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Sexualität

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    #16
    Wegen einer körperlicher Behinderung eine Beziehung abbrechen?

    Liebe Heike,

    dein Beitrag darüber, ob du aus Liebe die Beziehung zu deinem Freund aufgrund der Diagnose FSHD abbrechen möchtest, hat mich doch sehr nachdenklich gemacht. Ich habe eine Muskeldystrophie und mein 1. Mann hat mich u.a. deswegen verlassen, mein 2. Mann hat mich trotz der Krankheit geheiratet, er sagt sie gehöre zu meiner Persönlichkeit, mache diese aber nicht aus. In meiner ersten Ehe hatte ich sehr große sexuelle Probleme, welche aber eher psychologisch waren, als mit meiner Behinderung zusammenhingen. Obwohl meine Erkrankung nun fortgeschrittener ist als in meiner ersten Ehe, ist mein Sexualleben sehr schön und ausgeglichen geworden. Mein jetziger Partner gibt mir das Gefühl zu 100 % OK zu sein. Ich denke, auch ich kann ihm viel geben. Behinderung und Sexualität schließen sich nicht aus, eine stabile Beziehung in der beide Partner sich lieben und sehr mögen, hält eine Behinderung aus. Wichtig ist nur das: mein Partner ist nicht mein Pfleger, das muss getrennt werden. Das kann eine Beziehung so stark belasten, dass sie zerbricht.


    Viele Grüße Kajsa

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      #17
      Hallo Tomsa,

      deine Frage ist keine Frage, da es keine Wahl gibt, diese Frage zu beantworten! Generell heißt die Antwort darauf: ja. Jeder lebt seine Sexualität aus, so oder so. Da Menschen generell sexuelle Wesen sind, können sie sich auf den Kopf stellen, sie werden dennoch ihre Sexualität leben müssen. Selbst eine religiös asketische Enthaltsamkeit ist Ausdruck einer Sexualmoral, die sich auf die Sexualität der Körper bezieht.
      Insofern ist deine Frage nicht präzise genug. Ich glaube zwar ihre Intension schon ausmachen zu können. Aber erstens: warum sollte ich auf ein Rätsel antworten? Und zweitens: was geht dich das an?

      Deine Frage enthält zudem die voraussetzende Behauptung, dass es Menschen gibt, die ihre Sexualität nicht ausleben. Wie geht das denn? Zudem, ist es nicht ein bisschen respektlos, diese Behauptung aufzustellen, angesichts der Menschen, die einen bestimmten Teil ihrer Sexualität verbergen, um für sich einen Frieden zu finden?

      Deine Behauptung mit Fragezeichen wirft Fragen auf und führt nicht zu Antworten.

      Liebe Grüße
      Guido

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        #18
        Hallo Guido,

        ich wollte weder respektlos sein , noch rätselhafte Behauptungen aussprechen ! Ich finde einfach, jeder Mensch sollte so leben bzw. seine Bedürfnisse so ausleben, wie es für ihn passt und möglich ist...

        In den meisten Fällen hat man ja als Mensch mit einer Krankheit/Behinderung entweder keine Beziehung oder eine die schon vorher bestand und die den Gesundheitszustand des Betroffenen dann mit viel Rücksichtnahme, Toleranz und Glück (?), "überlebt"... Eine andere Möglichkeit wäre ja auch noch die, einen Partner zu finden, der halt auch "was hat" und von daher die Unvollkommenheit eines kranken Körpers von vornherein mit anderen Augen sieht. Eine andere Form hat ja der Michael scheinbar für sich gefunden. In der Schweiz hab ich z.B. auch schon von einem Verein gelesen, der sich den Bedürfnissen behinderter Menschen annimmt und dabei vielleicht nicht so einen schalen Beigeschmack erzeugt wie ein Bordellbesuch.
        Dieser Thread handelt ja vom Thema Sexualität und den verschiedenen Problemen die sich damit ergeben und wie du weisst, schätze ich deine fundierten und einfühlsamen Antworten sehr, deshalb wollte ich genau DIR diese Frage stellen, in der Hoffnung auf einen neuen Denkanstoss aus männlicher Sicht...

        Meine Frage hätte deshalb vielleicht lauten sollen: In welcher FORM (beziehungsmässig) du deine Sexualität auslebst, sicher nicht OB oder WIE, da hast du recht, das geht jetzt wirklich keinen was an!

