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Rollator, ja oder nein???

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    Rollator, ja oder nein???

    Hallo zusammen,

    ich habe da mal eine Frage. Wann schafft man sich einen Rollator an. Ich bin mir so unsicher, da ich ja noch gut laufen kann aber nicht lange gut laufen kann. Alleine gehe ich ca. 1000 m was zum Ende aber schon beschwerlich ist. Bei meinem Mann eingehakt und mit Gehstock schaffe ich ca. 2 - 2,5 km, dann wird`s beschwerlich. Mein Mann muss auch mal Samstags und Sonntags arbeiten und ich gehe dann mal gerne alleine spazieren. Aber 1000 m sind halt nicht viel zum spazieren gehen. Die Kraft in den Armen und Beinen verlässt mich und mir fällt dann das Laufen sehr schwer. Ich falle aber nicht hin und stolpere auch nicht. Es ist bei mir wie bei einem alten Akku, wo die Leisung schnell nachläßt und dass anschließende Aufladen immer länger dauert. Nun kam die Überlegung, ob mir ein Rollator etwas mehr Freiräume gibt, dass ich auch mal eine halbe Stunde alleine spazieren gehen kann??? Wie und wann seit ihr angefangen, mit Hilfsmitteln das Leben zu vereinfachen.
    Mein Mann sagte sogar schon, dass wir uns einen Rolli ins Auto legen sollen, damit wir auch mal wieder ne Stunde spazieren gehen können und nicht schon nach 2 km die Frischluftzufuhr beenden müssen. Wir wissen echt nicht mehr, wie wir unserer Freizeit gestalten sollen. Mit meinem im letzen Jahr angeschafften E-Bike komme ich auch nur noch ca. 10-15 km weit, auf höchste Unterstützung.... Im Sept. letzten Jahres waren es noch knapp 30 km.

    Ich weiß, dass es hier viele gibt, die sehr froh wären noch solche Strecken gehen oder fahren zu können. Dessen bin ich mir sehr bewußt und ich möchte auch nicht rumjammern. Es wäre nur schön, wenn mir jemand Tips geben könnte, wann man Hilfsmittel in Anspruch nehmen sollte oder ob ich übertrieben denke, ob ich mich mit den 1000 m einfach zufrieden geben soll und warten soll bis es schlechter wird??? Ich hoffe ihr versteht mein Anliegen und gebt mir eure Erfahrung in der "Anfangszeit" eurer Krankheit und "Übergangszeit" von Mobil bis nicht mehr so Mobil, weiter.
    Zuletzt geändert von nirak015; 13.03.2011, 14:10.

    #2
    Hallo Karin,

    ich kann dir zwar nicht sagen, wie du dich bezüglich eines Rollators verhalten sollst - denn ich habe keinen - aber ich kann dir erzählen, wie es bei mir und dem Rollstuhl war ...
    Ich habe erst seit Dezember 2007 meine Diagnose FSHD und in der Humangenetik (die von sich selbst behaupten, wahre Koryphäen zu sein) wurde mir gesagt, dass es eine frühkindliche Form gibt und eben die Andere (das hätte mir schon sagen sollen, dass die Dame keine Ahnung hatte) und nur bei der frühkindlichen Form - die ich ja nicht hätte - könne es sehr selten dazu kommen, dass der Patient irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen wäre.
    Soweit die Theorie ....
    In der Praxis sieht es so aus, dass ich schon seit Jahren immer mehr Einschränkungen beim gehen festgetellt habe. Ich konnte nie verstehen, was man an einem Spaziergang schön und entspannend finden kann!! Denn für mich bedeutete schon 2007 ein Spaziergang von mehr als 1000 Metern harte Arbeit. Trotzdem habe ich immer versucht, gute Mine zum bösen Spiel zu machen und habe mich gezwungen mitzugehen, wenn mir mal wieder keine passende Ausrede einfallen wollte.
    Aber es waren nicht nur Spziergänge ... auch Einkaufen stand bei mir schon seit Jahren auf der roten Liste. Es ist ja nicht nur das gehen durch die Läden - obwohl das auch schon schlimm genug ist - schlimmer ist noch, wenn man dann Bekannte trifft und die einem ein Kotelett an die Backe labern müssen!
    Ich glaube man sieht schon an der negativen Beschreibung, dass ich da echt nicht gut drauf zu sprechen war ... vor allem, weil man mir meine Ekrankung ja nicht gleich ansieht und - und das macht den Hauptteil aus - ich immer dachte, die schieben das bestimmt auf mein Übergewicht, dass ich nicht gut laufen und schlecht stehen kann.
    Ich hab es doch selber darauf geschoben!!!

