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Probleme beim Autofahren

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    #46
    Hallo Lizzy,

    eine Faustregel ist wohl: mit steigender Schwere der Erkrankung nimmt die Abhängigkeit von externen Institutionen oder/und anderen Menschen zu.
    Das ist für den Erkrankten schon dahingehend niederschlagend, als dass für ihn offensichtlich Abhängigkeiten nicht gesuchter oder gewollter Art bestehen. Die Dynamik dieser Abhängigkeiten ist dann nochmal gesondert niederschlagend und mitunter regelrecht deprimierend. Es wird eben häufig gleich die ganze Existenzweise in Frage gestellt und damit natürlich auch die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz.

    Vor diesem Problemberg stehen hier viele und ich mitunter auch. Mein Handhabung des Problembergs ist allerdings aufgrund meines Berufes (Logopäde) zumindest geschult problembergstrukturierend. In meinem Beruf kommen manchmal ganze Problemgebirge auf mich zu, die ich mit dem Menschen, der zu mir gekommen ist, erstmal sichten muss, um sehen zu können, wo es den hingehen soll.
    Irgendwie kommt auch noch ein persönliches Interesse an Problembergen anderer Menschen hinzu, was ich mir selber nicht wirklich erklären kann. Vielleicht lässt sich so mein eigener Problemberg verhügeln.

    Mein Umgang mit meinem Problemberg ist allerdings häufig genauso rat- und hilflos wie bei anderen Menschen. Vielleicht liegt das an der mangelnden Distanz, die man zu sich selbst hat. Im Hirn; das limbische System funktioniert bei mir ganz prächtig in Bezug auf Behörden zB., verspüre ich in voller Ausfüllung, wenn ich mit denen in Kontakt stehe, prinzipiell erst Wut und dann Hilflosigkeit. Beides bringt mich im Umgang mit Behörden nicht wirklich weiter. Deshalb habe ich es mir zur Regel gemacht, mein Anliegen einige Tage vor dem Behördenkontakten möglichst genau und "sachbezogen" (Behördenstil) zu beschreiben und nach dem Behördenkontakt mindestens drei Tage gar nicht zu reagieren, weil ich mich erstmal entwüten muss.

    Wenn es um konkrete Vorgaben geht, wie bei euch mit den Autos, dann steht man als Betroffener immer blöd da. Das gleicht dann häufig einer Entmündigung. Solche Entmündigungen schreibt zB. der MDK in Bezug auf Hilfsmittel nicht selten und der Bezug auf irgendwelche Normwerte im Autoverkehr, die zu Lasten eines Verkehrsteilnehmers ausgelegt werden, weil er eine körperliche Einschränkung aufweist, die mit seinem Verhalten der Verkehrssicherheit erstmal überhaupt nicht in Zusammenhang zu bringen ist, regt mich schon sehr auf. Schließlich wird die Verkehrsicherheit in der Regel von denen gefährdet, die alle Normwerte für Verkehrssicherheit erfüllen. Ich könnte mich jetzt schon wieder richtig aufregen. Meinungen von Gutachtern sind eben, sofern sie sich auf irgendwelche "Normwerte" beziehen, häufig nicht Richtlinien mit Interpretationsspielräumen, wie sie eigentlich gedacht sind, sondern eher Entmündigungsparameter für machtgeile Menschen.

    Im Umgang mit Abhängigkeiten bin ich genau wie viele andere auf Hilfe angewiesen, die mich strukturiert und bei der Sache bleiben lässt. Ansonsten verliere ich den Überblick und kann nicht mehr adäquat reagieren. Ist aber ganz normal, weil Abhängigkeit immer mit starken Gefühlen zu tun hat. Für seine Gefühle diesbezüglich besteht kein Grund, sich zu verurteilen. Schließlich werden sie zum großen Teil gemacht, in dem man als Mensch mit einer Beeinträchtigung zu einem Menschen mit einer Behinderung gemacht wird. Behinderung ist eben ein sozialer Begriff, der unsere Abhängigkeit von sozialen Normen oder Willkürlichkeiten ausspricht.

