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Endlich eine Diagnose nach drei Jahren Arztbesuchen

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    Endlich eine Diagnose nach drei Jahren Arztbesuchen

    Ich lese hier seit einigen Jahren interessiert mit, habe aber noch nie was gepostet. Ich war in anderen Foren aktiv. Mir ging es wie den meisten hier - Unklare neurologische Symptome und trotz Untersuchungen keine Diagnose.

    Um es vorwegzunehmen: Inzwischen habe ich eine Diagnose und bin mir sicher, dass einige hier das Gleiche haben. Daher will ich mal meine Geschichte erzählen in der Hoffnung, dass es vielleicht dem einen oder anderen hilft.

    Vor drei Jahren begannen die neurologischen Symptome, zunächst ganz sacht mit Ziehen im Bein, dann kam Kribbeln dazu, dann die Hände und dann begann das Muskelzucken. Vornehmlich Beine, aber auch am ganzen Körper.
    Wie die meisten fing ich an zu googlen und war sofort bei ALS. Angst, Panik, Sorge. Diverse Neurologen untersuchten mich mit den üblichen Standardtests (ENG, EMG, klinische Untersuchung), die alle o.B. waren und diagnostizierten schließlich BFS (Benignes Faszikulationsyndrom), was nicht anderes ist als ein Begriff für "Ich weiß nicht was Sie haben". Letztlich sei es psychosomatisch und ich solle Stress vermeiden.

    Ich begann intensiv über BFS zu recherchieren vor allem im amerikanischen Sprachraum und fand die Web-site "about BFS". Da waren hunderte von Leuten mit mehr oder weniger derselben unklaren Symptomatik und so gut wie keinen klinische Auffälligkeiten.

    Ich beließ es zunächst dabei und hoffte auf Besserung. Die kam aber nicht. Ganz im Gegenteil. Nach einem Jahr wurde es schlimmer. Bei geringsten Belastungen fingen die Muskeln wie verrückt an zu zittern. Ein Zahnradphänomen stellte sich ein und die Beine fühlten sich an wie Pudding. Es war schwierig, den Alltag zu bewältigen und verbrachte viel Zeit im Liegen, vor allem als dann auch noch Gesäßschmerzen dazukamen, für die ebenfalls keine Ursache gefunden werden konnte.

    Mir war klar, dass die Neurologen mir nicht weiterhelfen würden. Also fing ich gründlich an zu recherchieren und informierte mich über alle neurologischen Erkrankungen, die in Farge kommen könnten. Irgendwann stieß ich auf Small Fiber Neuropathie. Aber irgendwie schien auch sie nicht zu passen. Ständig hieß es, die Krankheit gehe mit starken Brennschmerzen einher, die ich ja nicht hatte.
    Aber ich gab nicht auf, sondern forschte weiter im amerikanischen Sprachraum. Dort stieß ich endlich auf Informationen, die mir weiterhalfen. Es gibt nämlich auch eine untypische Small-Fiber-Neuropathie, die wenig bis keine Schmerzen verursacht, dafür aber einen Haufen anderer Symptome (vor allem Muskelzucken, gefühlte Schwäche, Zittern, Hauterscheinungen usw.).
    Ich brauchte eine Hautbiopsie und einen QST Test, um meinen Verdacht zu erhärten. Aber die Neuros, die ich wieder aufsuchte, wollten davon nicht wissen, alles Unsinn, meine Symptome passen nicht und von einer atypischen SFN hätten sie noch nie gehört.
    Ich fing also an, alles (weit über 200 Veröffentlichungen und Fachbeiträge) über SFN zu lesen und wurde so zum Experten. Damit bewaffnet fand ich eine Neurologin, die bereit war, meinen Verdacht ernst zu nehmen. Die überwies mich dann nach Aachen mit Verdacht auf SFN. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich landete schließlich in einer Studie über SFN, bekam die gesamte Diagnostik und letztlich wurde die Diagnose dann gestellt. Endlich, nach drei Jahren des Herumirrens wusste ich, was ich habe. Heilbar ist die Krankheit in den meisten Fällen nicht, es sein denn, es wird eine behandelbare Ursache gefunden, was bei mir nicht der Fall ist. Sie kann lediglich symptomatisch behandelt werden.