    Aber dann hab ich meine Neurologin irgendwann überzeugen können, dass ich mir die Schmerzen nicht nur einbilde und sie hat ein CT veranlaßt - woraufhin eine Myelografie gemacht wurde. Dabei stellte sich heraus, dass ich einen verkalkten (also schon ziemlich alten) Bandscheibenvorfall zwischen dem 5. und 6. Lendenwirbel habe, einen Bandscheibenvorfall zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel und eine Knochenabsplitterung vom Dach des 4. Lendenwirbels. Außerdem habe ich eine 6-Gliedrige LWS (normal sind 5) und daher wissen die Ärzte nicht so genau, welche Auswirkungen die beiden BSVs haben.

    Da war mir selber auch endlich klar, dass ich mit den Schmerzen nicht übertreibe! Dass ich nicht einfach nur zu faul zum Spazierengehen bin!!!
    Naja, so ganz klar war es mir wahrscheinlich immer noch nicht, denn anstatt bei der KK einen Rolli zu beantragen, hab ich mir selber einen bei eBay ersteigert. Aber wenigstens hatte ich einen und ich kann dir nicht dagen, wie gut das war und auch bis heute ist!!!!!
    Ich kann wieder mit meinem Mann einkaufen; wir haben uns eine Jahreskarte für den Zoo geholt und wir waren schon 2x in Berlin, meiner alten Heimat.
    Aber um auch mal alleine mobil sein zu können, brauche ich einen Elektrorollstuhl.
    Ich habe mit einem Sanihaus gesprochen, die sagten: das sollte kein Probem sein, aber holen sie sich das Rezept von ihrem Neurologen.
    Ich habe mit meinem Hausarzt gesprochen, der sagte: das sollte kein Problem sein, aber holen sie sich das Rezept von ihrem Neurologen.
    Donnerstag habe ich endlich meinen Termin beim Neurologen und ich hoffe (obwohl ich doch eigentlich sicher sein müßte), dass er mir das ersehnte Rezept gibt. Ich bin auch schon vorsorglich beim VdK eingetreten - falls die Krankenkasse ärger macht.
    Aber auch wenn alles reibungslos läuft, dauert es immernoch Monate, bis ich meinen E-Rolli habe.

    Und nun kommt das Resultat meiner ganzen Ausführungen: wenn du das Gefühl hast, du brauchst einen Rollator und kommst damit auch gut klar, dann beantrage ihn lieber Gestern als Morgen!!! Es ist sch***egal, was Andere denken könnten - nur du selber kannst fühlen, was dir noch möglich ist und was nicht und welche Hilfsmittel du brauchst!!!

    Liebe Grüße, Heike
    Der Vorteil der Intelligenz besteht darin: Sich dumm stellen zu können. Das Gegenteil ist weitaus schwieriger.