    Deine Frage ist aus meiner Perspektive also nicht wirklich gewinnbringend zu beantworten. Ich versuche den Umgang mit zB Behörden weitestgehen zu vermeiden. Irgendwann geht das aber nicht mehr und dann kommt es unausweichlich zu einer mit Barrieren vollgestopften Ochsentour, auf der Kranksein jedesmal zur Behinderung wird und auf der sehr schnell soetwas wie zB Minderwertigkeitsgefühle entstehen können. Wenn ich dann ganz klein bin, sage ich auch nur noch ja zu allem, hauptsache die Peinlichkeit hat schnell ein Ende.
    Deshalb ist aus meiner Perspektive generell ein Zweifel angebracht, was meine von außen eingeforderte Ausrichtung an Normwerten oder Gesetzen angeht. Es geht immer um die Auslegung dieser Richtlinien und damit um die Art und Weise, wie jemand aufgrund dieser Auslegung sein darf. Und ich will mir die Auslegungshoheit über meine Art und Weise zu sein nicht nehmen lassen. Sie ist ja schließlich gesetzlich als Recht auf Selbstbestimmung verbürgt.

    Viel Text, aber auch eine komplizierte Frage. Es spielt so viel da mit rein, wie man mit Abhängigkeiten ungewollter Art umgeht.

    Liebe Grüße
    Guido

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      #47
      Guten Morgen Guido...

      ...wow, was für eine lange Antwort;-)
      zuerst einmal bringst Du mich immer zum Schmunzeln, weil Du meinen Namen mit ZZ schreibst und das errinnert mich an ZZtop
      Aber jetzt zu Deiner Mail:
      Ich bin immer wieder überrascht, denn Du schaffst es wortgewand und klug genau die Gefühle ANDERER zu transportieren und zu vermitteln!Mir scheint es dann so, daß ich es besser verstehe -und die Sicht eines "eingeschränkten" Menschen besser nachvollziehen kann und dafür bin ich Dir sehr dankbar!
      Allerdings so fein und präzise Du auch mit Wörtern umgehst, so wundert es mich doch, wie geschickt Du um "persönliche" Dinge herumschiffst;-)
      Ich verstehe genau was Du meinst, wenn Du sagst, daß Du souverän sein kannst, wenn Du Dich im Beruf um Belange Anderer kümmern mußt!Mir geht es nicht anders, denn man setzt sich für die Intressen Anderer ein!So "klein" ich mich manchmal auch fühle, wenn ich mich um meinen Freund oder seine Belange kümmern muß, dann wachse ich(manchmal auch über mich hinaus) und ich habe diesen kurzen Augenblick das Gefühl mich NICHT mit mir selbst beschäftigen und auseinandersetzten zu müssen...Geht es Dir manchmal auch so???
      Auch ich habe mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen und es strengt manchmal an, sie nicht durchkommen zu lassen, vorallem dann wenn solche Dinge wie mit dem Auto passieren, oder man sieht, daß es mit der Kraft(für alle möglichen Dinge) immer schwerer geht!
      Wir "kämpfen" mit ganz unterschiedlichen Gefühlen und doch sind sie auf solche andere Weise so so so so dominant und beängstigend und raumgreifend, daß man sie förmlich spürt!
      Und dann sehe ich in das lachende Gesicht meines Freundes, voller Wärme und Zuneigung und wir schaffen es jeden Tag neu, DIESE Angst wegzuschieben, aber sie lauert und wir müssen immer darauf gefasst sein, daß sie einen von hinten anspringt!
      Ich kann mir nur vorstellen, daß es bei Dir auch nicht anders ist, oder?Wer steht dir denn bei, wenn solche Behördengeschichten vor der Tür stehen?So richtig geantwortet hast Du auf die Autofahrgeschichte nicht;-)- vielleicht kannst du das noch nachholen(wenn du magst)
      Ich wünsche Dir ein tolles Wochenende-ohne Streß!
      Lg LiSSy

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        #48
        Hallo Liszy,

        Verzeihung. Ich habe offensichtlich eine Tendenz, ein X für ein U sehen zu können. Kürzlich habe ich es sogar geschafft, in voller Überzeugung ein Alster zu trinken, obwohl es eine Apfelsaftschorle war. Nun ja, wir sehen eben, was wir sehen wollen, oder moderner ausgedrückt: was wir erleben, erzeugen wir selbst.

