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HNO Besuch: Verdachtsdiagnose ALS+

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    HNO Besuch: Verdachtsdiagnose ALS+

    Aloha,

    letztes Jahr im September vernahm ich aus dem Nichts ein komisches Gefühl auf meiner Zunge - zu der Zeit beschrieb ich es meinem Hausarzt, als würde man die Zunge an eine Batterie stecken - sie fühlt sich kribbelig und zittrig an. So richtig hingeschaut hab ich aber nicht und hab dem Hausarzt vertraut, als dieser mir kurz erklärte, wie die Nerven im Kopf funktionieren und dass ich doch mal zu seinem Spezi dem HNO vorbeischauen sollte. Gesagt getan.
    Beim HNO angekommen, die Sachlage geschildert, hat dieser einen Abstrich gemacht, kurz reingeschaut, verwundert gewirkt und gesagt ich solle zur Kontrolle und Befundbesprechung in einer Woche nochmal vorbeikommen. Besagte Woche habe ich genutzt, um meine Zunge in Flagranti zu erwischen - und da war es. Ein unscheinbares Zucken, seitlich meiner Zungenspitze. Ich war verwundert und hab mich wieder auf den Weg zum HNO gemacht.
    Auf seinem Stuhl sitzend, offenbarte mir dieser, dass das was ich habe und was er sah, sog. Faszikulationen seien. Er drückte mir einen Brief in die Hand, meinte ich solle keinesfalls googeln und so schnell wie möglich zum Neurologen, derweil würde er mir Vitamin B und Magnesium verschreiben. Gesagt (nicht) getan.
    “Verdachtsdiagnose: Amyotrophe Lateralsklerose.” Absolut keinen Plan gehabt, was das sein soll und so hab ich erst am nächsten Tag, von der Neugierde übermannt, gegoogelt. Steven Hawking, kurze Lebensdauer, ganz unangenehme Sache. Die Panik kam hoch.

    Glücklicherweise hatte die Neurologin recht schnell einen Termin parat, der sich eher als Zeitverschwendung herausstellte. “Da hat sich der HNO aber ganz schön übernommen!”, lachte sie über ihn und schickte mich “vorsichtshalber” zum MRT. MRT unauffällig, wenn sonst nichts ist, wars das.
    Vorgespult zum Dezember 2023 waren die Zungenfaszikulationen noch immer da, die konnte ich auch gut auf Kamera bringen - zu Dokumentationszwecken, falls es mal wieder belächelt werden sollte. Was neu war, war die Frage, die ich mir plötzlich stellen musste, nämlich, ob ich Depressionen habe. Diese Frage konnte durch eine Psychologin recht schnell beantwortet werden. Ja! - rezidivierende schwere depressive Störung. Alles Klar. Gut. Zu viel Stress, ich bilde es mir ein. Antidepressiva will ich nicht. Gute 4 Wochen hab ich mir das eingeredet, bis ich genommen habe, was ich kriegen konnte. Wochen vergingen, die Antidepressive schlugen an - oder auch nicht (25mg Paroxetin 1x Tägl.).

    Nachdem mir der Begriff der Faszikulationen mittlerweile ein vertrauter war, konnte ich recht schnell die Muskelzuckungen am rechten Bein, im linken Schulterblatt und im Gesicht kategorisieren. Was auch immer es ist, es ‘breitet’ sich aus.
    Zwischenzeitlich hab ich eine h.piori Infektion überdauert, die mich dazu Zwang jedes Mal, wenn ich außer Hause gehen wollte, eine Tüte und Taschentücher mitzunehmen, falls es mal knapper als sonst sein sollte.

    Anstrengende Zeit. Nach dem Gastroenterologen, wieder zum Neurologen.