        Liebe Grüsse

        Sandra

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          #19
          Liebe Sandra,

          ich schätze auch deine Beiträge. Und ich schätze die Beiträge von Michael, der das Thema Sexualität hier eröffnet hat. Ich habe deshalb auch Respekt vor seinen Fragen und ich sähe es lieber, wenn mehr Antworten und Fragen auf seine Fragen und Antworten kämen.

          Ich muss für mich jedoch feststellen, dass das Thema Sexualität für mich hier im Forum nur auf einer weitestgehend sachlichen Ebene zu behandeln ist. Ich mag mich nicht zu meinen konkreten Erfahrungen oder Formen äußern, da diese für mich mit einer Intimität belegt sind, in der sie auch verbleiben sollen. Ich glaube auch nicht, dass ein konkretes Benennen meiner Formen von Sexualität etwas Neues oder Weiteres aufzeigten. Vielmehr glaube ich an eine Aufweitung und Neubewertung des Themas Sexualität in der Öffentlichkeit nur über eine Sprache zu gewinnen, die das kulturell Gemeinsame in den Vordergund stellt. Meine Formen und Vorlieben sind da unerheblich.

          Michael nannte das Thema zwar Sexualität, aber wie es in einem Selbsthilfeforum üblich ist, stellte er dazu auch konkrete Fragen. Ich merke für mich, dass ich da nicht mithalten kann, deshalb nehme ich mich aus der weiteren Diskusion jetzt erstmal raus.

          Das ist nicht als Kritik auf deine Frage gemeint, Sandra, sondern als Antwort. Ich unterscheide bei bestimmten Themen, ob es mir richtig erscheint, mich zum Thema nur zu äußern, oder auch durch die Mitteilung von persönlichen Eindrücken dazu zu bekennen. Und hier habe ich mich dazu entschieden, mich nur zum Thema zu äußern. Verzeih´meine Zurückhaltung und auch meine etwas harsche Antwort oben.

          Liebe Grüße
          Guido

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            #20
            Lieber Guido

            Da gibt es doch gar nichts zu verzeihen, wir wissen doch alle, dass das ein heikles Thema ist und das es leider mehr Fragen als Antworten dazu gibt!

            Bleibt zu hoffen, dass jeder für sich irgendwann eine passende Lösung finden kann...

            Liebe Grüsse
            Sandra

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              #21
              Liebes Forum, liebe Betroffene,

              ich muss diesen Beitrag einfach wieder aus der Versenkung holen.
              Mit Schrecken habe ich feststellen müssen, dass dieses Thema (was meiner Meinung nach überhaupt nicht heikel ist, sondern die normalste Sache der Welt) im Prinzip gar nicht angetastet wird.
              Und man wenig bis gar keine Hilfestellung erwarten kann.
              Klare direkte Fragen werden immer auf die moralische Ebene verlagert oder es beginnt eine Grundsatzdiskussion und verunsichern den Fragenden nur noch zusätzlich.
              Menschen in meiner und unserer Situation brauchen und suchen dringend Hilfe in dieser Angelegenheit.

              Kurz zu mir:
              Ich werde nächste Woche 33 und habe eine Duchenne Muskeldystrophie, ich hoffe allein die Tatsache gibt einigen hier vielleicht viel Mut.

              In den letzten zehn Jahren hat mich das Thema Sexualität sehr beschäftigt, es war mir aber immer genug die Vorstellung alleine zu haben, das hat sich allerdings in den letzten drei Monaten grundlegend geändert.
              Ich möchte einfach hier meine Erfahrungen teilen, moralische Bewertungen und alles weitere sind mir völlig egal.
              Mir ist nur wichtig ganz deutlich klar zu machen, ob es auch ohne die angeblichen Spezialisten mit der Behinderung überhaupt möglich ist.
              Klare Antwort:
              JA, es ist möglich !

              Mein Ratschlag zögert nicht zulange und geht die Sache so früh ihr könnt an bzw. sofort sobald euch dieses Thema anfängt zu beschäftigen.

