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    #76
    Es stimmt schon, dass es kaum etwas gibt, aber auch zwischen den neuropathischen Schmerzen gibt es noch Unterschiede, und manche sind noch etwas besser, und manche sehr schwer bis gar nicht zu behandeln.
    Ketamin ist das Medikament, was sich bisher noch am wirksamsten gezeigt hat, was natürlich nicht heißt, dass es immer hilft, zumindest nicht in der Standard-Dosis/Infusionstherapie.
    Neurostimulation funktioniert bei schweren Nervenschmerzen meist auch nicht, kann aber recht gut bei moderaten Schmerzen insb. im Beinbereich helfen, sofern die neurogene Inflammation nicht stark ausgeprägt ist. Opioide sind notorisch dafür bekannt bei schweren neuropathischen Schmerzen i.d.R. nichts zu machen bzw. diese sogar noch verstärken zu können - und da ist es ziemlich egal, ob sie oral eingenommen oder intrathekal gegeben werden. Ansonsten gibt es neben CBD/THC nur noch seltener bis selten eingesetzte Medikamente wie Lidocain, was erhebliche NW haben kann, in Einzelfällen zwar durchschlagend helfen kann, meist jedoch nicht, und Ziconotid, das in Einzelfällen recht vielversprechend war im Vergleich zu den üblichen Medikamenten, wofür es jedoch nur relativ wenig Erfahrung gibt und was nur intrathekal gegeben werden kann.
    Die üblichen Medis gegen neuropathische Schmerzen kann man dagegen allein oder auch in Kombination bei schweren neuropathischen Schmerzen vergessen und helfen allenfalls bei leichteren Schmerzen.
    Manchmal bringt noch eine Kombination aus verschiedenen Medis, zum Teil mit Medis, die den Sympathikotonus reduzieren wie Clonidin, noch etwas.

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      #77
      Zitat von letzte Frage Beitrag anzeigen


      Mit Schmerzen einer Dystrophie mag das schwerer vorstellbar sein, aber wenn man selber schonmal solche Schübe hat, dann weiß man ja schon, wie die Realität aussieht.
      Falls Du da auf mich anspielst: Wegen der Dystrophie habe ich keine Schmerzen. Nur bei Fehlbelastungen der Muskulatur, die man aber, in meinem Fall vermeiden kann.
      Das bei Nervenschmerzen nichts wirklich hilft habe ich schon erfahren. Hatte die aber, Gott sei Dank nur ca. 3 Tage.

      In Fällen, wie denen von PTZ kann der Schmerzarzt zumindest Versuchen etwas Linderung zu erreichen. Manchmal geht Das, manchmal nicht. Weg bekommt er die sicher nicht. Es gibt da einiege Möglichkeiten und Kombinationen, die man versuchen kann. Einfach nur irgendeins von den von Dir genannten Medis zu verabreichen funktioniertganz bestimmt nicht.

      "Dissoziation und Hypnose, wirkt, und das kann in DE fast keiner" Das Können des Therapeuten ist eine Sache, ob der Patient das umsetzen kann eine Andere. Daher wirkt das auch nicht immer.
      Sind aber Dinge, die man versuchen kann und Bestandteil einerTherapie sein können.

      Aber das Ganze so individuell und Komplex (auch noch unverstanden), dass das nicht mal eben mit ein paar Besuchen beim Schmerzarzt getan ist und wir erst recht nicht hier imForum eine Lösung finden werden, bestenfalls hat hier jemand eineneue Idee was man noch versuchen könnte.
      It's a terrible knowing what this world is about

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        #78
        Leichte bis moderate Nervenschmerzen kann man behandeln, insb in Kombi, aber starke, da hilft auch das Ketamin nicht und das weiß man, die Schmerzspitzen kann man höchstens versuchen zu vermeiden, Infekte meiden, Temperaturschwankungen meiden, usw (das kann nur der Arzt nicht). Aber der Schmerzarzt kann auch, wenn er alles max dosiert gibt, bei schweren neuropatischen Schmerzen, wohlgemerkt rede ich von Schmerzen wo man weder schreiben noch reden kann, genau gar nichts machen, da hilft nur Dissoziation und wie soll das ein Therapeut einen Patienten lernen, wenn er es selber nicht kann? Wenn man sich durch Keta dissoziert, dann mag das klappen, aber das ist eigentlich eine Nebenwirkung und die ganze Wirkung von Keta wird wohl eher der Dissoziation geschuldet sein, wenn es denn bei schweren wirkt, weniger dem NMDA Antagonismus, wie man das postuliert. Nur wird wohl kaum ein Arzt schreiben, Patient dissoziiert, Schmerzen weg. Dann wäre das Thema Keta gelaufen.