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      #3
      Hallo Karin,
      wenn ich das so lese, erinnert mich das ganze an mich. Denke gerade über genau das gleiche nach. Kann auch noch gut laufen aber nach ca. 10-15 min. bekomme ich Schmerzen in den Beinen. Kenne auch das was Heike sagt, drücke mich vor Spaziergängen etc.. Jetzt habe ich auch über einen Rollstuhl nachgedacht in den ich mich dann reinsetzen kann, wenn es mir zu viel wird und wenn ich mich dann wieder fit fühle weiter gehen kann. Ein Rollator macht mir weniger Sinn, denke ich, da ich ja dann immer ca. 1/2 Stunde an einem Fleck warten muß, bis ich weiter laufen kann, da ich ja keine Unterstützung beim Laufen brauche. Dann könnte ich auch mal wieder mit meiner Familie in den Zoo oder längere Spaziergänge machen oder auch mal wieder länger shoppen gehen, käme mir nur komisch vor wenn ich ganz normal aus dem Rollstuhl aufstehe und dann auch laufe, daß hemmt mich ein wenig. Fühle mich aber im Moment sehr eingeschränkt, weil ich entweder zu Hause bleibe oder total über meine Grenzen gehe und dann Dauerschmerzen habe.
      Ich komme mir auch komisch dabei vor, da es manch anderen viel schlechter geht.

      Liebe Grüße
      Kerstin

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        #4
        Hallo Kerstin,

        ja, dass mit dem Einkaufen und Zoo Besuchen habe ich auch an den Nagel gehängt. Mein Mann sagte ja auch schon, wir sollten uns einen Rolli ins Auto legen um bei Bedarf einfach Mobiler zu sein um nicht nach 0,5 Stunde die Frischluftzufuhr beenden zu müssen. Mir würde ein Rollator aber schon helfen, weil ich mich z.B. bei einem Smaltalk mit jemanden einfach eben hinsetzten könnte und nicht "Schweißausbrüche" bekommen muss wann denn nun endlich das Gespräch beendet werden kann, da ich nicht mehr stehen kann und der Rückweg noch beschwerlicher wird
        Ich habe auch, wenn ich ohne Mann und Gehstock laufe, nach einiger Zeit das Gefühl in der Mitte meines Körpers umzuknicken. Da würde mir ebenfalls ein Rollator helfen, da ich mich abstützen könnte. Nachteil ist wiederum, dass ich ja auch Schwierigkeiten mit meinen Oberarmen habe und die Arme dann "schwächer" werden würde, eben wegen dem Abstützen. Aber ich glaube, ich werde mir so ein Teil holen. Bin heute in einem Sanitätshaus gewesen (war echt eine Überwindung ) und habe nach einem Rollator gefragt und mich beraten lassen. Morgen gehe ich noch in ein anderes Sanitätshaus und dann werde ich wohl nächste Woche zuschlagen, nach Rücksprache mit meinem Hausarzt.
        Das Problem ist wirklich, dass ich für eine gewisse Zeit Kraft habe, die aber nach immer kürzere Zeit nachläßt. Ich stolpere nicht und ich habe auch keine Lähmungen, es geht wirklich "nur" die Power weg und ich werde dann langsammer und langsammer..... Geht es dir auch so, oder stolperst oder fällst du auch mal hin wie viele hier?