    Dennoch geht es mir heute wesentlich besser, aber das ist ein anderer Post.​

    #2
    Vielleicht noch ein paar erklärende Worte zur Small Fiber Neuropathie. Sie ist eine Erkrankung der dünn myelenisierten bzw. nicht myelensierten C-Fasern und A-Delta Fasern. Diese Fasern sitzen vor allem im oberen Gewebe (Haut) und sind für die Weiterleitung von sensorischen Reizen verantwortlich, wie Schmerz, Temperatur und Druck. Wenn ein Auslöser (und davon gibt es ganz viele) diese Fasern zerstört, kommt es in der Folge zu +reizen oder -Reizen oder beides. d.h., es wird Schmerz empfunden, obwohl kein Auslöser da ist, bzw Temperatur wird falsch oder gar nicht wahrgenommen - es gibt zahlreiche sensorische Symptome. Dies betrifft vor allem die typische SFN.

    Leider sitzen die small fibers auch an allen Organen und Muskeln und sind für die Mikrogefäßregulation zuständig.Wenn die nicht mehr richtig funktioniert, kommt es zu allen möglichen Muskelbeschwerden wie Muskelzucken, Muskelzittern, gefühlte Schwäche, Belastungsintoleranz.
    Darüberhinaus können Magenbeschwerden, Darmprobleme, Blasenprobleme, Probleme mit der Atmung, Blutdruck, Schwindel und Schluckbeschwerden auftreten. Überall da, wo das autonome Nervensystem seine Finger im Spiel hat, kann es Probleme geben.

    Das gemeine an der SFN ist, dass sie in den Standarduntersuchungen der Neurologen nicht gefunden werden kann, da ENG, EMG, SEP, klinische Untersuchung, Reflexstatus, Blutbild usw. unauffällig sind, zumindest bei der reinen SFN. Da die Neurologen diese Krankheit nicht auf dem Schirm haben und auch so gut wie keine Kompetenz diesbezüglich haben, endet der Besuch beim Neuro immer in einer mehr oder weniger psychosomatischen Diagnose.

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      #3
      Diagnostiziert werden kann die SFN nur über eine Messung der intraepidermalennervenfaserdichte (IENFD) über Hautbiopsie. Nur wenige Kliniken können das. Darüberhinaus wierden auch eine quantitative sensorische Testung, ein Sudoscan, QSART und ein Schellong Test empfohlen, um die Diagnose zu sichern.

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        #4
        Hallo Kadan
        Erst mal Glückwunsch zu deiner Diagnose (wenn man das so sagen kann/darf.) Auch wenn es sch... ist aber nach einer Odyssee geht es einem sicherlich schon besser, wenn man wenigstens mal einen Namen für alles hat....
        Zudem Danke für deinen auaführlichen Beitrag. Ich hätte da eine Frage, du schreibst in normalen Untersuchungen SSEP, NLG usw. sieht man nix... Ist das immer so? Denn bei mir wurde nun im SSEP auf der linken Seite was gefunden, also Schädigung der sensiblen Nerven links vom Arm aus gemacht... Die HWS habe ich untersucht, kein Bandscheibenvorfall oder sonstiges... Nun Kopfgelenke untersucht, schlaffe Bänder Rotation Kopf... Ein Sudoscan hatte ich auch bereits, das war auch in der Norm... Schellongtest auch gemacht, sehr auffällig (kannst vielleicht mal in meinem Thema lesen)... Weiss nicht ob das trotzdem unter anderem SFN sein könnte, der Neurologe im KH sagt nein, da Sudoscan negativ ist usw. Und er möchte auch keine Hautbiopsie durchführen, da für ihn klar ist, dass es keine SFN ist...