        Palliativ-Betreute Menschen mit schwersten Nervenschmerzen bekommen alles was es gibt und zwar in maximal zulässiger Dosis, zumindest die jungen, und auch das bringt nichts. Natürlich, bei moderaten Schmerzen, neuropatisch, kann man noch was machen, bei schweren jedoch nicht mehr. Allerdings lassen sich anderweitige schwerste Schmerzen auch kaum behandeln, Opioide sind auch total überschätzt, selbst bei den Schmerzarten, wo sie wirken.

        Chronische Schmerzen bekommt man btw nie weg, das war mal ein Slogen von den Opioiden, aber nichtmal mit denen klappte es. Aber man gewöhnt sich an ein gewisses Level mit der Zeit.

        Bislang ist es so. solange man so heftige Schmerzspitzen immer wieder hat, ist es wesentlich besser die Trigger zu suchen und zu vermeiden oder sich ins Koma zu buchsieren, das geht mit alten schweren Schlafmitteln, wenn diese nämlich die Intensität erreichen, die ich meine, hilft nichts. Das kann man ansonsten aushalten, aushalten lernen, oder aber die Dissoziation lernen, sofern nicht vermeidbar. Alles andere funkt da, ev bis auch ne Dissoziation von Keta, nicht.

        Zwischenzeitlich kann man moderate Nervenschmerzen natürlich reduzieren, das klappt durchaus bis zu einem Punkt, nur halt nicht mehr bei schweren, oder wenn es in diese Richtung färbt. Nur weil heute jeder meint er hätte schwere Schmerzen und das so angibt, meinen viele Ärzte sie würden schwere Schmerzen heilen können. Das sind aber eher die ambulanten, die mit wirklich schwer Kranken wenig zu tun haben. Das akzeptieren des Schmerzen hilft oft mehr, wie die Schmerzmittel.

        Zuletzt geändert von letzte Frage; 09.04.2019, 17:21.

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          #79
          Zitat von letzte Frage Beitrag anzeigen
          Leichte bis moderate Nervenschmerzen kann man behandeln, insb in Kombi, aber starke, da hilft auch das Ketamin nicht und das weiß man, die Schmerzspitzen kann man höchstens versuchen zu vermeiden, Infekte meiden, Temperaturschwankungen meiden, usw (das kann nur der Arzt nicht). Aber der Schmerzarzt kann auch, wenn er alles max dosiert gibt, bei schweren neuropatischen Schmerzen, wohlgemerkt rede ich von Schmerzen wo man weder schreiben noch reden kann, genau gar nichts machen, da hilft nur Dissoziation und wie soll das ein Therapeut einen Patienten lernen, wenn er es selber nicht kann? Wenn man sich durch Keta dissoziert, dann mag das klappen, aber das ist eigentlich eine Nebenwirkung und die ganze Wirkung von Keta wird wohl eher der Dissoziation geschuldet sein, wenn es denn bei schweren wirkt, weniger dem NMDA Antagonismus, wie man das postuliert. Nur wird wohl kaum ein Arzt schreiben, Patient dissoziiert, Schmerzen weg. Dann wäre das Thema Keta gelaufen.

          Palliativ-Betreute Menschen mit schwersten Nervenschmerzen bekommen alles was es gibt und zwar in maximal zulässiger Dosis, zumindest die jungen, und auch das bringt nichts. Natürlich, bei moderaten Schmerzen, neuropatisch, kann man noch was machen, bei schweren jedoch nicht mehr. Allerdings lassen sich anderweitige schwerste Schmerzen auch kaum behandeln, Opioide sind auch total überschätzt, selbst bei den Schmerzarten, wo sie wirken.

          Chronische Schmerzen bekommt man btw nie weg, das war mal ein Slogen von den Opioiden, aber nichtmal mit denen klappte es. Aber man gewöhnt sich an ein gewisses Level mit der Zeit.

