: Da steht sowas wie "zu wissenschaftlichen Zwecken"
                    Man macht doch das mit Kosten verbundene Einfrieren und Aufbewahren um eine einfache Blutabnahme für ein paar Euro + Porto zu sparen.
                    Zuletzt geändert von KlausB; 28.03.2017, 16:09.
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                      #55
                      Bei mir wurden alle auf einmal / bzw werden gemacht, aber nur bei dringendem Verdacht, es werden also nur die ALS Gene angeschaut, die bei meinem Alter vorkommen können, FUS zB kommt erst viel später. Dass SBMA und SMA angeschaut werden habe ich ihrem Engagement zu verdanke, sie "regelt das schon" mit der KK.

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                        #56
                        Kein Grund sich zu entschuldigen.
                        Da habe wir wohl nur die Fragestellung fehlinterpretiert.

                        Natürlich hast Du recht damit, dass man die Frage mal allgemein erörtern kann.
                        Das ist sicher gut und wichtig, da das gerade bei den hier zu besprechenden Erkrankungen einen zunehmenden Stellenwert einnimmt.

                        Bei der Gendiagnostik gibt es sicher noch einen hohen Entwicklungsbedarf. Bei dem Verständnis der Gene steht man auch nach mehr als 50 Jahren seit Entdeckung er DNA-Struktur noch ganz am Anfang.

                        "Da steht sowas wie "zu wissenschaftlichen Zwecken": So stand es in der Einwilligung zu meinem Gentest, vor ca. 2 Jahren.

                        Mein Sohn studiert Bioinformatik. We der mir was über Gene erzählt schlacker ich nur mit den Ohren und versteh kaum die Hälfte, obwohl ich mich schon viel mit dem Thema beschäftigt habe
                        Zuletzt geändert von KlausB; 28.03.2017, 18:31.
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                          #57
                          Bei mir war das mit dem Test recht einfach. Ich hatte meine Diagnose (Muskeldystrophie Becker), von der man genau weiß welches Gen defekt ist schon seit über 40 Jahren.
                          Ich wollte nur wissen an welcher Stelle genau im Dystrophin-Gen der Defekt sitzt und was für ein Defekt das ist. Waren dann 2 fehlende Exons im oberen Bereich der Rod-Domain.

                          "Dann hast du ja deine DNA auch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt?!" ich fürchte dann doch eher zur Erweiterung der Datenbank des Test-Kit-Herstellers zur weiteren Gewinnmaximierung.
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                            #58
                            Bei Tieren ist das dann schon interessant. Vor allem für Züchter wenn die später ein Abstammungszeugnis brauchen um die Welpen besser verkaufen zu können.
                            Oder den Samen Verkaufen wollen. Bei Nutztieren ist das besonders wichtig.
                            Zuletzt geändert von KlausB; 28.03.2017, 19:35.
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                              #59
                              "wenn ich dich jetzt richtig verstehe, hattest du erst die Diagnose nun seit 40 Jahren, und dann wurde vor zwei Jahren getestet? Ist glaub eine Erbsache?" Stimmt

                              Nützen tut das eigentlich nichts. Ist nur wichtig für die Registrierung im Patientenregister weil Teilnehmer für Studien, falls es da irgendwann mal eine aussichtsreiche geben sollte meist nach diesen genetischen Merkmalen ausgesucht werden.

                              Eine Abschätzung des Verlaufs macht auch das nicht möglich. Da sind die Genetiker noch nicht weit genug. Die können anhand der genauen Genstruktur nicht einmal vorhersagen wie das produzierte Protein genau aussieht (das haben die früher mal gedacht).

                              Ich hab mir dann auch gedacht ich mach das mal solange die Krankenkasse noch bezahlt. Man wei0 ja nie, bei den Einsparungen im Gesundheitssystem.
                              It's a terrible knowing what this world is about

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                                #60
                                Mit der Vererbung hast Du recht.
                                Becker ist die (wesentlich) mildere Form von Duchenne.
                                Andere Dystrophien haben ihre Ursache nicht im Dystrophin-Gen sondern in anderen Genen. Die Namensgebung des Gens hat medizinhistorische Gründe. Es wurde übrigens erst in den 1980er Jahren entdeckt.

                                Das Dystrophin-Gen ist das größte bekannte Gen. Es besteht aus bis zu 2,5 Millionen Basenpaaren. Ca. 90% davon sind für die Dystrophie relevant. Natürlich abzüglich der nicht codierenden Introns, die man aber auch erstmal ausfindig machen muß. Da kannst Du Dir die Möglichkeiten ausrechnen (wenn Du die nächsten Jahre nichts vor hast).
                                Eine komplette Sequenz (nur des codierenden Teils des Gens. Der nicht codierende, den man vor der Analyse erst einmal rausfiltern muß ist noch größer) findest Du hier: http://www.ensembl.org/Homo_sapiens/...97677-33339441 (Der markierte Bereich ist der defekte Bereich bei dieser Sequenzierung)

                                Krank macht dann das Protein das aus diesen Informationen abgelesen wird. Bei Proteinen ist dann auch noch die Form wichtig. Die kann zudem auch noch (unvorhersehbar) unterschiedlich sein, beim gleichen Gen-Code.

                                Und das ist nur ein Gen. Da kannst Du Dir ja vorstellen wie das ist wen man auf Verdacht alle Gene auf allen 2 * 48 = 96 Chromosomen durchsucht. Und wenn man da nichts findet gibt's ja auch noch die mitochondriale DNA.
                                Zuletzt geändert von KlausB; 28.03.2017, 21:31.
                                It's a terrible knowing what this world is about

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