        Kürzlich musste ich mit einem Ersatzwagen fahren, weil mein Auto in der Werkstatt war. Bei dem Ersatzwagen viel mir laufend der rechte Fuß vom Pedal, was insbesondere für das Gasgeben blöd war. Der Grund für dieses "FußfallvomPedal"- Verhalten lag ganz simpel darin, dass der Sitz des Ersatzwagens niedriger im Auto lag, als bei meinem Auto und meine Bein- und Fußgelenke deshalb einen Winkel einnehmen mussten, indem mein Fuß nicht genügend Kraft aufbauen kann, um sich am Pedal zu halten. Saublöd.

        Durch die konkreten Situationen muss sich jeder so durchwurschteln, wie es eben geht. In dem oben beschriebenen Fall habe ich das Problem durch bestimmte Verkantungen meiner Beine und meines Körpers im Autoraum gelöst- frage mich jetzt aber nicht, wie das genau aussah: vermutlich einfach albern, aber wenn es hilft. Ich war jedenfalls sehr froh, als ich wieder in meinen schönen Silberklotz steigen durfte, mit erhöhter Sitzlage und den passenden Winkeln für meine Füße.

        Wie mache ich das mit dem Fahren? Die Frage ist in einer unendlichen Detailhaftigkeit beantwortbar. Grundvoraussetzung ist aber: Bei A in das Auto einsteigen in dem Bewusstsein, dass man sicher bei B ankommt. Anders geht es bei keinem. Hier stellt sich aber wieder die Frage mit dem X und dem U.
        Ich fahre also so: wenn A = X dann B = X und U... egal.

        Liebe Grüße
        Guido

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          #49
          Guten Morgen Guido...

          ...vielen Dank, ich habe herzlich gelacht, als ich das mit dem Alster/Apfelsaftschorle gelesen habe
          Wenn mein Freund das gelesen hätte, hätte er wahrscheinlich gefragt, ob ICH das geschrieben habe???
          Ich neige auch dazu Gesagtes/Empfundenes voller Inbrust und Hingabe zu glauben, zu verteidigen und zu fühlen!
          Das mag für "Außenstehende" etwas komisch wirken, aber das ist mir eigentlich ziemlich egal!
          Danke, daß Du dieses Thema nochmal aufgegriffen hast und so ehrlich beschrieben hast, wie es bei Dir mit dem Autofahren geht bzw. nicht geht!Die Sache ist doch die, daß die Einschätzung was man kann/ bzw. nicht "mehr" kann nicht objektiv ist, da sie einen SELBST betrifft und da ist die Wahrnehmung ganz anders!Mein Freund hatte schon vorher gemerkt, daß das Autofahren für Ihn immer anstrengender wird, er hätte es aber so nicht einfach gelassen, sondern hat sich einen unabhängigem Gutachter zur Hilfe geholt!Die Konsequenz sehen/erleben wir jetzt, aber ich bin froh über seine Entscheidung - auch wenn das ein ziemlicher Aufwand ist, jetzt wieder mobil zu werden(vorallem finanziell)!
          Jeder ist für sich sebst verantwortlich, aber hat auch eine gewisse Sorgfaltspflicht gegenüber Anderen!Ich frage mich, ob man die Sitution wirklich einschätzen kann???Ist man in der Lage, auch wenn man mit dem Fuß vom Gaspedal abrutscht rechtzeitig und schnell genug zu bremsen und niemanden zu gefährden???Oder könnte es sein, daß man sich so so so sehr wünscht flexibel, uneingeschränkt und selbstständig zu bleiben, daß man über solche(berechtigten) Zweifel erhaben ist?
          Du hattest Recht mit dem Geschriebenen, als Du meintest, daß auch Gefahren von ANDEREN ausgehen im Straßenverkehr, (die nicht gehandicapt sind) aber was bringt es einem, mit dem Finger auf Andere zu zeigen?
          Vielleicht findest Du es vermessen, daß so eine "NICHTBETROFFENE" diese Situation so kritisch beäugt und hinterfragt?
          Hoffe Du magst mir darauf antworten und ich habe Dich mit meiner Ehrlichkeit nicht vor den Kopf gestoßen!
          Ich wünsche Dir einen schönen Tag*lg Lissy*