              Meine ersten Recherchen zu dem Thema gingen zuerst direkt zu den ganzen Spezialisten (Sexualbegleitung), dies war von Anfang an keinerlei Option für mich, denn man hat selbst mit solch einer Behinderung klare Vorstellungen und ich nenne es einmal Ansprüche. ich finde man darf es nicht einsehen entweder alleine dafür dass man behindert ist mehr Geld zahlen zu müssen oder auf selbstverständliche Dinge verzichten zu müssen.
              Die Behinderung ist für ein Zusammentreffen eigentlich irrelevant wenn man ehrlich und offen direkt sagt was los ist.
              Meine Erfahrung ist: Es gibt da draußen mehr Menschen die einen so akzeptieren wie man ist, auch mit Behinderung.
              Man sollte auch die Bemühungen nicht einstellen eine normale Beziehung aufzubauen, auch wenn dazu Enttäuschungen natürlich dazu gehören, aber diese Erfahrung müssen auch gesunde Menschen machen.
              Diejenigen von uns die nicht das nötige Glück und vielleicht auch Durchhaltevermögen haben oder in einem Alter sind indem sie seinem Partner den eventuellen Verlust nicht zumuten möchte (letzteres ist bei mir der Fall), sei ans Herz gelegt die körperlichen Dinge auch auszuleben.

              Deswegen begann ich nach Escortagenturen zu suchen.
              Der beste Weg dafür um negative Dinge zu vermeiden (z.B. ausnutzen der hilflosen Situation) sollte man sich auf jeden Fall an eine solche Agentur wenden.
              Am meisten hilft dabei gleich im ersten Anschreiben direkt zu erklären welche körperlichen Einschränkungen vorliegen (die Krankheitsbezeichnung alleine hilft in der Regel gar nichts), die unseriösen kann man schnell anhand der Art der Antwort herausfiltern.
              Und die einfache Frage wer sich von den Damen der Agentur das vorstellen kann bringt teilweise sehr überraschende und positive Ergebnisse. Natürlich gehören dabei auch negative Erlebnisse dazu, aber diese bringen einen in der Persönlichkeit durchaus weiter.
              Das restliche Procedere läuft dann irgendwann ganz von alleine und dürfte jedem klar sein.

              Natürlich sind mit dem ganzen auch Gefahren verbunden, mit denen man sich vorher auseinandersetzen sollte, in unserem Land gibt es glücklicherweise Menschen die einen beraten, wenn man sich unsicher ist, Psychologen, Ärzte des Vertrauens, persönlichen Assistenten, besonders vertrauten Personen usw.

              Mit den eventuell nicht funktionierenden Dingen (die je nach Krankheitsstadium vorliegen) muss man eben leben, bzw. einfach ausprobieren und austesten. Aber genau diese Dinge müssen gesunde Menschen auch genauso ausprobieren und testen. Genau das ist Inklusion. Als behinderter Mensch muss man genauso für sein Recht kämpfen wie als gesunder Mensch. Wir fordern ja immer dass wir alle gleich behandelt werden wollen und die gleichen Bedürfnisse haben. Niemand bekommt etwas geschenkt. Dazu gehören eben zwei, der Behinderte selbst & jeweils der Gegenüber.

              Hatte letztendlich gestern mein erstes Date. Es war für mich wie eine Befreiung, die mich sehr glücklich gemacht hat. Ich schreibe ganz bewusst diesem Bericht hier mit noch frischen Eindrücken.
              Und immer Kopfform: besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.
              Es war für mich auf jeden Fall die richtige Entscheidung.
              Natürlich erhebe ich nicht den Anspruch dass es auch für alle auch so ist.
              Jeder von uns empfindet anders und ist ein ganz eigener Mensch und muss für sich den besten Weg suchen.
              Ich wollte meiner Erfahrung aber gerne mit anderen Betroffenen und Familien teilen.

              Die grundlegende Botschaft:e
              Gebt nicht auf auch wenn es schwierig ist und Enttäuschungen vorkommen.
              Auf keinen Fall auf das verzichten was einem wichtig ist, weil andere anderer Meinung sind oder man selbst Angst hat.

              Wer wirklich helfen möchte redet nicht mehr um den heißen Brei herum. Das andere ist alles Pseudokram.
              Meine Erfahrungen sollen einfach anderen in ähnlichen Situationen helfen ihren Mut zusammen zu nehmen.
              Den richtigen Weg per se gibt es sowieso nicht, den muss jeder individuell für sich selbst herausfinden.

              Ich wünschte mir sehr wenn endlich mal etwas Bewegung in die Thematik käme.
              Und vor allem endlich mal eine Diskussion die nicht ständig die Moral in Frage stellt.

              Bleibt tapfer und kämpft für euren Weg
              Es lohnt sich immer, egal wie schwer es scheint

              Noch einen schönen Sonntag

              Alles Gute für euch

              PS: Gerne könnt ihr mich per persönlicher Nachricht oder direkt hier im Beitrag kontaktieren, Eine gute Unterhaltung ist sehr viel wert.

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