          Bislang ist es so. solange man so heftige Schmerzspitzen immer wieder hat, ist es wesentlich besser die Trigger zu suchen und zu vermeiden oder sich ins Koma zu buchsieren, das geht mit alten schweren Schlafmitteln, wenn diese nämlich die Intensität erreichen, die ich meine, hilft nichts. Das kann man ansonsten aushalten, aushalten lernen, oder aber die Dissoziation lernen, sofern nicht vermeidbar. Alles andere funkt da, ev bis auch ne Dissoziation von Keta, nicht.

          Zwischenzeitlich kann man moderate Nervenschmerzen natürlich reduzieren, das klappt durchaus bis zu einem Punkt, nur halt nicht mehr bei schweren, oder wenn es in diese Richtung färbt. Nur weil heute jeder meint er hätte schwere Schmerzen und das so angibt, meinen viele Ärzte sie würden schwere Schmerzen heilen können. Das sind aber eher die ambulanten, die mit wirklich schwer Kranken wenig zu tun haben. Das akzeptieren des Schmerzen hilft oft mehr, wie die Schmerzmittel.
          Hör Bitte auf, Danke

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            #80
            Sorry, aber schwere Dauerschmerzen insb. neuropathischer Art kann man auf längere Sicht nicht akzeptieren (es sei dann, man ist ständig sediert).
            Bei mir kommt zudem im Rahmen der neurovaskulären Erkrankung noch ein anderer Aspekt hinzu: mit jedem schlimmen Anfall (der schmerztechnisch kaum auszuhalten ist), verstärkt sich sowohl die neurogene Inflammation wie die sekundäre Entzündungsrektion im Hautgewebe und damit die trophischen Störungen.
            Es ist also nicht nur ein reines Schmerzproblem.
            Zuletzt geändert von pelztier86; 09.04.2019, 19:24.

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              #81
              Also eins ist ganz klar: wenn das alles weiter so geht, wie bisher, dann werde ich in durchaus absehbarer Zeit nicht mehr gehen können.
              Und dann erübrigt sich auch der Erhalt der Füße/Unterschenkel aus meiner Sicht. Ganz zu schweigen davon, dass wenn ich mich um die nicht mehr jeden Tag kümmern kann, die neurovaskuläre Erkrankung und damit die neuropathischen Schmerzen dann wahrscheinlich sowieso ganz extrem werden werden.

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                #82
                Sorry LF, aber ich glaube nicht, dass Du weißt nicht was anhaltende neuropathische Schmerzen sind. Deine lustigen Brüllschmerzen sind damit sicher nicht gemeint.
                Und mit Dissoziation wirst Du dabei nicht weit kommen.
                It's a terrible knowing what this world is about

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                  #83
                  Mein Opa hatte eine schwere Neuropathie (auch mein Vater, nur nicht so extrem), und auch Durchblutungsstörungen die in offenen Wunden endenten (amputieren war aber nicht mehr möglich), Füße extrem geschwollen, blau und dauernd Eiter und Blut. Er hatte auch oft gemeint er könnte die Schmerzen nicht akzeptieren, und war bei den besten Ärzten die es bei uns gibt (bis zu 600€ pro Stunde) ich weiß nicht genau was er alles bekommen hat, aber auch spezielle Medikamente aus den USA, jedenfalls alles was es damals (4 oder 5 Jahre her) bei uns in Österreich gab bzw auch bei den Amis (damals wurde extra für in importiert). Er hatte sich über mehrere Jahre, er hatte das sehr lange, daran gewöhnt. Bis zu den heftigen Krebsknochenschmerzen, da war dann alles vorbei.

                  Brüllschmerzen sind nie lustig und schwere neuropatische Schmerzen sind auch nicht mit "Zahnarztschmerzen" gleichzusetzen. Wenn man beim Zahnarzt schon schreit, mögen Brüllschmerzen lustig sein. Normal sind sie es aber nie. Sollte man sich in diesem Level bewegen, kann man sicher noch einiges machen. Wenn man die Schmerzen selber nicht erlebt, kann man das nur nicht einschätzen.