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          #5
          Hallo Karin,
          mit stolpern und fallen habe ich auch keine Probleme. Wie Du schon schreibst, die Power verschwindet einfach. Ich vergleiche das immer mit einem Computerspiel, wo die Männchen ihre Energiebalken haben. Wenn mein Energiebalken voll ist, kann ich noch gut etwas schaffen. Bei Belastung wird der Balken aber immer kleiner, er braucht auch sehr lange um sich wieder voll aufzuladen. Wenn ich mein tägliches Pensum mit Haushalt, Kindern und Mann, etc. jeden Tag voll absolviere, kann der Balken sich immer nur bis zu einem Drittel aufladen und meine Energie ist demnach auch sehr schnell verbraucht, habe ich aber ein paar Tage wo ich mich völlig ausruhen kann oder nur sehr wenig machen muß, ist der Balken voll und ich kann danach auch mehr machen. Hört sich vielleicht komisch an, aber das beschreibt es eigentlich sehr gut.
          Ja, das mit dem Sitzen wenn man jemande trifft, daß Problem habe ich auch, sage dann nämlich auch nicht, tut mir leid ich muß gehen mir tuen die Beine weh. Sonder beiße einfach die Zähne zusammen und quatsche weiter und denke der Nachmittag ist gelaufen in Punkto Haushalt, etc..
          Wenn ich einkaufe habe ich auch oft Rückenschmerzen, wo ich auch das Gefühl habe gleich bricht er durch, stütze mich dann auf den Einkaufswagen. Das Problem mit den Armen habe ich auch, mal mehr mal weniger, deswegen würde bei einem Rolli, bei mir auch nur so einer in Frage kommen, der ganz leicht läuft, oder mein Mann muß schieben. Ich fürchte aber fast, dasß mein Arzt mir einen Vogel zeigt, da ich ja relativ normal in die Praxis komme und ich sowieso das Gefühl habe er versteht mich nicht.
          Das mit der Überwindung kann ich verstehen, so geht es mir auch, als ich meine Idee mit dem Rolli meinem Mann erzählt habe, war der ganz niedergeschlagen und sagte nur, ist es schon soooo weit.
          Bei mir ist es auch so, daß ich nach längerem laufen das Gefühl habe meine Beine werden durch ein Gummi zusammengehalten und es ist immer schwerer sie zu bewegen.

          Liebe Grüße
          Kerstin

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            #6
            Hallo Karin,

            was Du so von Dir schilderst, lässt ja schon von hieraus ahnen, dass Du nicht nur in den Beinen und Füßen eine Schwäche hast, sondern auch im Beckengürtel. Untypisch wäre dies nicht. Deine Frage zum Rollator betrifft aber noch eine andere Körperregion und die ist bei Muskelkrankheiten ja häufig auch betroffen, nämlich der Schultergürtel.

            Um mit einem Rollator gut umgehen zu können, brauchst Du noch eine gute Kraft und Funktion im Schultergürtel. Das hängt mit so simplen Dingen zusammen, wie zB Bordsteinkanten. Da musst Du mit dem Ding dann irgendwie drüber. Und Du musst es die ganze Zeit vor Dir herschieben. Beides sind Aspekte eines Rollatorgebrauchs, die noch eine einigermaßen funktionierende Schultergürtelpartie benötigen. Wenn dein Schultergürtel also betroffen ist, würde ich Dir von einem Rollator abraten. Die Sturzgefahr erhöht sich eher und ebenso die Möglichkeit von Verspannungen, Verzerrungen und Ausrenkungen im Schultergürtelbereich, und natürlich auch die Möglichkeit von Erschöpfungssymptomen in dem Bereich.

            Ich denke, ein Rollstuhl wäre demgegenüber sinnvoller. Allerdings nicht, um sich beim Laufen darauf abzustützen. Ein Rollstuhl fährt relativ schnell mal nach vorne weg und die Sturzgefahr ist dann sehr hoch.

            Hilfsmittel sind eben Hilfsmittel und bringen jedes für sich auch immer Nachteile mit sich. Deshalb bleibt es bei dem, was Du sowieso schon machst, nämlich alles mal ausprobieren und das nehmen, was für dich und deine Anforderungen am besten funktioniert.

            Für viele Muskelkranke fällt der Schritt, von der Gehfähigkeit gleich zum Rollstuhl, schwer. Die Problematik der Erkrankung lässt dabei keine oder nur wenige Alternativen zu. Deshalb ist es immer sinnvoll, wenn der Lebenspartner zur Beratung mitkommt, da auch der Lebenspartner mit dem Hilfsmittel umzugehen lernen muss. Das meint auch, dass gerade der Lebenspartner in diesen heiklen Fragen manchmal den objektiveren Blick für das Richtige hat. Außerdem ist dann auch die Frage der Akzeptanz von Hilfsmittel gleich zu zweit geklärt und nicht nur die Entscheidung des Betroffenen gewesen.
            Vielleicht nimmst Du nach Möglichkeit deinen Mann zur Hilfsmittelprobe mit und ihr probiert zusammen aus, was für "Euch" am besten ist.