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          #5
          Die Aussage deines Neurologen zeigt, wie wenig Ahnung er von SFN hat. Aber das ist nicht verwunderlich. Der Sudoscan hat ganz wenig Aussagekraft. Bei mir ist er auch negativ, obwohl ich SFN habe. Man kommt nicht an der Hautbiopsie vorbei, da diese die größte Aussagekraft hat. Eine Schädigung der großen Nerven spricht nicht direkt gegen SFN. Bei vielen SFN Patienten greift die Schädigung auf die großen Nerven über, wenn der Auslöser nicht gestoppt werden kann. Ein auffälliger Schellong Test ist schon ein Indiz, dass man ernst nehmen sollte. Sollte dafür kein anderer Grund bestehen, hieße das, dass die small fibers die Gefäße nicht mehr regulieren können. Es besteht dann eine größere Gefahr für einen Herzinfarkt.

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            #6
            Ok schaue dass ich irgendwie zu der Hautbiopsie komme... Hattest du auch nen positiven Schellongtest? Und deine Zuckungen am ganzen Körper auch sichtbar? Bei mir bewegt sich sogar der Daumen von alleine, also dann zuckt der ganze Daumen rauf und runter...
            bei mir besteht noch Verdacht auf EDS... Aber muss genetisch abgeklärt werden...

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              #7
              Mein Schellong Test war negativ. DIe Zuckungen waren sowas von sichtbar. EDS ist auch ein potentieller Auslöser von SFN.

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                #8
                Hallo kadan


                Vielen Dank für deinen sehr interessanten Beitrag, schön dass du endlich eine Diagnose hast.
                Mich würden deine Symptome, die du als Zahnradphänomen bzw Muskelzittern beschreibst, interessieren. Bei welchen Muskeln und Bewegungen hat sich das bei dir geäußert? Ist es plötzlich gekommen oder langsam?
                Ich frage deshalb, weil ich seit ca 6 Monaten ähnliche Symptome habe. Schultern, Nacken und Arme bewegen sich "unrund", rattern/zittern bei Bewegungen. Faszikulationen hatte ich vor Monaten häufig, sind aber zuletzt weniger und kaum mehr spürbar. Geringere Belastbarkeit merke ich ebenfalls bei Sport o.ä., belastet meinen Alltag aber nicht.
                Hast du etwas unternommen, wodurch es dir besser gegangen ist?

                Liebe Grüße

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                  #9
                  Hallo Hustinettenbaer

                  Das Zahnradphänomen habe ich beim Strecken der Arme und bei der Rumpfbeuge. Die Bewegung ist nicht flüssig, sondern abgehackt, allerdings nur aktiv. Bei passiver Streckung o. Beugung tritt es nicht auf. Dennoch wurde ich auf Parkinson getestet mittels DAT-Scan (war aber negativ).
                  Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das Zahnradphänomen in dem Moment auftrat, als ich vorher starkes Muskelzittern hatte. In den Armen nach Bizepscurls mit relativ leichten Gewicht fingen meine Armmuskel stark an zu zittern, mindestens eine halbe Stunde lang. Danach hatte ich das Zahnradphänomen bis heute.
                  Dasselbe gilt für die Rumpfbeuge. Nach einem Spaziergang von 3 km, fingen die Beine an, ganz fürchterlich zu zittern - mindesten 15 min. Danach Zahnradpänomen. Also ich brauchte in dem Sinne nicht mal Sport, um an die Belastungstoleranz zu kommen. Jener Spaziergang reichte. Zu dem was ich unternommen habe, schreibe ich noch.

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                    #10
                    Hier mal ein paar Worte zu den Maßnahmen, die ich unternommen habe, damit es mir besser geht.

                    Wie ich ja schon schrieb, läßt sich die SFN nicht heilen, sofern man nicht den Auslöser ausschaltet. Dies ist aber nur in den wenigsten Fällen möglich. Das positive ist, dass sich die Small Fibers im Gegensatz zu den large Fibers ein Leben lang regenerieren. Von daher ist Heilung oder zumindest signifikante Besserung theoretisch möglich.