                  Ob bei meinem Opa eine frühzeitige Amputation sinnvoll gewesen wäre, denke ich schon, meinten auch die Ärzte nachdem es nicht mehr ging, da er ja die Füße nicht mehr bewegen konnte. Das hatte ich schon angeführte und genau darum muss man eben, solange Wundheilmäßig diese Option offen steht (wielange dies möglich ist, können nur die Ärzte ebschätzen), hier bilanzieren. Meinem Opa hat man übrigens auch immer wieder gesagt, man bekommt die Schmerzen schon hin und man müsse ja nicht amputieren, bis man dann nicht mehr amputieren konnte, und aber die Schmerzen auch nicht besser wurden, obwohl er 20 oder 30 Tabletten am Tag schluckte. Und, dass das kein Einzelfall ist, weiß ich, weil ich 1 Jahr im KH Zivi gemacht habe.

                  Eine richtige Dissoziation entkoppelte einem vom Schmerz, dazu gibt es sehr viele Erfahrungsberichte von Junyks, besonders von Ketamin. Ketamin hat aber, über Jahre hinweg, wenn man es so hoch dosiert, üble NW. (Die MRTs will man nicht sehen, da löst es Löcher ins Gehirn).

                  Ich denke auch, dass bei dir PZT noch einiges gemacht werden sollte, aber die Wundheilung sollte man immer bedenken bzgl der letzten Option (wobei ich da jetzt noch keine große Gefahr gesehen habe, aber die Hoffnung die immer wieder zerschlagen wird erzeugt ja auch noch psychischen Schmerz, neben dem physischen, darauf wollte ich jetzt primär hinaus), gleichzeitig ist aber gerade nach einem akuten Infekt eine nüchterne Einschätzung der Schmerzlage schwer. (Nicht nur psychisch, sondern weil auch jedwede Entzündung verstärkt ist)

                  Sollten die Schmerzen primär durch Neuroinflammation entstehen, dann kann man natürlich um einiges mehr machen.

                  Und wenn ihr mal genau lest, dann liest man ja andauernd, dass die Enttäuschung zu psychischen Leidensdruck führt, zuerst wird die MB nicht richtig wie versprochen gemacht = Leidensdruck, dann die Konferenz nicht gemacht = Leidensdruck, den man ganz genau auserliest, dann geht der Schmerzarzt weg und alleine die Sorge, dass es nicht weiter klappt = psychischer Leidensdruck. Und wenn dann am Ende die Keta auch nichts bringt, usw, dann sind dann neben den physischen Schmerzhämmern noch psychische die sich Gegenseitig auch noch verstärken.

                  PS: Und natürlich ist es nobel versuchen Menschen aufzubauen, nur wenn aus der Hoffnung nur falsche Hoffnung wird, verschlimmert es die Lage nur. Klar, der Tipp mit Konrad, den sehe ich immer noch als sinnvoll an, auch das mit der Keta, aber mit einer Kombi aus Lyrica und Dronabinol etc wird man schwere Neuropatische Schmerzen nicht wegbekommen oder dramatisch reduzieren können, und, dass ein Schmerzarzt, Aachen oä, eine Therapie bieten, die bei schweren Neuropatischen Schmerzen wirklich durchschlagend wirkt, durch Kombination mit den bekannten Schmerzmittel, ist schlich aktuell nicht möglich.
                  Zuletzt geändert von letzte Frage; 09.04.2019, 23:11.

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                    #84
                    LF, grundsätzlich glaube dir ja deine Erfahrungen und Beobachtungen; sie decken sich ja auch zum großen Teil mit meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.
                    Aber wenn jemand nach einiger Zeit plötzlich mit seinen vorher als unerträglich empfundenen/bewerteten Schmerzen zurechtkommt, dann können mMn nur zwei Gründe zutreffen.
                    1. Der Schmerz hat tatsächlich auf körperlicher Eben abgenommen; manchmal ist diese Entwicklung zu beobachten bei weit fortgeschrittener diabetischer PNP, wenn dann zu wenig Nervenfasern übrig sind, die Schmerzreize generieren können, sofern der Schmerze zuvor nicht signifikant zentralisiert wurde.
                    2. Die Person hat zuvor den Spielraum zur mentalen Kompensation nicht vollständig ausgenutzt, was heißt, dass der Schmerz anfangs doch nicht so schlimm/unerträglich war, wie er empfunden/bewertet wurde.

                    Prinzipiell kann natürlich Akzeptanz den psychischen Leidensdruck vermindern. Aber sie kann nicht das körperliche Leiden bzw. dessen Wahrnehmung und Bewertung signifikant beeinflussen, wenn es mal über einen bestimmten Punkt hinaus geht. Ich habe schon so viel geschluckt bis dann auch akzeptiert, was ich anfangs nicht für möglich gehalten hatte, aber irgendwann ist da eine nicht mehr weiter verschiebbare Grenze.