            Liebe Grüße
            Guido
            Zuletzt geändert von Guido; 15.03.2011, 15:03.

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              #7
              Hallo Zusammen,

              danke für eure Tips. Ich werde mal darüber nachdenken. Guido, du hast schon recht mit der Belastung für den Schultergürtel. Meine Oberarme werden bestimmt nicht begeistert sein. Mich reizt wirklich die Sitzgelegenheit beim Rollator. Für einen Rolli fühle ich mich noch zu fit. Ich gehe ja noch voll arbeiten und laufe auch noch ziemlich sicher, wenn auch optisch manchmal so, als hätte ich in Hosen gemacht so mein Mann. Da wäre es mir echt unangenehm mich von meinem Mann schieben zu lassen, obwohl er selber schon den Vorschlag gemacht hat, einen Rolli ins Auto zu legen um bei Bedarf einfach länger mobil zu sein und er damit super toll umgeht, mich unterstützt und voll auf meine Bedürfnisse eingeht was Hilfsmittel angeht...... Ich schaffe das einfach noch nicht. Da muss es mir warscheinlich noch viel schlechter gehen. Wenn Menschen jemanden im Rollstuhl sitzen sehen, gehen sie davon aus, dass er NICHT mehr laufen kann und z.B. Querschnittsgelähmt ist. Wenn ich in einem Rollstuhl sitze und locker aufstehe und selber laufe, komme ich mir einfach doof vor. Auch wenn das albern klingt, da kann ich sehr schlecht über meinen Schatten springen
              Ich bin echt erstaunt, wie ähnlich die Symthome hier sind. Was du Kerstin schreibst trifft genau so auf mir selber zu. Bei fehlt aber das WIEDERFITWERDEN nach längerm "Balkenaufladen" Es werden einfach keine 100 % mehr. Aber das scheint dann wohl der Verlauf der Krankheit zu sein.

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                #8
                Hallo Karin,

                Du beschreibst sehr schön den Grund dafür, warum viele Muskelkranke lange zögern, sich in einen Rollstuhl zu setzen. Es ist die Akzeptanz. Für mich kommt ein Rollator nicht in Frage, lieber laufe ich rum, als hätte ich schon drei volle Windeln an. Und ein Rollstuhl kommt für mich erst in Frage, wenn ich mir richtig wehgetan haben werde, wenn es also offensichtlich nicht mehr anders geht.
                Dabei ist beinahe von jedem Betroffenen, der sich einen Rollstuhl zugelegt hat, das Loblied auf den Rollstuhl zu hören. Die Erleichterungen sind gravierend.

                Aber so einfach ist es eben nicht bei Menschen. Die Vorstellung, mitten in der Stadt zB aus einem Rollstuhl aufzustehen und vergnügt loszulaufen, behagt mir so wenig wie Dir. Und da ist jetzt nicht nur ein ästethischer Aspekt zu beleuchten. Denn wenn wir dann aus Schamgefühlen im Rollstuhl sitzen bleiben würden, wenn also wir uns an das Hilfsmittel anpassen und nicht umgekehrt, wie es ja sein soll, das Hilfsmittel sich an unsere Bedürfnisse anpasst, dann ist das ganze Projekt Hilfsmittel nicht nur falsch gewählt, sondern auch gefährlich. Wer sich nämlich an Hilfsmittel anpasst, büßt auf Dauer mehr von seiner Leistungsfähigkeit ein, als nötig wäre. Ein Aspekt in der Hilfsmittelindustrie, der wenig beleuchtet wird.

                Ich bin mir sicher, Du wirst dein Hilfsmittel auf deine Bedürfnisse hin zuschneiden. Ich wünsche Dir viel Erleichterung dadurch.