    Bevor ich mich beim Neurologen vorstellig machen konnte, entwickelte sich ein neues Symptom: ein Tremor. Ein gewitzter Tremor, denn der kam nur dann, wenn keiner hinsah oder aber, wenn ich eine bestimmte Bewegung gemacht habe. Nämlich Anspannung des kleinen Fingers in der linken Hand. Mittlerweile sind es zwei - manchmal drei.
    Beim Neurologen angekommen, war klar, dass ich ihm das echt gut verkaufen muss, denn meine Symptome sind nicht das übliche Halskratzen. Nachdem das Verkaufsgespräch aber Startschwierigkeiten hatte, habe ich ihm mein Handy vorgelegt und die Faszikulationen, als auch den Tremor gezeigt. Er war überrascht und ist vor Freude fast vom Stuhl gefallen - “Das sind Zungenfaszikulationen!” - Aber sehr unwahrscheinlich ist es ALS. Zu selten. Zu jung. War ok für mich, ich wollte nur wissen was es ist und warum es immer lauter wird.
    An diesem Punkt war dann das EMG/NLG das erste mal im Raum. Ich sollte es durchführen lassen und noch “das größte Blutbild, das man kriegen kann” einholen.
    Warum ich diesen Neurologen im Endeffekt nicht wieder besuchen werde, offenbarte sich mir dann, als er mir eine Überweisung zu einem Privatarzt mitgab, ein Bekannter von ihm, ich solle das EMG/NLG dort machen. On top, soll ich Präparate nehmen. Die gibts nicht auf Rezept. Die gibts nur Privat. Von seiner Firma. 40 Euro für ein Paar Aminosäuren - “die machen mich wieder startklar”. Weil die Gans noch nicht ganz nackt war, solle ich nochmal vorbeikommen, er würde mir orthopädische Schuheinlagen machen - 200€.
    Die Überweisung habe ich dankend angenommen, den Rest hab ich abgelehnt.
    Voller Vorfreude bin ich kurze Zeit später nach der Arbeit, in meinem Anzug, ganz gestriegelt zum Neurodiagnostiker gewatschelt, der mir die unangenehmste Erfahrung, seit der Daumenluxation im Boxunterricht, bereitet hat. Eine lange, spitze Nadel, mit der der Dok seine Dartkünste auf meinem Körper bewiesen hat. Beine, Arme, Hände, Zunge - autsch. Tut vorallem dann weh, wenn er ausversehen in einen Nerv sticht.
    Die Ergebnisse waren erleichternd und doch wieder irgendwie besorgniserregend. Keine Hinweise auf eine Vorderhornerkrankung. Phuuu. Also, kein ALS - “höchstwahrscheinlich” kein ALS. Sehr gut. Dafür aber 1300 mV und 1600 mV in den Armen beim NLG, sowie leichte gelichtete Inteferrenzmuster in sämtlichen getesteten Muskeln (EMG) mit durchschnittlich 6000 mV.
    Nicht die Erlösung die ich erhofft habe, denn wenn nicht ALS, was dann? Egal. Da war ich dann nun. Mit ein paar Befunden, ohne Neurologen.

    Ein neuer musste her. Also rief ich einen bekannten, guten an, der mir für den 12.11 einen Termin versprach. Monate warten. Genauso lange, wie es vom ersten bis zum Generalisierten Faszikullieren gebraucht hat. Hilft nichts. Also wartete ich. Mir ging es zwischenzeitlich psychisch deutlich besser (MindDoc APP + Therapie sei dank) konnte ich in Absprache das Paroxetin absetzen. Alles war schön - bis ich am 06.07 eine Grillfeier veranstaltet habe. Während der Grillfeier sah ich nämlich plötzlich doppelt, verschwommen, und total verwirrend. Ich gab der Sache eine Nacht - ich will ja nicht durchdrehen und gleich ins KH rennen. Nachdem es am nächsten Tag aber nicht besser, sondern schlechter und vor allem häufiger wurde, bin ich dann doch in die Notaufnahme. Dort gab man mir eine Rote Mappe und eine freie Bahn direkt zur Neurologin. Man stellte fest, es ist nichts spezifisches, könnte ein Anfall sein, den EEG bestätigen soll. Der EEG gab “überwiegend irreguläre Betawellen” an - sonst war alles top. CT unauffällig, MRT auch. Nachdem ich nun zum Ende der möglichen Zeichen, die ich im dem Forum posten kann, ankomme, im Schnelldurchlauf. Es kamen mittlerweile Schmerzen dazu, ich humple manchmal, habe einen lange anhaltenden Husten, der von einem Brechreiz begleitet wird, den ich aber in der Story nicht früher ansprechen konnte, weil er vorher nicht als relevant erschien. Doppelbilder sind noch immer manchmal da, ich bin Hundsmüde und warte nun auf die Antikörpertestergebnisse auf Myasthenia Gravis. Die Geschichte mag humorvoll klingen aber mir ist so gar nicht mehr danach.
    Zuletzt geändert von LeopoldsWeg; 20.08.2024, 20:28.