                    Die Leitlinien zur Behandlung von SFN umfassen in erster Linie die Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin, in zweiter Linie Antidepressiva wie Amytriptilin oder Duloxetin und in dritter Linie die Opoide. Es gibt noch eine Reihe weiterer Optionen wie Canabis, Capsaicin u.a.

                    Ich habe mich nach Rücksprache mit meinem Schmerztherapeuten für eine Kombination aus Duloxetin und Tilidin entschieden. Das Tilidin half sofort ein wenig für die Schmerzen, vom Duloxetin merkte ich zunächst nichts.

                    Zusätzlich nehme ich seit einem Jahr eine Kombination aus NEMs, welche die Mitochondrienfunktion stärken soll. Dies basiert auf einer Theorie, nach der alle chronischen Krankheiten in den Mitochondrien beginnen. Diese Theorie verspricht keine Heilung oder Besserung. Es ist lediglich eine Chance, etwas Besserung zu erreichen. Sehr kontroverses Thema.

                    Zusätzlich habe ich hohe Dosen von Vitamin B12 zu mir genommen, obwohl kein nachgewiesener Mangel vorlag. Das Vitamin B12 wurde bei mir mehrmals getestet und ich hatte immer einen relativ niedrigen Serumwert (ca. 260), wobei der Serumwert ein sehr unzuverlässiger Marker ist. Mein Holo-TC lag hingegen bei 87, was einen Mangel klar ausschließt. Holo-TC ist sehr verlässlich in Bezug auf Vitamin B12-Speicher. Dann wurde allerdings Metylmalonsäure getestet, ebenfalls relativ zuverlässig, und ich hatte einen grenzwertig hohen Wert. Daher begann ich zu supplementieren mit 500 ug/Tag.

                    Jedenfalls ging es mir nach der Einnahme dieser Mittel etwa 8 Wochen nach Beginn deutlich besser, von Tag zu Tag mehr. Heute habe ich nur 20% meiner ursprünglichen Symptomatik.

                    Was letztlich geholfen hat, lässt sich leider nicht sagen.

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                      #11
                      Hallo kadan


                      Hast du das Zahnradphänomen in beiden Armen und auch bei Beugung in beide Richtungen? Bei mir ist es nämlich links stärker als rechts und interessanterweise auch fast nur bei Streckbewegung. Passiv läuft ebenfalls alles rund.
                      Geht das Zittern der Muskeln, zb Rumpf, bei dir mit Schwäche einher? Wo hast/hattest du Schmerzen?
                      Eine Alternativmedizinerin hat mir auch eine Schwächung der Mitochondrien bescheinigt. Ich nehme seit ein paar Wochen NEMs gegen oxidativen Stress und B-Vitamine, eine Verringerung der Symptome kann ich (noch) nicht wirklich feststellen. Es wurde aber auch nicht schlechter.

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                        #12
                        Ich habe das Zahnradpänomen in beiden Armen gleichstark und nur bei Streckung, nicht bei Beugung. Beide Richtungen verstehe ich nicht. Man kann den Arm nur in eine Richtung beugen.
                        Das Zittern der Muskel entsteht oder besser entstand bei Belastung. Die gefühlte Schwäche ist auch bei nicht Belastung. Beine fühlten sich an wie Pudding. bei Belastung wurde das Gefühl stärker. Also nach 1 -2 bis Treppen fühlte ich mich wie nach 5-6 Treppen in den Muskeln.
                        Nach ein paar Wochen kannst du keine Besserung erwarten. Frühestens nach 6 Monaten.

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                          #13
                          Sorry, ich meinte auch bei mir nur bei Streckung und nicht bei Beugung.
                          Ist das ganze bei dir plötzlich oder schleichend aufgetreten?

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                            #14
                            Plötzlich, wie schon gesagt, direkt nach einer Belastung, die mit Muskelzittern einherging

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                              #15
                              Können auch Lähmungen, spastische Bewegung und Sprechstörungen vorkommen?

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