                Liebe Grüße
                Guido

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                  #9
                  Ich kann auch noch fast normal aufstehen und kurze Strecken gehen und dennoch benutz ich den ROlli.. klar ist es anfangs echt komisch.. aber man gewöhnt sich an die Blicke und genießt dann die wiedergewonne Freiheit.
                  Also da muss man echt egoistisch denken.. man will sich helfen und was wieder machen können und nicht das was andere denken.
                  Aber wenn ROlli, dann auf jeden Fall einen AKtivrolli, weil er einfach leichter ist vom Gewicht und weniger..sofern die Armkraft noch ausreicht.
                  (aber da gibts auhc Hilfen) Ic fahr jetzt seit über einem Jahr AKtivrolli.. aber überwiegend im Außenbereich, benutz in nicht in der Arbeit.. aber shoppen, Spazieren, Zoo würd nciht mehr ohne gehen. hab seit circa 3 Monaten einen Zusatzantrieb (emotion) an den Rädern, weil meine Arme das nicht mehr schaffen würden, jede kleinste Steigung war eine Qual.

                  Aber das mit der Energie kenn ich auhc.. mein Akku ladet sich eigentlich nur mehr am Wochenende fast voll auf, wenn ich es richtig ruig angehe unter der Woche komm ich nicht wirklich weit auf 60 max. Da muss man eben Energie einsparen.. eben durch Benutzen vom ROlli.
                  Zuletzt geändert von springmausi; 15.03.2011, 20:33.
                  LG Silke

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                    #10
                    Rollstuhl selber schieben

                    Zu Guidos Bemerkung:
                    "Allerdings nicht, um sich beim Laufen darauf abzustützen. Ein Rollstuhl fährt relativ schnell mal nach vorne weg und die Sturzgefahr ist dann sehr hoch."
                    Es gibt Rollstühle, die auch an den Schiebegriffen Bremshebel haben (wie beim Rollator). Damit kann die beschriebene Gefahr vermieden werden.
                    Herzliche Grüße von Blauracke
                    Zuletzt geändert von Blauracke; 20.03.2011, 21:21. Grund: Präzisierung

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                      #11
                      Hallo zusammen,

                      so, ich habe mich entschieden. Ein Topro Troja ist bestellt und ich kann ihn am Donnerstag abholen. Zurzeit steht noch der geliehene Troja in der Küche und ich bin sehr gut mit dem „Rennwagen“ zurechtgekommen. Ich hätte nie gedacht, dass das Schieben eines Rollators derart erleichternd ist. Mein Mann und ich haben getestet, im Niergendwoland, wo keiner herläuft und sich Fuchs und Hase "Gut Nacht" sagen, er hat zwischendurch geschoben und ich merkte, wie ich wieder in mir zusammensackte. Mit dem Rollator passiert das nicht. Ich laufe gerader und entspannter und das Beste ist, ich kann mich setzen und quatschen wenn ich jemanden treffe, ohne Panik zu bekommen. Gut, ich merke nun die Arme mehr, es ist aber noch o.k. Die neue "Freiheit" entspannter spazieren zu gehen ist mir mehr wert.
                      Am Sonntag habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und bin bei uns durch das Dorf geschoben.... Puh, das hat echt Überwindung gekostet….. Aber nun geht es und mir ist es nicht mehr ganz so unangenehm, weil es mir einfach damit besser gelingt spazieren zu gehen. Ich danke euch für den Rat und die Tipps und bin froh, mich hier austauschen zu können!!!

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                        #12
                        Hallo nirak015,

                        ich habe mich neulich erst wegen meiner Großmutter mit diesem Thema beschäftigt. Es gibt inzwischen Rollatoren mit einer Unterstützung durch einen Elektroantrieb. Gerade bergauf sollen diese sehr praktisch sein, aber auch bergab durch die Motorbremse eine große Hilfe. Ich habe für meine Großmutter den beactive+e Rollator ins Auge gefasst und werde ihr wahrscheinlich so einen ordern, sobald er verfügbar ist. Hier findest du alle Informationen zu diesem E-Rollator.