                    Mein psychischer Leidensdruck entsteht v.a. 1. durch das Wissen, dass mein jetziger Zustand mit den schlimmen Schmerzen und schweren trophischen Störungen vermeidbar gewesen wäre, wenn man mich damals ernst genommen hätte; alleine meine Annahmen stellten sich im Nachhinein als richtig heraus, dann nur zu spät.
                    2. durch die schweren neuropathischen Schmerzen an sich (und die weiteren Symptome im Rahmen der neurovaskulären Erkrankung) und die fehlende Lebensqualität/perspektive dadurch.

                    Ob bei meinem Opa eine frühzeitige Amputation sinnvoll gewesen wäre, denke ich schon, meinten auch die Ärzte nachdem es nicht mehr ging, da er ja die Füße nicht mehr bewegen konnt
                    Hier sprichst du einen Punkt an, über den ich mir auch schon Gedanken gemacht und den ich auch schon in der Vergangenheit in anderem Kontext erfahren habe. Viele Ärzte wählen den für sie einfachsten/bequemsten Weg mit der geringsten/null Verantwortung, sprich: gar nichts (mehr) machen/versuchen, hoffen, dass der Patient irgendwie mit den Beschwerden klarkommt oder er zumindest nicht mehr beim Arzt auftaucht. Natürlich gibt es irgendwann immer einen Punkt, an dem man nichts mehr machen kann, aber allzu schnell wird heutzutage das Urteil über einen Patienten mit komplexer Erkrankung gefällt, dessen Betreuung nicht effizient genug ist. Und damit erst das betreffende Schicksal des Patienten generiert.
                    Umgekehrt kann man dann häufig mit Ärzten nicht einmal neutral und offen über eine "last-resort"-Option wie Amputation sprechen, die zwar im ersten Moment radikal erscheinen mag, beim Durchdenken aber eigentlich ab dem Erreichen eines gewissen Punkts auf der Kosten-Nutzen-Rechnung höchst rational sein kann. Nein, da läuft man dann noch Gefahr, dass man als psychisch gestört eingeschätzt wird, von wegen Wunsch nach Selbstverstümmelung und so.
                    Ich habe jetzt schon ziemlich schwere trophische Stöungen/Durchblutungsstörungen inklusive rez. offene Stellen/Wunden/Ulzerationen und wenn ich mich nicht mehr selbst jeden Tag insb. um meine Füße kümmern kann, wird die Erkrankung samt Nebenerscheinungen/komplikationen sicherlich innerhalb kürzester Zeit noch einmal massiv fortschreiten. Und dann ist es auch nicht mehr weit zu schweren Infekionen/Sepsen, Schock und all die Nettigkeiten, die so etwas (vermeintlich) initial "Unangenehmes, aber Harmloses" mit sich bringen kann.
                    Die Ärzte warten bei derartigen Erkrankungen so lange, bis es entweder fast oder tatsächlich zu spät ist, und sagen dann: "...tja, tut uns leid, aber da kann man jetzt wirklich nichts mehr machen..." Und dann kann es sogar tatsächlich stimmen.
                    Bei anderen Erkrankungen wiederum wird sehr schnell/vorschnell agiert, einfach, weil es so anerkannt/akzeptiert ist und/oder es sich wirtschaftlich lohnt.

                    Sollten die Schmerzen primär durch Neuroinflammation entstehen, dann kann man natürlich um einiges mehr machen.
                    Bei allen chron. Schmerzsyndromen und. insb. schweren chron. neuropathischen Schmerzen spielt die neurogene Inflammation eine Rolle - sie ist nur mal weniger, mal mehr und mal besonders stark ausgeprägt.
                    Zuletzt geändert von pelztier86; 10.04.2019, 02:22.

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                      #85
                      Also eine 100% Antwort habe ich da auch nicht, aber die Nerven waren nicht tot, die Gefühle waren noch gleich vorhanden, was man beim Wundsäubern usw ja auch sah, die Schmerzreaktion. Dieses erhöhte ausschöpfen der mentalen Komponente ist ja bekannt, ich glaube nur, dass es a.) schwer ist diese zu kennen, wie es sich entwickelt und b.) dass diese durchaus mit Meditation uä massiv erweitern lassen kann. Ich schreibe explizit grundsätzlich, da die Praxis zeigt, dass es sehr schwer ist. Ich vermute, dass durch das zerschlagen der Hoffnung ua die psychische Komponente auch grundsätzlich verringert war, er war sich dessen aber nicht bewusst. Die Füße sahen aber schrecklich aus, also da war sicher ein erheblicher Leidensdruck seitens der Schmerzen vorhanden, bei meinem Vater wäre ich mir da nicht so sicher.