    #2
    Hallo Leopold,

    ich bin kein Arzt aber deine Symptome sprechen für eine Myasthenia Gravis. Warte das Ergebnis der Antikörper ab und falls da nichts Eindeutiges rauskommt, hake nach. Ich weiß, ruhig zu bleiben ist schwierig aber bei neurologischen Krankheiten ist eine sichere Diagnose oft erst bei voller oder fast vollständiger Symptomausprägung möglich.

    Viele Grüße

    Peter

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      #3
      Hallo Leopold
      Selbst falls der Antikörpertest negativ ausfallen sollte heisst das nicht, dass Du KEINE MG hast.

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        #4
        Danke Marillian und hansmeister!
        Gestern am Nachmittag sind zwei der Drei Antikörper Tests angekommen.
        Ach-AK und MUSK negativ. Titin(MG35) steht aus. Würde jetzt auf eine Serenonegative MG deuten, bei den Symptomen aber ich will mich nicht selbst diagnostizieren.
        Es ist nur echt ‘Zach’ - wie wir es hier in Österreich sagen würden.

        Jetzt geh mal wieder zu einem Neurologen, der gleich an Mönchhausen denkt, wenn Du ihm/ihr nicht ausgiebig erklärst, warum es in den letzten Monaten mit den Ärzt:Innen nicht so geklappt hat.

        Ehrlich gesagt habe ich Angst vor der vollständigen Symptomausprägung, denn die Schluckbeschwerden oder die Atemschwierigkeiten manchmal sind schon echt die Grenze der Beherrschung. Es wird immer schwieriger 40h zu arbeiten und dabei vollste Konzentration zu haben. Mit 29 Jahren.

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          #5
          Hallo LeopoldsWeg

          Vielleicht hab ich es irgendwo überlesen, aber hast du eigentlich Muskelschwäche erwähnt? Wäre ja bei MG eines der Kardinalsymptome.

          Zach ist es wirklich, es gehört viel Glück und Durchhaltevermögen dazu, zu den richtigen Ärzten zu gelangen. Bist du irgendwo in einem KH angebunden, oder nur im niedergelassenen Bereich?

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            #6
            Aloha Hustinettenbaer,
            die SPA im NLG, die >8000 mV sein sollten, liegen bei mir bei 1300mV und 1600mV. Ich fühle, dass mir manchmal mein Bein wegsackt, oder etwas aus der Hand fällt, obwohl ich es in gewohnter Manier ganz normal gefasst und gehalten habe. Wenn ich das Katzenklo sauber mache und mich dabei bücken muss, hab ich Schwierigkeiten wieder ‘hoch’ zu kommen - meine Statur ist glaube ich auch recht normal mit 182cm und 87kg. Ich weiß nicht, ob das schon als Muskelschwäche gilt. Der Neurodiagnostiker hat angesprochen, dass die SPA, die deutlich unter dem Normwert liegen, auf eine Muskelschwäche hindeuten.

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              #7
              Typisch wäre eine rasche muskuläre Ermüdung bei wiederholenden Handlungen. Den Simpson Test kann man auch selber durchführen, wobei ein negatives Ergebnis auch noch endgültiger Ausschlussgrund ist. Last but not least sollte eigentlich eine repetitive Stimulation im EMG Aufschluss über eine Myasthenie geben.