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            #50
            Lieber Guido

            Du weisst ja, dass ich dich als Mensch sehr schätze, du kannst dich gut in andere einfühlen, findest immer die richtigen Worte, auch bei sehr schwierigen Themen...

            Aber:

            Du erzählst hier nicht mal die halbe Wahrheit, denn bei dir ist nicht nur eine Apfelsaftschorle ein Alster, du hast auch noch die Fähigkeit, mit voller Überzeugung im Anschluss ein Alster als Pils zu trinken...

            ...und dann verliess ihn der Mut für weitere Kostproben..., Engländer haben`s da leichter, die bestellen einfach ein "Beer"... Aber man hilft ja, wo man kann...

            Ach ja, bevor ich`s vergesse, bist du auch schön fleissig am Lernen???

            Liebe Grüsse
            Sandra

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              #51
              Liebe Sandra,

              in diesem Thema geht es um Autos, vornehmlich um dein Auto, und nicht um die Wunscherfüllungsperfektion meiner Geschmacksknospen. Offensichtlich ist es doch so: in der Schweiz gibt es zwischen dem der was sagt und dem der zuhört klare Diskrepanzen. War ja auch bei Dir mit dem Auto so. Insofern ist es doch vollkommen normal, dass wenn ich in der Schweiz ein Pils bestelle ein Alster bekomme usw. Da ich gerne reise und mich um die Sitten der Einheimischen stets bemühe, war ich mir natürlich schon im Vorfeld über diesen Sachverhalt absolut im Klaren! Das ist doch auch mit einem landläufig bekannten Thema so: wenn man in der Schweiz Schwarzgeld anlegt, dann bekommt man ein Guthaben zurück.

              Hallo Lissy,

              eben, wer kann schon seine Situation richtig einschätzen und ich meine damit alle Menschen. Aber ob jetzt Tests, die objektive Aussagen erlauben, die Situation eines Menschen objektiv beschreiben, ist selbst in der Wissenschaft stark umstritten. Eigentlich wäre zu solchen Verfahren zu sagen, dass sie immer nur messbare Teilaspekte einer Situation unter experimentellen Bedingungen objektiv wiedergeben können. Die Auslegung solcher Tests auf Gesamtsituationen ist dann hochgerechnete Interpretation. Ob die dann noch objektiv ist, lässt sich in den meisten Fällen bezweifeln.

              So etwas wie Verantwortung lässt sich jetzt schlecht messen. Was natürlich gut ist, ist ein Blick von außen, zB die Beurteilung eines Bekannten oder so. Die ist natürlich genauso subjektiv wie meine Selbstbeurteilung und erlangt in ihrer Aussagekraft keine Objektivität. Aber durch diese Aussage kann ich mich an meine Situation anpassen, wenn denn Bedarf ist.
              Ich bin eben kein Freund von Fremdbestimmungen, vielleicht insofern auch ein schlechter Ratgeber bezüglich der Teilnahme am Straßenverkehr. Für mich ist die Selbstverantwortlichkeit vermutlich das zentrale Motiv meiner Handlungen und eigentlich auch die Change, die in meiner Erkrankung liegt.

              Liebe Grüße
              Guido

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