                      Der psychische Leidensdruck lässt sich aber durch Meditation immer lösen, das Problem ist, wie man in einen solchen Zustand kommt, wenn man ihn nie erlebte, und dann in einer Ausnahmesituation steckt. Da gehe ich mit Konrad konform, sowas kann kein Schmerzarzt, da wette ich, wie es mit Mönchzen aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber die EEG und Co Studien zeigen, dass diese es auf einem sehr hohen Level beherrschen und man sieht hier auch, dass Schmerzreize im Gehirn unterdruckt werden könenn, insb bei der Bildgebung wie PEt und Co. Ich fand die Studie nicht, aber man findet sie sicher. Bzgl Dissoziation wurde meines Wissens nach noch keine Studie durchgeführt, da diese ja nach ICD 10 generell eine Erkrankung ist, das ist nur Unsinn.

                      Das mit den Ärzten deckt sich auch meiner Erfahrung nach, aber oft scheitert es an den Vorgesetzten, da hier das Wohl des Klinikrufes wichtiger ist, wie der Patient, Junge Ärzte und besonders Ärztinnen sind da oft aufgeschlossener. Ich glaube es ist aber generell ein menschliches Problem, gar nicht nur Artspezifisch.

                      Das mit der Amputation scheint typisch deutsch. Ich meine selbst die Schweizer sind da offener, man sieht das auch beim Thema Sterbehilfe. Die Deutschen wissen immer alles, aber auch die Österreicher, ohne es erlebt zu haben oder sich gar überhaupt Gedanken zu machen.

                      Bzgl der Neuronflamation da bin ich jetzt nicht am Laufenden, weiß aber, dass man diese sehr gut drücken kann, da sie bei vielen Krankheiten eine Rolle spielt. Da müsste man aber fast die genauen Werte kennen, und dann gezielt mit Medikamenten arbeiten, nicht blind, da diese über verschiedene Rezeptoren und Entzündungsmediatoren entstehen. Ganz oft spielen die Mastzellen eine Rolle, aber auch Nf kB etc die man gezielt blocken kann.




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                        #86
                        Btw ich weiß, dass in Österreich bei der Durchblutung die Barmherzige Schwestern Linz sehr gut sind, hatte gerade erst gelesen, wo eine "nicht machbare" extrem komplizierte Operation durchgeführt wurde und ein "nicht rettbares" Bein, doch noch gerettet wurde, meine persönlichze Erfahrung mit den BHJ Schwestern und Brüdern Linz ist gut, also sie kommen mir da auch ehrlich und interessiert vor und nicht so überheblich, auch wenn beides keine Unikliniken sind. Aber soviele Ärzte hatte ich da auch nicht kennen gelernt, es wäre aber ev mal ein Versuch dort anzufragen.

                        Allerdings muss man fairerweise auch dazu sagen, dass es auch an Patienten liegt dass es so ist, wie es ist. Hab mal von einer Patientin gelesen, die ewig den Arzt anjammerte wegen den schweren Schmerzen ein Medi zu bekommen, dann bakam sie es, und dann hatte sie sich mega darüber aufgeregt, dass der Arzt ihr ein so schweres Medi (Lryirca!) bei ihren Beschwerden verschrieb, und alle meinten dann auch gleich "Körperverletzung" "Anzeigen" usw. Den Beipackzettel hatte die gute wohl nicht gelesen ... so Patienten sind nichtmal so selten wie man jetzt meinen würde.
                        Zuletzt geändert von letzte Frage; 10.04.2019, 01:45.