                        Lieben Gruß
                        Michael

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                          #13
                          Ich weiß gar nicht, warum viele Probleme haben, mit dem Gedanken, irgendwann auf einen Rolli angewiesen zu sein. Ich selber hab mir einen E-Rolli verschreiben lassen, da mir weder ein elektrisch ünterstützer Rolli (e-motion), geschweige denn ein Rollator eine Unterstützung bringen würde. Ein Gang mit einem Rollator ist für mich so, als wäre ich mit zwei Krücken unterwegs. Da meine Kraft in den Armen auch nur sehr begrenzt ist, tut mir beides weh (Arme und Beine). Ich finde es absolut nicht bedenklich, von einem E-Rolli abzusteigen und dann ein paar Schritte zu gehen. Es wundert sich sich auch keiner, wenn einer aus seinem Auto aussteigt und dann zu Fuß weitergeht, oder? Ich finde, wenn ein man die Möglichkeit bekommt, von einer renomierten Institution ein Rolli verschrieben zu bekommen, soll man auch nicht ablehnen (Stolz hin oder her). Da sich meine Gehstrecke mittlerweile auf maximal 300m begrenzt hat, finde ich es eine feine Sache, einen beweglichen Untersatz zu haben, für Strecken, für die man das Auto noch nicht braucht.

                          Liebe Grüße
                          Adrian

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                            #14
                            Auch wenn das Thema schon älter ist, finde ich den Beitrag sehr interessant. Bislang habe ich nur Muskelkranke kennen gelernt, denen man am Gangbild angesehen hat, dass etwas nicht stimmt...
                            Ich dachte bislang immer, ich sei eine seltene Ausnahme: Denn ich kann kurze Strecken auch ganz normal laufen - man sieht mir überhaupt nichts an. Ich habe kurzzeitig genau so viel Kraft wie Gesunde, nur nach wenigen Minuten bekomme ich dann das Gefühl wegzubrechen, die Muskulatur wird dann schwächer und unruhig, mir wird manchmal sogar richtig übel vor Anstrengung. Und die Muskeln brauchen ewig, bis sie sich wieder erholt haben.
                            Ich habe auch schon über Hilfsmittel nachgedacht, nur komme ich mir auch komisch vor, einfach aus dem Rollstuhl aufzustehen und "normal" weiter zu lafen...und es sind dann eben mehr als nur ein paar Schritte, die ich gehen könnte.

                            Viele grüße
                            Nobody

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                              #15
                              Hallo Nobody,
                              ich bin jetzt seit über einem halben Jahr stolze Rollibesitzerin. Mir wurde der Rolli in der Reha vorgeschlagen und ich habe erst total ablehnend reagiert "Wir können darüber vielleicht in drei Jahren darüber sprechen". Zum Glück habe ich mich dann doch entschlossen es in der Reha auszuprobieren. Der e-motion (verstärkung des Handantriebes) war nichts für mich aber der e-fix war es dann. Gesteuert wird mit enem Joystick und es macht echt Spaß!:-)
                              Zu der Frage was andere denken wenn ich / man aus dem Rollstuhl aufsteht ist doch nicht mein Problem. Wenn es Leute kömisch finden, dann ist das deren Problem. Die meisten Leute im Rollstul können noch ein paar Schritte gehen! Es ist einfach eine Erleichterung und man sollte nicht zu lange warten sich einen Rolli mit Antrieb verordnen zu lassen. Die Freiheit ist es wert.
                              Liebe Grüße von der besgeisterten Roliifahrerin Suppengrün
                              P.S. Manchmal "randaliere" ich ein wenig mit dem Rolli wenn es eng ist... Dabei habe ich mal bei einem Krichenbasar eine Bücherkiste umgeworfen und als ich helfen wolle es wieder einzusammeln (und dazu aus dem Polli aufzustehen), wurde mir geratan das nicht zu tun, um nicht als Simulantin angesehen zu werden... Ich habe geholfen, und wenn andere jetzt denken ich simuliere, so what. Das ist DEREN Problem. Ich habe mit geholfen!
                              Zuletzt geändert von Suppengrün; 22.11.2015, 14:55.

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