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                #8
                Hustinettenbaer Danke für den Tipp - probiere ich aus.
                Ich weiß jetzt nicht, ob das bei dem EMG allg. gemacht wurde oder nicht. Das ENG/EMG wurde mit der Fragestellung “Faszikulationen unklarer Genese” angefordert. Dementsprechend weiß ich nicht, ob der Dok da den allgemeinem Überblick behalten hat oder sich auf Faszikulationen konzentriert hat. Diese konnten, by the way, während der Untersuchung nicht beobachtet werden.
                Erst danach entstand die frage der MG. Für eine kurze Zeit fragte der Radiologe (den ich um zweitbegutachtung der Bilder privat bat), dass er bei den Symptomen an MS denkt, aber eben keine Läsionen sieht, womit es damit ja vom Tisch wäre. Auch der HNO hat wegen MS gefragt - aufgrund der Schluckbeschwerden. Der Neurologe hat darauf MG testen wollen.

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                  #9
                  Bei einem allgemeinen EMG wird üblicherweise die repetitive Stimulation nicht gemacht, nur wenn gezielt bzgl Myasthenie gesucht wird. Zumindest war's bei mir so.

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                    #10
                    Eine deutliche Reduktion der Nervenleitgeschwindigkeit schliesst eine ALS so gut wie aus. Bei ALS ist die Nervenleitgeschwindigkeit (wenn überhaupt) nur geringfügig reduziert.

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                      #11
                      Die Geschwindigkeit ist nicht reduziert Marillian es ist dieses SPA, was wohl die Intensität ist, mit welcher das Potenzial an den Muskel weitergeleitet wird (mein Latein ist da aber eher beschränkt ) - Aber der Kommentar vom Dok, dass es keine Vorderhornerkrankung gibt, spricht eindeutig gegen ALS.

                      Eig. Dürfte es bei MG auch keine Schmerzen geben, soweit ich weiß. Meine sind aber schon unangenehm. Punktuell im oberen Teil des Unterarms, sowie im linken Bein. Auch fällt mir auf, dass mein linker Arm sich am wohlsten auf Brusthöhe fühlt - also da fixiert ist - wenn mir das auffällt, versuche ich es diesen wieder in die ‘normale hängende’ Position zu verlagern - die grenze zwischen, was geschieht aus psychogenen gründen und was ist physiologisch echt schmal.
                      Zuletzt geändert von LeopoldsWeg; 23.08.2024, 20:40.

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                        #12
                        Jetzt nochmal einen Blick in die Ergebnisse geworfen und mit Referenzwerten diverser Labore verglichen. Wenn ich das richtig verstehe, sind die AchR-AK weder negativ noch positiv, da es für negativ unter 0,2 sein müsste und für pathologisch über >0,4. Serumanalyse wurde das die Hämatologie der MUW durchgeführt.
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                          #13
                          Zitat von LeopoldsWeg Beitrag anzeigen
                          Jetzt nochmal einen Blick in die Ergebnisse geworfen und mit Referenzwerten diverser Labore verglichen. Wenn ich das richtig verstehe, sind die AchR-AK weder negativ noch positiv, da es für negativ unter 0,2 sein müsste und für pathologisch über >0,4. Serumanalyse wurde das die Hämatologie der MUW durchgeführt.
                          Ich glaube beim AchR gibt es kein <0.2
                          Mich hat das damals auch verwirrt und mir wurde bestätigt, dass das einfach negativ bedeutet.

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                            #14
                            Hast du schon den Simpson Test probiert?

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                              #15
                              Zitat von Hustinettenbaer Beitrag anzeigen

                              Ich glaube beim AchR gibt es kein <0.2
                              Mich hat das damals auch verwirrt und mir wurde bestätigt, dass das einfach negativ bedeutet.
                              Das heißt, dass Du auch <0,4 hattest ? Hm - ich dachte, dass es nichts ganzes und nichts halbes wäre und damit auf die seronegative hinweisen könnte.
                              Ja, vorhin gemacht - mein rechtes Auge, hing etwas - aber nicht so, wie es auf den Bildern ist, wenn man nach Ptosis sucht. Dafür konnte ich mit Finger hin und her schieben doppelbilder provozieren. Zu meiner Überraschung nur links. Weder rechts, noch oben oder unten. Nur Links. Mehrmaliges wiederholen und es kommt langsam zum Vorschein.

                              edit: Das macht die Augen unglaublich müde es fühlt sich jetzt noch (30 min später) immer noch wirr an.
                              Zuletzt geändert von LeopoldsWeg; 26.08.2024, 23:05.

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