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                          #87
                          Allerdings muss man fairerweise auch dazu sagen, dass es auch an Patienten liegt dass es so ist, wie es ist. Hab mal von einer Patientin gelesen, die ewig den Arzt anjammerte wegen den schweren Schmerzen ein Medi zu bekommen, dann bakam sie es, und dann hatte sie sich mega darüber aufgeregt, dass der Arzt ihr ein so schweres Medi (Lryirca!) bei ihren Beschwerden verschrieb, und alle meinten dann auch gleich "Körperverletzung" "Anzeigen" usw. Den Beipackzettel hatte die gute wohl nicht gelesen ... so Patienten sind nichtmal so selten wie man jetzt meinen würde.
                          Das ist sogar ein erheblicher Teil des Problems, denn diese Patienten werden immer mehr und bilden meinem Empfinden nach mittlerweile die Mehrheit. Wenn jemand sagt, er habe schwere (Dauer)Schmerzen, dann kann man das heutzutage leider nicht mehr per se ernst nehmen ohne zu hinterfragen. Wie oft lese ich auch solche Kommentare a la "...habe heute wieder so extrem Schmerzen (gemeint sind Nervenschmerzen). Aber ich lasse mir den Tag davon nicht vermiesen und ging trotzdem mit meinem Hund und meiner Familie lang spazieren...." oder "....ich habe zwar täglich schlimme Symptome, aber ich lasse mich davon nicht beeinflussen und lebe mein Leben; ich habe die Erkrankung und nicht die Erkrankung mich..."...oder "Ratschläge" von Leuten, die tatsächlich meinen, sie könnten mit einem Schmerzgrad von 8/10 24h/Tag allein durch ihre Einstellung ein annähernd normales Leben führen, und andere dann auch die entsprechenden Tipps für den richtigen Umgang mit schweren Dauerschmerzen geben.
                          Und das prägt natürlich das Bild er Ärzte. Entweder der Arzt zieht dann bei den Schilderungen des Patienten per se einiges ab, oder aber er bekommt dann tatsächlich den Eindruck oder wird in dem Eindruck bestärkt, dass mit der richtigen Einstellung und Psyche auch die stärksten Dauerschmerzen (gut) zu ertragen sind. Dass man dann als anders gearteter Patient oft untergeht und sich noch rechtfertigen muss, ist eigentlich auch klar.
                          Zuletzt geändert von pelztier86; 10.04.2019, 01:58.

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                            #88
                            zgl der Neuronflamation da bin ich jetzt nicht am Laufenden, weiß aber, dass man diese sehr gut drücken kann, d
                            So allgemein formuliert stimmt das leider nicht. Neuroinflammation ist auch nicht gleich Neuroinflammation.

                            Kommentar


                              #89
                              Das Problem bei der Neuroinflammation ist ja, dass man blind auf einen nicht bekannten Feind feuert, man müsste erst wissen, wie diese vermittelt wird, dann kann man durchaus gut dagegen arbeiten. Bei der ALS wurde doch erst wieder bei Masitinib eine Studie publiziert, welches eine Wirkung über Rilu zeigte. Bei MS kennt man da auch, die Ergebnisse, usw. Da man aber nicht blind alles testen kann, was es gibt, müsste man da gezielt nach den Mediatoren schauen, das kostet, und das macht wieder keiner.

                              ich glaube nicht, dass ein Arzt der jemals in einer Klinik arbeitete, meint, dass man mit einer normalen Einstellung und schweren Schmerzen spazieren gehen kann, die meisten schweren Krankenkheiten die mit schweren Schmerzen einhergehen, schließen rein von der Krankheit aus schon spazieren aus. Oft schon rein gehen. Niedergelassene junge Ärzte mögen da möglicherweise anders denken.

                              Die Patienten und die Ärzte sind die selben Menschen. Das ist ja grade das blöde, es sind bei beiden die mehreren und das schaukelt sich gegenseitig auf.

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                                #90
                                ich glaube nicht, dass ein Arzt der jemals in einer Klinik arbeitete, meint, dass man mit einer normalen Einstellung und schweren Schmerzen spazieren gehen kann
                                Doch, habe ich alles schon erlebt.
                                Bei einer primär sensiblen Neuropathie ohne signifikante motorische Beteiligung kann man ja durchaus von der Kraft her normal gehen. Wenn, dann schränken massive Schmerzen oder Gleichgewichtsstörungen die Gehfähigkeit ein.
                                Die Patienten und die Ärzte sind die selben Menschen. Das ist ja grade das blöde, es sind bei beiden die mehreren und das schaukelt sich gegenseitig auf.
                                Das stimm natürlich. Da treffen die Richtigen/Kompatiblen aufeinander.

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